Glaube an „Wiedergeburt“ lebt
Die meisten Formel-1-Piloten begrüßen die beabsichtigte Rückkehr zu breiteren, schnelleren und lauteren Autos sowie die Wiedereinführung der Tankpflicht. Auch Daniel Ricciardo. Der Australier hat derzeit freilich andere Probleme, denn sein Red-Bull-Team gerät zusehends ins Hintertreffen. Ricciardo sprach in Monte Carlo die Gründe für den Rückfall offen an, hält den „Bullen“ aber die Treue.
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Nach vier WM-Titeln in Folge hatte die Einführung der V6-Turbohybridmotoren Red Bull schon im Vorjahr von der Spitze geholt. Dank dem guten Chassis von Stardesigner Adrian Newey konnten die fehlenden Motoren-PS aber so weit kompensiert werden, dass Ricciardo gleich in seiner ersten Red-Bull-Racing-Saison drei Rennen gewann und WM-Dritter wurde. Der vom australischen Jungstar entzauberte Vierfachweltmeister Sebastian Vettel nutzte hingegen seine Ausstiegsklausel und sprang zu Ferrari ab.

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2014 durfte Daniel Ricciardo mit Adrian Newey seine ersten drei Siege bejubeln
Ricciardo hat so etwas nicht vor: Denn er hat einerseits keine Ausstiegsklausel und ist andererseits überzeugt, dass Red Bull die „Wiedergeburt“ schafft. Derzeit und mit dem nicht mehr durchgehend von Newey geplanten RB11 ist man aber hinter Mercedes, Ferrari und Williams nur abgeschlagener WM-Vierter.
Kaum schneller als die Toro-Rosso-Youngsters
Ricciardo ist heuer noch nicht über zwei sechste Plätze hinausgekommen und mit 25 Punkten derzeit nur WM-Siebenter. Sein russischer Teamkollege Daniil Kwjat zuckelt mit fünf Zählern sogar hinter den beiden jungen Toro-Rosso-Fahrern herum. Red Bull Racing hat ganz klar kein Siegerauto mehr. Sogar ein möglicher Verkauf des Teams wurde 2015 bereits in den Medien ventiliert.
„Wir sollten bei allem Respekt alleine aufgrund unserer Erfahrung auf dem Papier signifikant schneller sein als Toro Rosso“, meinte Ricciardo einen Monat vor dem „Heimrennen“ für das austro-britische Team in Spielberg - mit Blick auf das in Italien beheimatete Schwesternteam, das eigentlich als Ausbildungszentrum für Red Bull Racing dient. Max Verstappen (17) und Carlos Sainz (20) haben im STR10 bisher jedoch mehr beeindruckt als die großen „Bullen“.
Ricciardo machte in Monaco kein großes Geheimnis daraus, dass seiner Meinung nach der Rückstand nicht nur an den fehlenden Renault-PS festzumachen ist. „Früher haben wir in den schnellen Kurven immer viel Zeit gutgemacht, das war zuletzt nicht mehr so“, sagte der 25-Jährige und wies darauf hin, dass man 2015 auch im Chassis-Bereich und bei der Aerodynamik offensichtlich nicht top ist.
„Nicht normale Fortschritte gemacht“
„Wir wussten schon vor Spanien, dass es nicht nur am Motor liegt“, sagte Ricciardo, „es ist ein gutes Auto, aber nicht das, das wir uns erhofft hatten.“ Auf die Frage nach den Gründen meinte der Australier: „Ich will nicht allzu kritisch sein. Aber es ist offensichtlich, dass sich die anderen verbessert haben. Wir hingegen sind eines der Teams, das nicht die normalen Fortschritte gemacht hat.“
Toro Rosso hingegen ist dank Infrastrukturinvestitionen in Faenza im Aufwind und hat sich unter dem österreichischen Teamchef Franz Tost als perfekte „Braut“ auch für eine mögliche Übernahme durch Renault herausgeputzt. Ricciardo ortete auch hier Unterschiede: „Als ich zu Red Bull kam, war die Firma irgendwie größer, die Maschinen waren neuer, es waren mehr Leute.“

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Am mangelnden Einsatz der Red-Bull-Crew hapert es nicht
Seine Analyse beendete er verhalten optimistisch. „Jeder kennt die Probleme und haut sich voll rein. Aber den einen herausragenden Grund für die Probleme gibt es nicht. Fakt ist, das Puzzle ist noch nicht fertig, und unser Auto ist nicht so gut, wie es sein sollte.“
Wende mit Regelrevolution 2017?
Wie Vettel vorzeitig abzuspringen, habe Ricciardo aber nicht vor. Weil er es auch als nicht notwendig betrachtet: „Sicher, wir sind derzeit nicht dort, wo wir sein sollten. Wir haben aber alle den Geschmack des Sieges gekostet, und deshalb bin ich überzeugt, dass es nicht so bleiben wird und wir in den nächsten zwei Jahren wieder aufholen.“
Womöglich bringt die nächste Regelrevolution 2017 die Wende. Ricciardo findet die von der Strategiegruppe vergangene Woche präsentierten Vorschläge für gut und sinnvoll. „Es macht die Rennen schneller und die Herausforderung für die Fahrer größer. Es ist gut, wenn man nicht mehr mit GP2-Tempo herumfahren muss.“
Der Australier bekennt sich offen zu einer härteren Formel 1 mit mehr mechanischem Grip. „Nicht, dass es heute leicht ist, ein Formel-1-Auto zu fahren: Wir schwitzen immer noch und fühlen uns beim Aussteigen wie nach einem Work-out. Aber die Formel 1 muss schneller und auch körperlich anspruchsvoller werden, damit die Unterschiede zwischen den guten und sehr guten Fahrern noch besser herauskommen. Das Ganze geht also in die richtige Richtung“, sagte Ricciardo überzeugt. Zum geplanten Nachtanken hat der 25-Jährige keine Meinung: „Ich habe das noch nie probiert.“
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