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Trainer sieht „noch viel Potenzial“

2:12,17 Minuten - diese Zeit wird sich Lisa Zaiser wohl ewig merken. Es ist jene Zeit, die sie am Donnerstag in Berlin für EM-Bronze über 200 m Lagen benötigt hat. Die am Samstag 20-jährige Kärntnerin, die erst mit sieben Jahren so richtig mit dem Schwimmen begonnen hatte, katapultierte sich damit zur neuen heimischen Hoffnung und bewies, dass der Schwimmsport in Österreich auch nach Markus Rogan sowie Mirna und Dinko Jukic eine Zukunft hat.

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„Was ist denn da grad passiert? Ich glaub, ich spinn’. Irre - komplett sprachlos - und das heißt bei mir was“, schrieb Zaiser auf ihrer Website. „Jetzt mag ich aber nie mehr hören, dass nach Jukic und Rogan nichts nachkommt.“ Schon die ganze Woche lang hatte sich die Kärntnerin, die am Freitag über 200 m Kraul als Semifinal-Elfte den Finaleinzug verpasste, auf ihre Paradedisziplin gefreut.

Bei den Staatsmeisterschaften Anfang August in St. Pölten hatte sie die Form schon gespürt, die Zeiten dort waren besser als erwartet. Am Tag vor dem EM-Auftakt war die Ungeduld am größten. „Ich war so aufgedreht, am liebsten wäre ich die 200 m Lagen da gleich geschwommen. Ich weiß nicht, wie oft ich die 200 m Lagen in der letzten Woche in Gedanken durchgegangen bin. Ich hatte schon Angst, dass die Form nicht hält.“

Medaille auch ohne „Haxenbruch“

Dann überzeugte sie aber mit Vorlaufrang zwei und Semifinal-Platz fünf. Im Finale lag Zaiser zur Halbzeit nach der Delfin- und Rücken-Lage noch auf Rang fünf, dann kam aber die Brust-Lage, in der sie aufdrehte und als Dritte mit 1,17 Sekunden Vorsprung auf die Viertplatzierte wendete. Im Ziel waren vor ihr nur Katinka Hosszu (HUN) und Aimee Willmott (GBR). Edelmetall überraschte die Kärntnerin gehörig: „Ich hätte vorher gedacht, dass das nur möglich ist, wenn sich zwei den Haxen brechen und eine disqualifiziert wird.“

Jubel von Lisa Zaiser (AUT)

GEPA/M. Hoermandinger

Zaiser konnte die überraschende Bronzemedaille gar nicht fassen

Auch ihr Trainer Marco Wolf hat nicht an die Medaille geglaubt: „Die war nicht so realistisch. Eigentlich ist es Lisa im Vergleich zum Training nicht leicht, sondern ziemlich zäh gegangen.“ Wolf betreut Zaiser seit knapp einem Jahr, als sie wegen des zu kleinen Beckens in Spittal an der Drau nach Linz wechselte, wo sie gemeinsam mit Jördis Steinegger trainiert. Bis nach Linz und zu EM-Bronze war es aber eine weite Reise, die in der Volksschule ihren Ausgang genommen hat.

Wie alles begann ...

Die Initialzündung für Zaisers Karriere, die am 23. August 1994 in Spittal an der Drau geboren ist und sich von Anfang an als „Wasserratte“ bezeichnete, war ein Schwimmkurs in der Volksschule. „Ich wurde gleich weiter in einen Verein geschickt. Aber als ich da zweimal die Woche trainieren musste, war mir das zu viel und ich wollte aufhören.“ Sie überlegte es sich zum Glück anders und entwickelte sich stetig weiter. „Wer aufhört, besser zur werden, hat aufgehört, gut zu sein“, lautet ihr Motto. Als Elfjährige wurde sie in ihrem ersten Rennen über 800 m Kraul gleich Jugend-Staatsmeisterin.

Spätestens da war ihrem engeren Umfeld klar, was da ein Talent heranreift. Zu diesen Personen gehört neben Papa Horst, Mama Petra und Bruder Timo auf alle Fälle Ferdinand Kendi. Der Coach hatte sie beim SV Spittal von Anfang an unter seinen Fittichen und sorgte mit seiner Arbeit für die ausgereifte Schwimmtechnik seines Schützlings. Für Zaiser wurden Erfolge zur Gewohnheit: „Ich war eigentlich immer gewöhnt, große Leistungssteigerungen zu haben.“

EM-Debüt mit 15 Jahren

Noch als 15-Jährige gab sie im Juli 2010 in Budapest ihr EM-Debüt, nicht einmal eineinhalb Jahre später stand sie 16-jährig bei den Kurzbahn-Europameisterschaften in Szczecin (Stettin) zweimal in einem Finale. Sie wurde Siebente über 100 m und Achte über 200 m Lagen. Schon da war klar, dass ihr die Lagen-Bewerbe wie auf den Leib geschneidert sind. Das bewies sie als Jüngste des ÖOC-Teams bei Olympia 2012, als sie in London als 19. durchaus überzeugte.

Danach folgte ein kurzes Tief, weil sich die Kärntnerin, die Freunde treffen, Shoppen und Reisen als ihre Hobbys nennt, auf die Matura konzentrieren musste. Zudem plagte sie ein hartnäckiger, dreimal operierter Abszess am Ohr. Zaiser, die sich als zielstrebig bezeichnet, durchtauchte diese Phase aber, wechselte nach Linz und schaffte letztlich bei der EM ihren Durchbruch. „Ich hatte mir vorgenommen, dass ich nach der Schule ein Jahr gar nichts mit der Ausbildung machen und mich nur auf das Schwimmen konzentrieren will.“

„Noch viel Potenzial“

Die Mühe machte sich bezahlt. Große Ruhepause gibt es für Zaiser nach ihrem Coup aber nicht. Im Anschluss an die EM wird sie bei den Kurzbahn-Weltcups in Doha und Dubai bis inklusive 1. September Topplätzen und den Limits für die WM von 3. bis 7. Dezember in Doha nachjagen. Für danach ist gerade mal eine Woche Ruhe eingeplant.

Das nächste große Ziel hat sich Zaiser schon auserkoren - und zwar das WM-Finale Anfang August 2015 in Kasan. Trainer Wolf gerät ins Schwärmen, wenn er an die Zukunft denkt: „Lisa hat noch so viel Potenzial, da ist noch so viel drinnen. Das Bronze von Berlin kann nicht alles gewesen sein, das war erst der Anfang.“

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