Nichts für schwache Nerven
Tore, Emotionen, Einbrüche, Tiefschlafphasen, Goaliepatzer und Ausschreitungen: Das Wiener Derby hatte vieles, was ein Fußballspiel braucht und ganz sicher nicht braucht. Für die Trainer war das Duell auch nicht gerade nervenschonend. Während Austria-Coach Gerald Baumgartner trotz des 3:2 über das Beinahe-K.-o. in den Schlussminuten grübelte, haderte Zoran Barisic mit der von Rapid verschlafenen Anfangsphase.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Wir waren die ersten 20, 25 Minuten überhaupt nicht präsent“, wunderte sich Barisic über den unerklärlichen Fehlstart. „Ich sehe das schon so, dass wir wahrscheinlich zu nervös waren“, meinte der sichtlich enttäuschte Coach der Grün-Weißen. „Wir haben uns von der Austria die Schneid’ abkaufen lassen“, fügte er hinzu. „Erst nach dem ersten Gegentor haben wir uns stabilisiert und besser ins Spiel gefunden. Dass wir die ersten 25 Minuten total versäumt haben, war aber am Ende entscheidend für diese Niederlage.“

GEPA/Martin Hoermandinger
Rapid-Coach Barisic wunderte sich über den Fehlstart seiner Elf
Klassestürmer und „fast ein Herzinfarkt“
Dass die Violetten das Match in der ersten Hälfte dominierten und Stürmer Omer Damari mit seinen Saisontreffern sechs und sieben seine Klasse unterstrich, freute zunächst den seit Wochen angezählten Baumgartner. „Mit zwei Sechsern ist unser Matchplan gleich gut aufgegangen“, so der Austria-Cheftrainer. „Damari war heute wieder extrem gut. Viele Stürmer würden in diesen Situationen gar nicht auf die Idee kommen, auf das Tor zu schießen - und er trifft.“ Im Finish hätte ihn dafür laut eigenen Angaben „fast ein Herzinfarkt“ ereilt.
„Wenn die Mannschaft nach 78 Minuten 3:0 führt und es dann noch so eng wird, ist das natürlich sehr ärgerlich“, brachte es Baumgartner auf den Punkt. Dass sein sonst so verlässlicher Torhüter Heinz Lindner dabei auch noch zweimal gehörig patzte bzw. die Kommunikation mit seinen Abwehrleuten überhaupt nicht klappte, machte Baumgartner natürlich auch nicht froh. „Wir hätten diese späten Gegentore zweifellos verhindern müssen“, so der emotional doch etwas mitgenommene Austria-Coach. „Insgesamt überwiegt trotzdem die Freude über den Sieg. Für die Austria war dieses rassige Derby sehr schön.“

GEPA/Christian Ort
Austria-Trainer Baumgarter war dafür mit der Schlussphase nicht zufrieden
Torhüter ließen aus
Zumindest einen Torhüterpatzer hatte auch Baumgartners Kollege Barisic zu verdauen. Beim 0:1 durch Damari aus spitzem Winkel schlug sich Rapid-Goalie Jan Novota den Ball praktisch selbst ins Tor. „Mein Fehler“, gestand der Slowake nach dem Spiel zerknirscht ein. „Dennoch hatten wir genug Möglichkeiten“, wusste Barisic um die zu oft gezeigte Abschlussschwäche. „Nach der Pause haben wir alles auf eine Karte gesetzt, hätten früher das Anschlusstor erzielen müssen.“
Dieses Element ist nicht mehr verfügbar
Der Anschlusstreffer von Beric kam für Rapid zu spät
Letztendlich habe man auch immer zu den ungünstigsten Zeitpunkten ein Tor kassiert, resümierte der Rapid-Trainer. „Insgesamt hat die letzte Konsequenz gefehlt, sowohl vorne als auch hinten.“ Mit gemischten Gefühlen, im Falle der Austria natürlich überwiegend positiv, geht es für die Hauptstadtclubs nun in die Länderspielpause. Danach warten zwei vermeintliche Pflichtsiege oder zumindest machbare Aufgaben. Die Austria empfängt in zwei Wochen die Admira, Rapid gastiert in Grödig.
Harald Hofstetter, ORF.at
Links: