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Letztes Herren-Rennen im Jahr 2014

Ohne echte Favoriten geht am Sonntag (ab 11.30 Uhr, live in ORF eins) in Santa Caterina die letzte Abfahrt der Herren im Jahr 2014 über die Bühne. Nach der wetterbedingten Absage des zweiten Trainings am Samstag, mussten sich die Speed-Asse auf der für sie neuen Strecke mit nur einem Zeitlauf begnügen. Und auch der Freitag-Schnellste Josef Ferstl war dabei nicht fehlerfrei hinuntergekommen.

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Der Deutsche hatte auf der Piste „Deborah Compagnoni“ im Steilhang ein Tor ausgelassen. „Mir ist es aber auch lieber, wenn ich nicht Favorit bin, dann gehe ich lockerer ins Rennen“, meinte der noch bis Montag 25-Jährige, der ein Sohn des ehemaligen Kitzbühel-Siegers Sepp Ferstl ist. „Favoriten sind andere. Wenn mir aber ein guter Lauf gelingt, ist ein Topresultat drinnen. Alles Weitere wäre ein Traum.“ Österreichs Hoffnungen trägt primär Matthias Mayer, er erreichte mit Rang sieben von Gröden die beste ÖSV-Platzierung in den bisherigen Saisonabfahrten.

Josef Ferstl

GEPA/Wolfgang Grebien

Mit seiner Bestzeit im ersten Training fuhr Josef Ferstl ins Rampenlicht

Die Absage des zweiten Speed-Tests - Schneefall und schlechte Sicht machten es unmöglich, die Läufer auf die Strecke zu schicken - bedauerte der Olympiasieger nur zum Teil: „Ich hätte auf jeden Fall gerne etwas getestet. Aber ich habe gestern schon eine ganz gute Fahrt gezeigt, daher macht es nicht so viel aus. Ich schaue der Abfahrt im Großen und Ganzen positiv entgegen.“ Was dem 24-Jährigen abgeht, sind Sprünge im Schlussteil. In dieser Richtung hatte die Strecke in Bormio mehr zu bieten, an deren Stelle nun Santa Caterina im Kalender aufscheint.

FIS-Speed-Direktor Trinkl nicht ganz glücklich

FIS-Speed-Direktor Hannes Trinkl geht seiner Arbeit beim Weltcup-Kehraus 2014 deshalb mit gemischten Gefühlen nach. Einerseits ist der Oberösterreicher froh, dass nach dem Wegfall der „Stelvio“ in Bormio eine doch anspruchsvolle neue Strecke gefunden wurde, ganz glücklich macht ihn die Piste „Deborah Compagnoni" aber nicht. Die Strecke bietet einiges mehr als allgemein erwartet“, sagte der Abfahrtsweltmeister von 2001, „aber glücklich bin ich trotzdem nicht.“

Hannes Trinkl

GEPA/Wolfgang Grebien

Trinkl ist mit der Premiere in Santa Caterina nicht wirklich glücklich

Trinkls eingeschränkte Begeisterung erklärt sich damit, dass er seine Ideen bei der Kurssetzung nicht verwirklichen kann. Die beschnittene Handlungsfähigkeit stört ihn. Zusammen mit dem neuen FIS-Renndirektor Markus Waldner hat er sich auf die Philosophie festgelegt, wieder eine direktere Linienwahl zuzulassen - wie es dem Ursinn der Abfahrt entspricht. Von den Athleten soll wieder mehr Überwindung und Mut gefordert werden. Dabei soll der Sicherheitsgedanke nicht außer Acht gelassen werden, wenn auch das Tempo wieder höher ist und die Sprünge weiter gehen.

Trinkl musste allerdings auch Rücksicht auf die suboptimalen Lichtverhältnisse nehmen. „Zu dieser Jahreszeit ist die Sicht auf dieser Piste stark eingeschränkt. Auch deshalb musste ich die Geschwindigkeit drosseln“, erklärte er. Um das Tempo kontrollieren zu können, blieb dem 46-Jährigen nichts anderes übrig, als die Tore auf den ersten 40 Fahrsekunden einem Super-G ähnlich zu setzen. Santa Caterina soll aber ein Sonderfall bleiben. Bei den Klassikern in Wengen und Kitzbühel will Trinkl wieder nach seinem Masterplan vorgehen.

ÖSV-Asse werden mit Strecke nicht warm

Der Steirer Klaus Kröll sieht in der neuen Piste deshalb zwar eine ordentliche Herausforderung, Gefallen findet er daran aber nicht. „Es ist keine klassische Abfahrt, wo alle Elemente drinnen sind, wie es eben in Bormio ist.“ Ähnlich argumentierte der Kärntner Max Franz: „Die schönere Abfahrt wäre schon Bormio gewesen. Hier ist es sehr speziell, Sotschi-ähnlich der obere Teil.“

Hannes Reichelt hat die Olympiaabfahrt wegen eines Bandscheibenvorfalls verpasst, daher hat er aus Sotschi vom Februar keine Erfahrungswerte. „Jetzt muss ich halt improvisieren und auf meine Intuition hoffen“, meinte der Salzburger und ernannte Kjetil Jansrud trotz dessen 30. Trainingsrang zum erneuten Favoriten. Die Zeit der Österreicher werde aber auch bald wiederkommen. „Wir fahren ja schnell Ski. Nur von oben bis unten ist es noch nicht geglückt, aber das ist nur eine Frage der Zeit“, meinte Reichelt.

Der Trainingsabsage fiel auch die interne ÖSV-Qualifikation zum Opfer. Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher nominierte Frederic Berthold und Markus Dürager für die zwei noch freien Plätze, sie waren am Freitag 23. bzw. 51. geworden. Daniel Danklmaier (53.), Joachim Puchner (59.) und Thomas Mayrpeter (63.) müssen zuschauen.

Abfahrts-Team: Matthias Mayer, Hannes Reichelt, Klaus Kröll, Georg Streitberger, Max Franz, Otmar Striedinger, Romed Baumann, Frederic Berthold, Markus Dürager

Herren-Abfahrt in Santa Caterina

Erstes Training am Freitag:
1. Josef Ferstl GER 1:53,28
2. Brice Roger FRA + 0,09
3. Christof Innerhofer ITA 0,34
4. Matthias Mayer AUT 0,69
5. Didier Defago SUI 1,20
6. Mauro Caviezel SUI 1,21
7. Steven Nyman USA 1,58
8. Carlo Janka SUI 1,60
9. Marc Gisin SUI 1,69
10. Peter Fill ITA 1,89
11. Mattia Casse ITA 1,93
12. Alexander Glebow RUS 1,94
13. Dominik Paris ITA 1,96
14. Andreas Sander GER 2,02
15. Ondrej Bank CZE 2,04
16. Silvano Varettoni ITA 2,19
17. Werner Heel ITA 2,22
18. Hannes Reichelt AUT 2,23
19. Klemen Kosi SLO 2,33
20. Klaus Brandner GER 2,40
23. Frederic Berthold AUT 2,55
29. Otmar Striedinger AUT 3,20
30. Kjetil Jansrud NOR 3,28
36. Klaus Kröll AUT 3,67
45. Max Franz AUT 4,18
48. Georg Streitberger AUT 4,33
51. Markus Dürager AUT 4,73
53. Daniel Danklmaier AUT 4,86
59. Joachim Puchner AUT 5,92
61. Romed Baumann AUT 6,23
63. Thomas Mayrpeter AUT 6,92

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