Themenüberblick

„Epochales Projekt“ in Wien

Bei seiner Wiederwahl zum ÖFB-Präsidenten im Vorjahr hat Leo Windtner die Errichtung eines neuen Hauptquartiers für den Österreichischen Fußballbund als eines seiner großen Vorhaben für die zweite Amtszeit ausgegeben. Diesem Ziel scheint man nun sehr nahe - in der Wiener Seestadt Aspern soll ein gewaltiges Sportzentrum entstehen, in dem der ÖFB eine bedeutende Rolle spielen würde.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Wie der Website der Aspern Sports Area zu entnehmen ist, sind im Stadtentwicklungsgebiet auf einer Grundfläche von 160.000 Quadratmetern unter anderem eine Indoor- und Outdoor-Leichtathletikanlage, eine multifunktionale Sporthalle, ein Schwimm- und Turnzentrum und ein medizinisches Forschungszentrum geplant. Auch die Sportuniversität könnte von der Schmelz nach Aspern übersiedeln. Für den ÖFB wären bei diesem Projekt einige Trainingsplätze - darunter auch einer mit Rasenheizung - und Räumlichkeiten in dem ebenfalls in Aspern geplanten neuen Haus des Sports geplant.

Neuer ÖFB-Standort laut Windtner längst überfällig

Sollte das Realität werden, könnte der größte Sportfachverband Österreichs endlich die ungeliebten Büros im Happel-Stadion hinter sich lassen. „Unsere derzeitige Unterbringung lässt es nicht einmal zu, dass wir dort Sitzungen abhalten“, monierte Windtner gegenüber der APA. Laut dem Oberösterreicher stellt ein Umzug nach Aspern eine Option dar.

„Wir beschäftigen uns in einer Arbeitsgruppe intensiv mit dem Thema Infrastruktur. Das neue ÖFB-Kompetenzzentrum ist auf unserer Agenda, wir wissen, dass hier echter Bedarf gegeben ist“, betonte Windtner. „Wenn man sich in Europa umsieht, wurden viele solche Headquarters mit einem beachtlichen Standard geschaffen. Da sind wir einigermaßen im Hintertreffen.“

„Neue Heimat für den österreichischen Sport“

Über genauere Informationen zu dem Asperner Projekt, das laut einem Bericht der Zeitung „Der Standard“ bis zu 200 Millionen Euro kosten könnte, verfügt der ÖFB-Boss nach eigenen Angaben nicht. Wesentliche Inhalte sollten aber noch bis Jahresende, Details in einigen Monaten bekannt sein, so der Oberösterreicher. „Ich weiß nur, dass es sich um ein epochales Stadtentwicklungsprojekt handelt, durch das für den österreichischen Sport eine neue Heimat geschaffen werden soll“, sagte Windtner und ergänzte: „Wichtig ist die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, und die dürfte passen.“ Das neue Sportzentrum soll an der U-Bahn-Linie U2 angesiedelt sein.

Allerdings steht und fällt das gesamte Vorhaben mit der Finanzierung. „Das ist die Kardinalsfrage, im Moment ist sie noch offen“, sagte Windtner. Zumindest einen kleinen Teil könnte die Europäische Fußballunion (UEFA) beisteuern, schließlich unterstützte sie in der Vergangenheit auch die Errichtung anderer Hauptquartiere nationaler Fußballverbände.

Auch neues „Nationalstadion“ ein Thema

Der Löwenanteil würde aus Steuergeldern finanziert werden, was für Windtner kein Problem darstellt. „Es gibt manchmal mehr Geld für Projekte, die weit weniger hinterfragt werden als solche im Sportbereich. Außerdem ist das keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft, wenn man an die vielen Krankheiten durch Bewegungsmangel denkt.“ Eine Finanzspritze des Bundes wäre auch unumgänglich, sollte man sich doch einmal zu einer Sanierung oder zu einem Neubau des Happel-Stadions durchringen. „Auf mittlere Sicht wird das Thema Nationalstadion sicher wieder auf uns zukommen“, prophezeite Windtner.

Dass sich der ÖFB aufgrund der schweren Mängel im Prater-Oval nicht einmal für Spiele der Europameisterschaft 2020 bewerben konnte, liegt dem 64-Jährigen noch immer schwer im Magen. „Mit diesem Stadion hätten wir keine Chance gehabt, obwohl Wien von der UEFA als EM-Standort sehr präferiert gewesen wäre“, sagte Windtner. Fix ist nur so viel: Sollte irgendwann ein neues Nationalstadion kommen, dann würde es nicht in Aspern entstehen. Windtner: „Dort sind meines Wissens nicht die für so eine Einrichtung nötigen Flächen reserviert.“

Links: