„Nicht zu viel auf andere schauen“
Auf Österreich wartet am Donnerstag in Chisinau mit Moldawien (20.45 Uhr live in ORF eins und im Livestream) die erste Pflichtaufgabe auf dem Weg zur EM 2016 in Frankreich. Teamchef Marcel Koller erwartet sich gegen die kampfstarken Gastgeber ein Geduldspiel, bei dem erst ein „Joker“ stechen könnte - einer wie Valentino Lazaro. Das „Teambaby“ fühlt sich für diese Rolle gerüstet.
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Mit seinen 18 Jahren drückt der gebürtige Grazer den ohnehin nicht hohen Altersschnitt der aktuellen ÖFB-Mannschaft deutlich nach unten. Zum vierten Mal wurde Lazaro von Koller in den Teamkader berufen, zum ersten Mal allerdings durfte er für ein Pflichtspiel ins Teamflugzeug steigen. Dass er mit drei Punkten im Gepäck wieder heimkommt, davon ist das Talent von Red Bull Salzburg ziemlich überzeugt. „Ich bin sehr positiv gestimmt“, sagte Lazaro vor dem Abflug im Gespräch mit ORF.at, „mich freut es vor allem, dass ich das erste Mal bei einem so wichtigen Spiel mit der Mannschaft mitfliegen kann.“
Lazaro ist kein Alaba
Lazaro gilt nicht erst seit kurzem als die heißeste Nachwuchsaktie im heimischen Fußball seit einem gewissen David Alaba. Mit 16 klopfte bereits Inter Mailand an. Lazaro entschied sich jedoch für einen Verbleib bei Red Bull Salzburg und darf sich seit vergangener Saison daher auch Double-Gewinner nennen. Der Vergleich mit Alaba ehrt ihn zwar, allzu viel Wert legt Lazaro darauf aber nicht. „Der Vergleich mit David Alaba ist noch nicht wirklich nachvollziehbar, denn so weit bin ich noch lange nicht. Es belastet mich aber nicht, denn ich behaupte es ja nicht von mir, sondern die Medien“, so der Youngster, der bei seinem Länderspieldebüt Ende Mai gegen Island um ein paar Monate älter als Alaba bei seinem Debüt war.

GEPA/Christian Ort
Nicht nur im Training mit Alaba und Co. hat sich Lazaro (li.) bereits eingelebt
Dass seine Karriere ähnlich wie die seines prominenten und nur um vier Jahre älteren Teamkollegen verläuft, dagegen hat Lazaro nichts. „Für einen jungen Spieler in Österreich muss David Alaba ein Vorbild sein. Aber man sollte nicht zu viel auf andere Spieler schauen, sondern man muss selbst an sich arbeiten und sich selbst verbessern. Es wäre natürlich toll, wenn man so etwas erreichen könnte“, so Lazaro, der sich einen kleinen Seitenhieb auf die aktuelle internationale Situation bei Salzburg nicht verkneifen kann: „Mein Ziel ist es, überhaupt einmal in der Champions League zu spielen.“
„Auf alle Fälle bereit“
Dreimal, wenn auch nur kurz, durfte Lazaro bisher gegen Island, Tschechien und zuletzt Schweden das Teamtrikot überstreifen. In Chisinau wird der 18-Jährige vorerst wohl auch nur auf der Bank Platz nehmen - und ist damit eine heißer Anwärter für die „Joker“-Rolle. Soweit will der Youngster aber noch nicht denken. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Joker-Rolle spielen werde. Aber wenn ich reinkomme, dann würde mich das natürlich freuen“, so Lazaro, „wenn ich eingewechselt werden sollte, dann bin ich auf alle Fälle bereit.“
Aber was genau könnte Lazaro der Mannschaft bei einer Einwechslung bringen? „Meine Stärken liegen sicher in der Schnelligkeit und im Dribbling“, so der 18-Jährige, der aber laut eigener Aussage noch viel Luft nach oben hat: „Verbessern kann sich jeder Spieler, es gibt keinen perfekten Spieler auf der Welt.“ In die Gefahr, wie zuletzt bei Salzburg als rechter Verteidiger eingesetzt zu werden, kommt Lazaro im Team nicht. Das hat Coach Koller bereits mehrmals ausgeschlossen.
Viele moldawische Gesichter
Lazaro wäre im Angriff jedenfalls eine schwungvolle Alternative zu Marko Arnautovic, sollte sich der Stoke-Legionär am erwarteten Beton der Moldawier wundlaufen. Mit welcher Taktik die Gastgeber allerdings auftreten werden, ist sich Lazaro nicht sicher. „Wir haben sie auf Videos natürlich analysiert. Wir haben gesehen, dass sie viele verschiedene Gesichter haben“, so Lazaro, der sich so wie seine Teamkollegen erst seit der Zusammenkunft in Stegersbach mit dem Gegner beschäftigt hat, „sie haben einmal versucht, schnell rauszuspielen, dann haben sie es wieder mit langen Bällen probiert.“
Trotz seiner Jugend reagiert Lazaro auf die Frage, wie denn Moldawien zu knacken sei, bereits wie ein alter Hase - mit dem vom Teamchef vorgegebenen Credo. „Wir schauen nicht so viel auf die anderen“, so der gebürtige Grazer auf Nachfrage von ORF.at, „wichtig wird sein, dass wir unsere Leistung bringen. Darauf wird es ankommen.“ Und natürlich auf Tore, das große Manko der ÖFB-Elf. „Das liegt auch an jedem Spieler selber. Ich mache mir da keine Sorgen“, so der 18-Jährige.
Premierentor noch vor Ronaldinho?
Apropos Tore: In dieser Kategorie könnte Lazaro im Vergleich mit Alaba hervorstechen. Denn erzielt der 18-Jährige in der laufenden EM-Qualifikation sein erstes Teamtor, dann wäre er damit deutlich jünger, als der Bayern-Star damals. Denn Alaba, der bereits im Oktober 2009 für Österreich debütierte, musste auf seinen ersten Treffer bis zum 16. Oktober 2012 gegen Kasachstan warten. Da war er bereits 20 Jahre alt. Träfe Lazaro etwa bereits gegen Moldawien oder Montenegro, wäre er sogar jünger als sein großes Vorbild Ronaldinho bei dessen erstem Länderspieltor - der Brasilianer war damals 19 Jahre alt.
Karl Huber, ORF.at, aus Chisinau
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