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„Der Grat ist schon sehr schmal“

Gregor Schlierenzauer hat auf seine enttäuschende Olympiasaison mit einer Materialumstellung reagiert. Der erfolgsverwöhnte Skisprungstar setzt im anstehenden WM-Winter auf ein anderes Bindungssystem, das einen angriffslustigeren Sprungstil ermöglicht. „Es ist aggressiver geworden“, sagte der ehemalige Seriensieger, der sich auf eine beinharte Saison einstellt.

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Acht Jahre lang hatte der 52-fache Weltcup-Sieger erfolgreich auf eine andere Bindung gesetzt, nun sei aber der richtige Zeitpunkt für eine Materialänderung gekommen. „Ich war einer der Wenigen, der noch mit der Sicherheitsbindung gesprungen ist“, erläuterte Schlierenzauer. „Von der Technik her ist es auch kein Geheimnis, dass die ganze Sache aggressiver wird. Da muss man mit und richtig Gas geben“, weiß der 24-Jährige. Allerdings könne das neue System trotz aller Vorzüge unter gewissen Umständen auch gefährlich sein.

Gregor Schlierenzauer

GEPA/Andreas Pranter

Mit neuem Elan und „aggressivem“ Set-up soll der Erfolg zurückkommen

„Dann kann es leider in die falsche Richtung gehen - mit Stürzen“, warnte Schlierenzauer. „Es gibt leider um einiges mehr Knieverletzungen, das muss man auch dazusagen, weil es im Endeffekt keine Sicherheitsbindung gibt. Der Grat ist schon sehr schmal, speziell mit dem neuen System.“ Außerdem komme die schnelle Luftfahrt durch die engen Anzüge als Risikofaktor hinzu. „Das Ski-Körper-System wird direkter, auch in der Luft. Wenn man es erwischt, dann geht es natürlich ab. Aber wenn nicht, dann wird man gleich durchgereicht“, betonte er im Gespräch mit der APA.

Enttäuschende Saison abgehakt

Im vergangenen Winter hatte Schlierenzauer nicht nur auf beiden Schanzen den als Saisonziel ausgerufenen Olympiasieg klar verpasst, er war auch bei der Tournee (8.) und im Gesamtweltcup (6.) nicht auf dem gewohnt hohen Niveau. Die Hauptursache sei aber nicht das Material gewesen. „Schuld ist man immer selber“, gab sich der zweifache Gesamtweltcup-Sieger selbstkritisch. Schließlich habe er über die Jahre mit der alten Bindung ja die Rekordzahl von 52 Weltcup-Siegen erreicht.

Die letzten zwei davon gelangen ihm gleich zu Beginn der Vorsaison, danach ging es bergab. „Die Bindung war nach wie vor konkurrenzfähig. Ich war speziell am Anfang sehr gut unterwegs, aber mit dem anderen System kannst du dir mehr Fehler erlauben“, erklärte Schlierenzauer, der sogar mit einer Auszeit liebäugelte. „Es geht um den Kopf. Wenn der Kopf nicht will, dann wird man nur schwer gut sein“, meinte der Tiroler. Genau der besagte Kopf wollte im Frühling zunächst nicht mehr.

Trendwende nach Pointner-Ablöse

Dass er doch weitermachte, dafür war auch der Wechsel des Cheftrainers ausschlaggebend. Denn zu Neocoach Heinz Kuttin fand Schlierenzauer sofort einen guten Draht. „Das Bauchgefühl, die Gespräche waren auf Anhieb sehr gut“, sagte der Stubaier über den Nachfolger von Alexander Pointner, mit dem er zuletzt im Clinch gelegen war. „Es ist auf jeden Fall etwas ganz anderes vom Zugang her. Das ist gut, aber die Saison, das Zusammenarbeiten ist noch sehr jung.“

Konkrete Ziele für die in einer Woche beginnende Saison habe er sich vorläufig noch nicht gesetzt. Denn er habe gelernt, Erfolge nicht als selbstverständlich zu nehmen. „Dass es nicht immer so sensationell laufen kann, wie in den letzten Jahren, das war mir immer klar“, sagte Schlierenzauer. „Wenn man sehr gut springt und Fünfter wird, ist man innerlich ja auch zufrieden. Wenn die Sprünge gepasst haben, wenn man keine Topsprünge macht und man wird durch Zufall auch Fünfter, dann hat man nicht so eine Freude. Das, glaube ich, ist für mich speziell heuer so ein bisschen die Kernaussage.“

„Bin schon ein bisschen der ‚Leitwolf‘“

Nicht nur der Trainerwechsel, auch der Rücktritt von Thomas Morgenstern hat das Teamgefüge verändert. „Es ist schon irgendwo ein sehr komisches Gefühl, weil ich doch eigentlich noch jung bin. Früher waren mit Höllwarth, Widhölzl und Koch viele Arrivierte über 30 dabei. Jetzt bin ich als 24-Jähriger doch schon ein bisschen der ‚Leitwolf‘, das ist schon irgendwie komisch“, sagte Schlierenzauer.

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