„Ein harter und steiniger Weg“
Sechs Punkte in den letzten zwei EM-Qualifikationsspielen, mit sieben Zählern Tabellenführer in Gruppe G und seit acht Spielen ungeschlagen, was einem ÖFB-Team zuletzt vom 30. Jänner 1979 bis zum 2. April 1980 gelungen ist. Die Entwicklung unter Teamchef Marcel Koller schlägt sich auch in Zahlen nieder. Trotz aller Euphorie über den gelungenen Start auf dem Weg zur EM 2016 hält der Schweizer aber den Ball flach.
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Die Momentaufnahme gibt allerdings schon Grund zur Freude. „Die Tabelle sieht nicht schlecht aus, aber das ist nur ein Zwischenschritt. Bis zum nächsten Spiel ist das natürlich schön anzusehen, aber davon dürfen wir uns nicht ablenken lassen“, sagte Koller, der sich auch nicht mit Hochrechnungen oder Was-wäre-wenn-Spielchen bei einem Sieg am 15. November im Heimspiel gegen Russland beteiligen wollte. „Das bringt nichts. Wir würden alle sehr gerne nach Frankreich fahren, aber noch liegt ein harter und steiniger Weg vor uns.“

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Nach der intensiven Woche war Marcel Koller dank der Siege gelöster Stimmung
Ergebnisse geben Selbstvertrauen
Dass sich sein Team von der Entwicklung her auf einem guten Weg befindet, nahm Koller aber wohlwollend zur Kenntnis. Die akribische Arbeit und das hartnäckige Einüben einer Spielidee schlagen sich auch in Ergebnissen und gestiegenem Selbstvertrauen nieder. „Die Spieler sehen, dass sie mit dieser Spielweise erfolgreich sind. Wir haben aber noch Entwicklungspotenzial, davon bin ich überzeugt“, sieht der 53-Jährige den Leistungsplafond seiner Truppe noch nicht erreicht.
Die Umsetzung des Systems klappt jedenfalls immer besser, auch weil Koller seiner Ansicht nach vielleicht die österreichische Bequemlichkeit ein wenig ausgetrieben hat. „Wir wollen immer 100 Prozent abrufen. Das ist mit viel Laufaufwand verbunden ist. Die Spieler müssen Wege machen, die nicht immer für den Einzelnen belohnt werden, aber für das Team. Das machen wir schon sehr gut, wenn auch nicht in jedem Spiel. Es freut mich aber, dass das vom Team so gut aufgenommen wurde“, sieht der Schweizer seinen kontinuierlichen Weg bestätigt.
Vertrauen zahlt sich aus
Nicht nur die Kontinuität beim System, sondern auch beim Spielerkader ist für den Teamchef ein wichtiger Puzzleteil. Entgegen der öffentlichen Kritik vertraut Koller auf Spieler, die bei ihren Clubs nicht in Hochform oder gar nicht spielen. In den bisherigen EM-Qualispielen zahlte sich das aus. So erzielte etwa Marc Janko das 2:1 in Moldawien. Marko Arnautovic zeigte gegen Montenegro eine seiner besten Leistungen im Team, und Goalie Robert Almer rettete mit einer Parade den 1:0-Sieg.
„Ich weiß schon, was ich tue. Ich protze nicht damit und brauche dafür auch keine Bestätigung. Das Team hat sich entwickelt. Wer neu zum Team kommt, muss sich einem hohen Niveau anpassen. Das ist jungen Spielern leichter beizubringen. Man muss immer Bestätigung geben und Vertrauen aussprechen. Ich wollte einen Teamgeist aufbauen, damit jeder mit Spaß zum Team kommt. Gruppenbildung und Neid sind nicht gut“, erklärte Koller seine Personalpolitik.

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Nach dem Schlusspfiff herrschte bei Teamchef und Spielern Erleichterung pur
„Wir schauen nur geradeaus“
Unter dem Strich ist der Teamchef aber froh, eine „intensive und anstrengende Woche mit wenig Erholung für alle“ positiv abgeschlossen zu haben. „Das Wichtigste ist jetzt, die Situation zu genießen und dann bewusst das Spiel gegen Russland anzugehen“, gibt Koller einen Ausblick auf die Arbeit bis zum Spiel gegen die Russen, die er per intensivem Videostudium analysieren wird. „Dann werden wir eine Idee finden, wie wir gegen sie spielen.“
Dass beim WM-Gastgeber 2018 nach dem enttäuschenden 1:1 im Heimspiel gegen Moldawien Feuer am Dach und Coach Fabio Capello angezählt ist, hat Koller mitbekommen. „Aber das will ich als Trainer nicht vermitteln. Mein Team wird deswegen nicht lockerer auftreten. Wir schauen auf uns, nicht links, nicht rechts, sondern nur geradeaus und gehen unseren eigenen Weg“, stellte der Teamchef klar.
Christian Wagner, ORF.at
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