Führung in der Loipe verteidigt
Kombinierer Bernhard Gruber hat am Donnerstag Österreichs erste Goldmedaille bei der nordischen Ski-WM in Falun geholt. Der 32-jährige Salzburger verteidigte mit einer starken Leistung im 10-km-Langlauf seine Führung nach dem Springen von der Großschanze erfolgreich und sorgte damit auch für das erste Einzel-WM-Gold eines ÖSV-Kombinierers überhaupt.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Beim für Österreich historischen Titelgewinn setzte sich Gruber 11,9 bzw. 14,9 Sekunden vor dem Franzosen Francois Braud und dem deutschen Normalschanzen-Weltmeister Johannes Rydzek durch. „Ich kann es noch gar nicht glauben, es ist so schön. Da kommen Emotionen hoch, ich habe Ganslhaut und mir ist heiß“, sagte Gruber freudetrunken im Ziel. Sepp Schneider verbesserte sich vom 23. Zwischenrang noch auf den 13. Platz, Christoph Bieler und Lukas Klapfer landeten auf den Plätzen 19 bzw. 21.

APA/Barbara Gindl
Bernhard Gruber ließ im Ziel seinen Emotionen freien Lauf
„Eisen unter den Haxen“
Mit einem 133-m-Satz, seinem besten WM-Sprung, hatte sich Gruber in die Poleposition auf der Loipe gehievt. Gemeinsam mit den Franzosen Braud und Jason Lamy Chappuis skatete er rund 30 Sekunden vor einer großen Verfolgergruppe mit dem Norweger Magnus Moan, dem US-Amerikaner Bryan Fletcher und Rydzek an die Spitze.
„Ich hatte ein lässiges Gefühl und habe beim Start gemerkt, dass ich ein Eisen unter den Haxen habe“, sagte Gruber, der sich meist hinter den zwei Franzosen hielt. Die Verfolger kamen nie näher als 20 Sekunden heran - und als Lamy Chappuis, der Olympiasieger von 2010, nach rund 8,5 km abriss, kam der große Auftritt des Pongauers.
Dieses Element ist nicht mehr verfügbar
Im Finish ließ Gruber auch seinen letzten Konkurrenten Braud stehen
„Ich habe gewusst, dass ich am letzten Hügel schnell bin“, sagte Gruber. Er attackierte wie schon auf dem Weg zu WM-Silber 2013 im letzten Anstieg, und Braud konnte nicht folgen. „Das ist mir heute wieder voll aufgegangen. Ich habe alles herausgelassen, was ich mir das ganze Jahr über erarbeitet habe“, jubelte Gruber, der in der dreijährigen Zusammenarbeit mit Thomas Baumann in der Loipe enorm an Schlagkraft gewonnen hat, im ORF-Siegerinterview.
„Zwischen Genie und Wahnsinn“
Gruber war 2011 in Oslo bereits Mitglied des zweifach vergoldeten ÖSV-Teams gewesen, nun schaffte der Team-Olympiasieger von 2010 auch im Einzel den Sprung auf die oberste Stufe des Podests. Dem Gasteiner gelang, was großen Vorkämpfern wie Klaus Sulzenbacher, Felix Gottwald und Mario Stecher (jeweils WM-Silber) vorenthalten geblieben war. Gottwald war allerdings 2006 Sprint-Olympiasieger.
Vor den Augen seiner Partnerin Margret und von dem ebenfalls am Vortag angereisten ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel erlebte Gruber die bisher schönsten Momente seiner Karriere. Großereignisse haben es dem Gewinner von bisher fünf Weltcup-Bewerben angetan. Die Goldene von Falun war schon seine insgesamt fünfte WM-Medaille (3-2-0), dreimal schaffte er es alleine in die Medaillenränge. Olympiabronze 2010 und WM-Silber 2013 ließ Gruber nun erneut von der Großschanze WM-Gold folgen.
Dieses Element ist nicht mehr verfügbar
Bei der „Flower Ceremony“ bekam Gruber feuchte Augen
„Bernhard ist oft zwischen Genie und Wahnsinn, heute war er das Genie“, sagte Cheftrainer Christoph Eugen und hatte wie Gruber nach dem Erklingen der Hymne bei der „Flower Ceremony“ im Zielraum feuchte Augen. „Mir kommen fast die Tränen, das ist so eine Emotion. Das ist einfach großartig und gewaltig. Heute hat er schon im Springen die berühmte ‚Bernie-Bombe‘ gezündet.“
Ansprechendes WM-Debüt von Schneider
Für die übrigen Österreicher waren Spitzenplätze schon nach dem Springen außer Reichweite. Schneider machte mit der fünftbesten Laufzeit immerhin noch zehn Plätze gut und belegte bei seinem WM-Debüt im Einzel den ansprechenden 13. Platz. „Von ‚Bernie‘ kann man Einiges lernen. Wenn bei mir alles einmal zusammenpassen würde, wäre es gut“, sagte der 23-jährige Vorarlberger.
Bieler, der durch eine verpatzte Landung bei einem 129,5-m-Sprung wertvolle Zeit verschenkte, fiel vom achten auf den 19. Rang zurück. „Das Anfangstempo mit den guten Läufern war sehr hoch, nach dem Sprungergebnis habe ich gewusst, dass es schwer wird. Mit der Laufleistung war ich aber zufrieden“, meinte der 37-jährige Tiroler, der verletzungsbedingt eine längere Trainingspause einlegen musste.
Klapfer lag schon nach dem Springen (24.) zu weit zurück und stellte auf der Loipe schließlich vorzeitig ab. „Ich glaube, von der Position kann man nur alles oder nichts laufen. Nach zwei Runden habe ich gesehen, dass es nicht geht, dann war das Rennen gelaufen“, sagte der 29-jährige Steirer, der als 15. im Bewerb von der Normalschanze mit der zweitbesten Laufzeit beeindruckt hatte.
Einzel-Bewerb Großschanze
| Ein Sprung und 10 km Langlauf: |
| 1. |
Bernhard Gruber |
AUT |
22:45,8 |
1/15* |
| 2. |
Francois Braud |
FRA |
+ 11,9 |
3/16 |
| 3. |
Johannes Rydzek |
GER |
14,9 |
17/3 |
| 4. |
Magnus Moan |
NOR |
15,1 |
14/4 |
| 5. |
Bryan Fletcher |
USA |
23,4 |
13/8 |
| 6. |
Jason Lamy Chappuis |
FRA |
27,0 |
2/23 |
| 7. |
Akito Watabe |
JPN |
30,3 |
9/14 |
| 8. |
Sebastien Lacroix |
FRA |
30,9 |
19/7 |
| 9. |
Tino Edelmann |
GER |
31,5 |
10/12 |
| 10. |
Eric Frenzel |
GER |
31,5 |
6/17 |
| 11. |
Haavard Klemetsen |
NOR |
35,8 |
7/18 |
| 12. |
Fabian Rießle |
GER |
36,3 |
25/2 |
| 13. |
Sepp Schneider |
AUT |
36,9 |
23/5 |
| 14. |
Maxime Laheurte |
FRA |
44,1 |
5/22 |
| 15. |
Tim Hug |
SUI |
44,6 |
14/13 |
| 19. |
Christoph Bieler |
AUT |
59,3 |
8/27 |
| 21. |
Lukas Klapfer |
AUT |
1:25,3 |
24/21 |
Links: