„Schweden ist ja kein Wiesengegner“
Sollte bei ÖFB-Teamchef Marcel Koller wie bei seinen Spielern die Enttäuschung über das 1:1 im Auftaktspiel der EM-Quali gegen Schweden überwogen haben, dann hat er sich diese zumindest nicht anmerken lassen. Der Schweizer sprach auch am Tag nach dem Remis von einem guten Spiel seines Teams und war um Ruhe bemüht. „Die Qualifikation wird nicht an Tag eins entschieden“, wollte Koller festgehalten wissen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Besonders in dieser Quali ist die Erwartungshaltung - aufgrund des neuen Modus völlig zu Recht - aber besonders hoch, da wird ein Heimremis gegen Schweden schnell zur gefühlten Niederlage. Die öffentliche Unzufriedenheit kommt für Koller dabei nicht überraschend. „Nach zweieinhalb Jahren kenne ich die österreichische Mentalität schön langsam. Entweder ist man himmelhoch jauchzend oder am Raunzen“, sagte der 53-Jährige. Und relativierte das Ergebnis: „Schweden ist ja kein Wiesengegner. Sie haben sehr diszipliniert gespielt und waren teilweise mit neun Mann hinter dem Ball.“

ORF.at/Dominique Hammer
Koller mischte sich nach der Partie unter die Spieler und holte sich erste Infos
Die Schweden profitierten jedenfalls von den zwei Spielen in der letzten WM-Qualifikation und ließen sich nach der 1:2-Auswärtspleite im Juni 2013 nicht mehr überrumpeln. „Wir waren von Österreich nicht überrascht. Wir wussten, wie sie spielen werden. Darauf waren wir vorbereitet“, sagte Schwedens Teamchef Erik Hamren, der seiner Elf ein sehr passives Konzept verpasste. „Für uns ist das ein gutes Ergebnis. Österreich ist zu Hause sehr stark, viele Teams werden hier Probleme bekommen“, so Hamren, der mit dem Remis sehr zufrieden war.
Ruhe und Passspiel als positive Aspekte
Österreichs Coach ortete indes im Spiel seiner Elf Licht und Schatten. Er habe Fortschritte gesehen, aber auch Bereiche mit Verbesserungspotenzial. Gut gefallen hat dem Schweizer vor allem die Reaktion auf den schnellen Ausgleich. „Letztes Jahr sind wir noch hektisch geworden. Diesmal haben wir die Bälle nicht blind nach vorn gedroschen, sondern versucht, weiter Fußball zu spielen. Da sehe ich uns weiter als vor zwei Jahren“, war der Teamchef mit dem Passspiel zufrieden. „Das habe ich verlangt, und das haben wir auch gut umgesetzt, aber gegen den schwedischen Riegel war es schwer.“
Vom Defensivkonzept des Gegners war Koller nicht überrascht, wobei ihn die konsequente und disziplinierte Umsetzung des schwedischen Masterplans Respekt abnötigte. „Sie haben auf der Seite die Räume sehr schnell zugemacht, die Außenspieler Durmaz und Zengin waren da sehr aufmerksam. Wir hatten gehofft, das eine oder andere Loch zu finden. Es war schwierig, diese zwei schwedischen Wände zu durchbrechen, wenn man auch gleichzeitig auf Konter aufpassen muss“, analysierte der Teamchef den schmalen Grat, auf dem sich seine Elf gegen die Skandinavier bewegt hatte.

ORF.at/Christian Öser
Besonders auf David Alaba hatten die Schweden defensiv ein Auge
Zu wenig Tempo im Umschaltspiel
Mit der Umsetzung der eigenen Gegenstöße war Koller indes nicht zufrieden. Das Umschaltspiel hätte konsequenter vorgetragen werden müssen, damit die schwedische Abwehr in Bedrängnis kommt. „Gewisse Situationen müssen wir mehr mit vertikalen Bällen ausnutzen. Wir haben einige Bälle abgefangen, danach aber manchmal das Spiel zu sehr verzögert. Da muss man auch einmal einen Sprint über 60 Meter oder mehr hinlegen und das Tempo hochhalten. Da können und müssen wir zulegen“, forderte der Teamchef.
Diesbezüglich nahm Koller auch Flügelspieler Marko Arnautovic in die Pflicht. Der Stoke-Legionär verlangsamte nach dem Geschmack des Teamchefs in manchen Situationen unnötigerweise das Spiel. „Er hat in der ersten Hälfte schon einmal verzögert. Wenn er da das Tempo hochhält, bekommt der Gegner Schwierigkeiten. Wenn man in dieser Position spielt, ist es wichtig, auch Tore zu erzielen. Da muss er sich verbessern“, forderte Koller, der am Ende Valentino Lazaro brachte, weil dieser „im Training die Läufe in die Tiefe am besten gemacht hat. Damit wollten wir hinter die schwedische Abwehr kommen.“

ORF.at/Christian Öser
Einmal abbremsen zu viel: Marko Arnautovic soll mehr Zug auf das Tor entwickeln
Janko steht nicht zur Diskussion
Am Ende war es aber wieder einmal die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, die das ÖFB-Team die drei Punkte kostete. „Nach dem Lattentreffer war für die Schweden Schluss. Wir hatten indes Chancen. Da hat dann aber leider die letzte Konzentration gefehlt. Vielleicht wollten wir es auch zu schön machen“, sagte Koller. „Die mangelnde Auswertung ist schwierig im Nationalteam zu beheben. Vielleicht nimmt es der eine oder andere im Training zu locker, dann fehlt die Spannung und Aggressivität. Man muss aber auch festhalten, dass man nicht jede Torchance verwerten kann.“
Auf eine Diskussion um Marc Janko wollte sich der Schweizer nicht einlassen. Der Sydney-Legionär habe ein aktives Spiel gemacht und werde weiter aus Australien eingeflogen, sprach Koller, der Andreas Weimann und auch Erwin Hoffer weiter beobachten wird, ein Machtwort. Wegen Jankos Saisonstart im Oktober „hat man aber auch gesehen, dass er noch nicht bei 100 Prozent ist. Aber in einem Monat schaut das schon anders aus. Er ist für uns wichtig, das werden wir auch so beibehalten. Er hat einen schweren Stand, kassiert auch Pfiffe, zeigt aber ein sehr professionelles Verhalten.“
„Dürfen uns nicht verrückt machen lassen“
Auch bei anderen Personalien oder Aufstellungsfragen wird Koller an seiner Linie festhalten. So wird etwa David Alaba im ÖFB-Team definitiv nicht auf die linke Seite wechseln, um dort für Schwung zu sorgen. „Ich habe es mir schon einmal überlegt, aber für uns bleibt er wichtiger im Mittelfeld. Auf der Seite hat er weniger Ballkontakte, im Zentrum kann er hingegen aktiver spielen“, ließ Koller auch keine Diskussion über die Position seines Schlüsselspielers aufkommen.
Damit will Koller vor der nächsten Teamzusammenkunft am 5. Oktober für das Auswärtsspiel in Moldawien Ruhe im Team haben. Diese ist für den Schweizer essenziell, um eine erfolgreiche Qualifikation zu spielen. „Es wird in dieser Gruppe weiter enge Spiele geben. Die Ausgangslage hat sich nicht geändert. Wir haben gegen einen Gruppenfavoriten einen Punkt geholt. Wir dürfen uns da nicht verrückt machen lassen. Es geht weiter. Wir müssen Spiele gewinnen, und das werden wir auch tun“, versprach Koller.
Christian Wagner, ORF.at
Links: