„Wir sind da knallhart“
Nach dem medaillenlosen Abschneiden Österreichs bei den Olympischen Spielen 2012 in London ist der Ruf nach massiven Veränderungen in Österreichs Sportstrukturen und dem Fördersystem groß gewesen. Bei den nächsten Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 soll das Debakel von 2012 vergessen gemacht werden.
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Als Reaktion wurde das „Projekt Rio“ ins Leben gerufen. Unter der Führung des Sportministeriums werden bis 2016 insgesamt 20 Millionen Euro an ausgewählte Kaderathleten ausgeschüttet, das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) ist Kooperationspartner. Projekt-Chefkoordinator ist Peter Schröcksnadel, der Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) und Vizepräsident des ÖOC.
Evaluierung mit „heilsamer“ Wirkung
Die nächste Evaluierung der Kader für die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien steht nun unmittelbar bevor und soll rund um den „Tag des Sports“ am 20. September präsentiert werden. Sie wird laut Schröcksnadel für einige „heilsam“ sein. „Weil sie sehen, dass es so nicht geht“, sagte der 73-Jährige bei seinem traditionellen Sommergespräch in Wien. „Aber andere werden dafür reinkommen.“

APA/Herbert Neubauer
Schröcksnadel fordert von den Athleten sportlich anspruchsvolle Leistungen ein
Auf der ÖOC-Website führte er weiter aus: „Wir sind da knallhart. Es fliegt jeder raus, der keine Leistung gebracht hat – und wer in die Nähe von Medaillen kommt, ist drin. Dass einzig und allein die Leistung zählt und nicht die Beziehungen irgendwohin“. Offenbar ist der Versuch von Beach-Ex-Europameisterin Stefanie Schwaiger mit der jungen Lisa Chukwuma nicht weiter förderungswürdig.
Leistungsnachweis von Jukic gefordert
Auch der streitbare Schwimmer Dinko Jukic muss einen Leistungsbeweis bringen - notfalls auch abseits eines Wettkampfs. Schröcksnadel sagte, er habe zwischen Verband und Jukic vermittelt: „Der Verband muss jetzt schauen, inwieweit die Förderungen umgesetzt worden sind. Ich mische mich da nicht mehr ein“, meinte Schröcksnadel, hielt aber fest: „Dinko muss Leistungen bringen wie jeder andere. Er muss sich entscheiden, was er will.“
Jukic, der im August die Qualifikation für die EM verpasst hatte, war - auch aufgrund seiner Sperren durch den OSV - seit Olympia 2012 bei keinem Großereignissen am Start und wird 2014 über das „Projekt Rio“ mit 120.000 Euro gefördert. Er wurde vom Schwimmverband aufgefordert, das Langbahn-EM-Limit über 200 m Delfin bis Ende Oktober nachzubringen, bis dahin stehen jedoch nur Kurzbahn-Meetings auf dem Programm.
Abkehr vom Gießkannenprinzip
Schröcksnadel betrachtet die richtige Einstellung der Sportler als Grundvoraussetzung, um auch im Sommersport möglichst rasch Erfolg zu haben. Daher gibt es für den ÖSV-Boss und erfolgreichen Unternehmer nur die Abkehr vom Gießkannenprinzip in der Sportförderung. „Mit allgemeiner Unterstützung hast du keine Chance.“
Nehme man aber bereits erfolgreiche Sparten und schaffe ein gutes Umfeld, bestünden Chancen, schneller weiterzukommen, meinte der Tiroler und nannte Segeln, Paddeln, Rudern, Ringen, Beachvolleyball, Reiten, aber auch den Golfer Bernd Wiesberger als Beispiele. Damit könne man auch andere nachziehen. Die Erkenntnis des Wintersportexperten lautet zwei Jahre vor Rio: „Der Sommersport muss lernen, sich zu professionalisieren.“

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Schröcksnadel lobt Golfer Wiesberger als Vorbild
Beim Sommersport sei in erster Linie wichtig, „dass du ein Gefühl dafür hast, was ein Athlet braucht, egal in welchem Sport. Und das habe ich“, ist der Manager überzeugt. Sich auf Sportarten zu konzentrieren, in denen Medaillenchancen bestünden, sei eine durchaus gute Botschaft. „Weil man sieht, dass Leistung honoriert wird und Früchte trägt. Sonst bräuchte man im Leistungssport kein Leistungsprinzip.“ Das Wichtigste sei nun der Erfolg. Die Latte liege ohnehin tief, wenn nicht gar am Boden. „Aber selbst wenn wir keinen Erfolg haben, war es den Versuch wert.“ Dennoch gibt er sich zuversichtlich: „Ich glaube, dass wir in Rio drei bis fünf Medaillen schaffen.“
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