„Sepp ist nicht Präsident, er ist die FIFA“
Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußballunion (UEFA), hat in der französischen Sporttageszeitung „L’Equipe“ scharfe Kritik an Joseph Blatter geübt. Der Boss des Fußballweltverbands (FIFA) kümmere sich nicht mehr um das Wohl des Fußballs, betonte der Franzose in dem am Freitag veröffentlichten Interview. „Man darf den Fußball nicht benützen, sondern muss ihm dienen“, sagte Platini.
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Außerdem bemängelte er die enorme Machtfülle und in vielen Bereichen kompromisslose Vorgehensweise des bereits 78-jährigen Schweizers. „Sepp ist nicht mehr der Präsident der FIFA. Er ist die FIFA.“ Blatter gab erst kürzlich bekannt, wieder zur Wahl des Weltverbandschefs anzutreten. Platini wurde lange als möglicher Gegenkandidat gehandelt, hat aber mittlerweile auf ein Antreten beim FIFA-Kongress 2015 verzichtet.

Reuters/Dylan Martinez
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Erst vor zwei Tagen hatte Platini die FIFA unter Druck gesetzt und eine Neuvergabe der WM 2022 gefordert, sofern es nur „den geringsten Anflug von Korruption“ gegeben habe. In diesem Fall könne es nur „ein neues Votum“ geben, betonte der ehemalige Superstar in einem Interview mit dem Fernsehsender TF1, dass die WM dann nicht in Katar stattfinden dürfe.
Korruptionsvorwürfe: Keine Gesamtveröffentlichung
Chefermittler Michael Garcia, der mit der Untersuchung der WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar vom Weltverband (FIFA) beauftragt worden war, hat der FIFA-Ethikkommission bereits einen 350-seitigen Bericht vorgelegt. Mehrere Mitglieder der FIFA-Exekutive, darunter auch Platini als FIFA-Vizepräsident, sind für eine Publizierung der Akten. Doch FIFA-Präsident Joseph Blatter ist strikt gegen eine Veröffentlichung des Untersuchungsberichts zu den Korruptionsvorwürfen bei den jüngsten WM-Vergaben.
Der Untersuchungsbericht wird daher auch nicht komplett veröffentlicht. Das teilte die FIFA am Freitagvormittag offiziell mit. „Den Untersuchungsbericht integral zu veröffentlichen, würde die FIFA-Ethikkommission sowie die FIFA insgesamt in eine äußerst schwierige rechtliche Situation bringen“, sagte der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert in seiner Funktion als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission. Zudem müssten die „Persönlichkeitsrechte der im Bericht genannten Personen“ gewahrt werden, erklärte Eckert in einem Interview auf der FIFA-Website.
Trotz Drucks von außen und zahlreicher Forderungen nach Transparenz und einer Veröffentlichung des brisanten Dokuments betonte Blatter immer wieder, der Report solle geheim bleiben. Und wie von vielen Kritikern befürchtet, werden nun zentrale Bestandteile des möglicherweise pikanten Dokuments nie öffentlich. „Spätestens Mitte November“ wolle er eine „Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse, Folgerungen und Empfehlungen des Berichts“ und eine Bewertung fertiggestellt haben, erklärte der Münchner Richter Eckert.
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