Teamchef bleibt gelassen
ÖFB-Teamchef Marcel Koller hätte nach der vergangenen Länderspielwoche eigentlich Grund genug gehabt, ruhig zu schlafen. Die Pflicht gegen Liechtenstein in der EM-Qualifikation wurde souverän erfüllt und auch beim Test gegen WM-Teilnehmer Bosnien-Herzegowina lieferte man zumindest eine Hälfte lang eine gute Leistung ab. Doch die zweite Hälfte raubte Koller etwas den Schlaf.
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Denn eines war beim 1:1 gegen die Gäste aus Bosnien-Herzegowina offensichtlich: Der zweite Anzug, jener, der aus den Ersatzspielern genäht wird, passt beim ÖFB-Team noch nicht so gut wie der erste. Nach den - nicht ganz freiwilligen - Auswechslungen zur Pause ging der Spielfluss der Mannschaft verloren. Fehlpässe im Mittelfeld häuften sich, zwingende Torchance konnte sich das Team nicht erarbeiten. Kaum war die Achse David Alaba, Julian Baumgartlinger und Zlatko Junuzovic gebrochen, war auch das Offensivspiel der Österreicher dahin.
Alle können sich noch steigern
Ein Umstand, der auch dem Teamchef nicht verborgen geblieben ist. „Doch das ist normal, wenn das Gerüst fehlt, weil einige der Stammmannschaft nicht spielen“, sagte Koller. Schon zu Beginn hatte der Schweizer das Team im Vergleich zur Partie in Liechtenstein auf vier Positionen verändert. Ramazan Öczan begann statt Robert Almer im Tor, Markus Suttner ersetzte Christian Fuchs auf der linken Seite, und Marcel Sabitzer und Kevin Wimmer begannen anstelle von Martin Harnik bzw. Martin Hinteregger.

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Koller mischte gegen Bosnien-Herzegowina die Aufstellung ordentlich durch
Wirklich überzeugend agierte dabei laut Koller vor allem Wimmer in seinem zweiten Länderspiel, allerdings dem ersten von Beginn an. „Er hat es gut gemacht“, sagte Koller. Immerhin musste sich der Noch-Kölner und Bald-Tottenham-Hotspur mit Edin Dzeko, einem Stürmer mit Weltklasseformat, herumschlagen. Trotzdem sah der Teamchef auch bei Wimmer noch viel Luft nach oben. „Er kann sich noch steigern und muss weiter an sich arbeiten“, sagte Koller.
„Es bläst ein anderer Wind“
Andere, noch wenig erfahrene Teamspieler, wie etwa Marco Djuricin, der in der zweiten Hälfte den Torschützen Marc Janko ersetzte, hätten hingegen von den Bosniern ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. „Der Test war gut für alle Spieler, die nicht so oft zum Einsatz gekommen sind“, sagte der Teamchef, „sie haben gesehen, dass ein anderer Wind bläst.“ Auf diesem Gebiet sei auch jeder einzelne Spieler selbst gefordert, so Koller, „aber wir geben den Spielern Zeit.“
Für das nächste Länderspiel ist Koller trotz des Leistungsgefälles innerhalb der Mannschaft - von Klasseunterschied wollte der Schweizer nicht sprechen - zuversichtlich. Daran ändern auch Verletzungen von Stammspielern, wie die Knieverletzung von David Alaba und die Schulterblessur von Marc Janko, nichts. „Es wird eine ganz gute Leistung notwendig sein, damit wir etwas mitnehmen können. Aber ich habe keine Bedenken, dass irgendetwas nicht so laufen könnte, wie wir uns das vorstellen“, sagte der Teamchef.
Und dass der zweite Anzug im Ernstfall auch bestehen kann, bewies die Mannschaft im Herbst. Dort wurde Russland zu Hause auch ohne Alaba und den kurzfristig ausgefallenen Julian Baumgartlinger im Mittelfeld mit 1:0 besiegt. Daher wollten Spieler und Trainer den Leistungsabfall gegen Bosnien-Herzegowina auch nicht überbewerten. „Es war ein typisches Testmatch, das hat man speziell durch die vielen Wechsel ein bisschen gemerkt“, sagte Baumgartlinger, „wir haben gegen einen guten Gegner wenig zugelassen, insofern können wir viel Positives mitnehmen.“
Karl Huber, ORF.at
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