Frühe Rote Karte, späte Tore
Red Bull Salzburg hat am Mittwoch im Finale des ÖFB-Samsung-Cups im Wörthersee-Stadion von Klagenfurt vor 16.000 Zuschauern die Wiener Austria nach Verlängerung mit 2:0 besiegt. Torjäger Jonatan Soriano (95.) und Felipe Pires (108.) erzielten die Treffer für die lange Zeit in Unterzahl agierenden „Bullen“, die ihren dritten Cupsieg und auch das „Double-Double“ feierten.
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Das Double zu verteidigen haben bisher nur Rapid 1920 und die Austria 1963 geschafft. Für die Austria, die im gesamten Cupbewerb nur diese beiden Tore hinnehmen musste, war es hingegen der symptomatische Schlusspunkt einer verkorkste Saison. Wieder einmal wirkten die Wiener in der Offensive völlig impotent. Die Austria konnte auch den Vorteil der Überzahl nach dem Ausschluss von Tormann Peter Gulacsi (41.) nicht nutzen. Der Salzburger Tormann hatte David de Paula brutal umgerannt.

GEPA/Felix Roittner
Felipe Pires stemmt die 17 Kilogramm schwere Cup-Trophäe
Knallgelbe „Veilchen“
Das Auffälligste zu Beginn waren die nicht als Austria zu erkennenden „Veilchen“, die sich diesmal mit neongelben Leibchen, Hosen und Stutzen tarnten. Für die Wiener stand viel auf dem Spiel. Die zweite Saison in Folge ohne Europacup-Teilnahme sollte unter allen Umständen verhindert werden. Deshalb gab Andreas Ogris vor dem Spiel auch nur ein Ziel aus: „Wir müssen gewinnen.“
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Die Entscheidung durch Pires
Nils Quaschner passt ideal in den Lauf von Felipe Pires. Der 20-jährige Brasilianer schiebt den Ball vorbei an Austria-Goalie Lindner zum 2:0 (108.).
Für den 27-fachen Rekordcupsieger (zuletzt 2009) standen Millionen auf dem Spiel. Deshalb ließ Interimstrainer Ogris vermehrt Standards und Elferschießen trainieren, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Es kam nicht dazu. Die Austria, die ihre jüngsten 17 Cupmatches alle auswärts bestreiten musste, ging außerdem mit dem Selbstvertrauen ins Spiel, bisher keinen Cupgegentreffer kassiert zu haben - 22:0 lautete das Torverhältnis.
Erster Höhepunkt nach 30 Minuten
Doch auch die Titelhamster aus Salzburg waren hochmotiviert. „Wir wollen etwas schaffen, das bisher in der österreichischen Fußballgeschichte nur zweimal gelungen ist - nämlich einen Double-Gewinn zu verteidigen“, sagte Trainer Adi Hütter. Aber die erste halbe Stunde verlief bis auf einen Ramalho- und einen Berisha-Kopfball ohne nennenswerte Tormöglichkeiten.
Die Austria zeigte offensiv gar nichts, 6:0-Torversuche für die spielbestimmenden Salzburger sprachen zu diesem Zeitpunkt eine klare Sprache. In der 30. Minute gab es dann Elferalarm im Salzburger Strafraum. Duje Caleta-Car hatte eine Gorgon-Flanke mit der Hand abgewehrt, doch Referee Oliver Drachte war trotz der Proteste von Gorgon und Ogris nicht bereit, auf Strafstoß zu entscheiden.
Gulacsi räumt De Paula brutal ab
Die Stimmung auf den Tribünen und dort vor allem bei den Austria-Fans war überraschend gut. In der 41. Minute kochte auch auf dem Feld die Stimmung über. Salzburg-Goalie Gulacsi räumte 30 Meter vor dem eigenen Tor den anstürmenden David de Paula gnadenlos in „Didulica-Manier“ ab und wurde dafür von Schiedsrichter Drachta in seinem letzten Spiel vor dem Wechsel nach Leipzig vorzeitig vom Feld geschickt.

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Referee Drachta (r.) zögerte nicht mit dem Ausschluss von Gulacsi (li.)
Alexander Walke übernahm die Position des Ungarn im Tor, dafür musste der Japaner Takumi Minamino vom Platz. De Paula konnte das Spiel mit einer Gehirnerschütterung nicht fortsetzen, für ihn kam nach der Pause Daniel Royer. Den folgenden Freistoß setzte Alexander Gorgon relativ knapp über das Tor. Mit 0:0 ging es in die Kabinen.
Kampfbetont und zerfahren
Mit der ersten Aktion nach der Pause knallte Gorgon den Ball an die Oberseite der Latte. Es war ein erster violetter Warnschuss Richtung Walke, denn die Wiener suchten in Überzahl zu Beginn der zweiten Hälfte verstärkt den Weg zum gegnerischen Tor. Dennoch blickte der künftige Austria-Coach Thorsten Fink auf der VIP-Tribüne eher angestrengt.
Doch die Partie wollte auch weiterhin keine Fahrt aufnehmen. Wenig zusammenhängende Aktionen waren zu sehen, dafür war das Match kampfbetont und zerfahren. Selbst die sonst so aktive „Bullen“-Torfabrik mit Soriano und Marcel Sabitzer strahlte keine Torgefahr aus. Die Austria nutzte diesen Umstand aber nicht wirklich aus. So brachte Ogris mit James Holland statt Mario Leitgeb wieder einen defensiven Mittelfeldspieler (71.).

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Andreas Ogris war an der Linie mindestens so aktiv wie sein Spieler auf dem Feld
Die Torsperre hält
Mit fortschreitender Spieldauer stellte Salzburg die Vorwärtsbewegung immer weiter ein. Mittlerweile lautete der Ballbesitz 57:43-Prozent für die Austria, die aber auch im Cupfinale an ihrem alten Problem litt: Sie spielte quasi ohne Stürmer, auch wenn der junge Marko Kvasina nominell als solcher auf dem Platz stand. Vielleicht brachte auch deshalb Ogris in der 80. Minute Philipp Zulechner statt Gorgon. Bei Salzburg ersetzte Felipe Pires den blassen Sabitzer.
Prompt konnte Lindner einen gut angetragenen Pires-Schuss von der Strafraumgrenze gerade noch abwehren (83.). Die Partie wurde hektischer, die gelben Karten häuften sich, und beinahe wäre der Austria das 1:0 geglückt. Holland setzte kurz vor Schluss einen Schuss knapp vorbei, hätte aber auf den besser postierten Royer aufspielen müssen. So wurde mit dem Pfiff von Schiedsrichter Drachta nach 93 Minuten Realität, was sich schon länger abgezeichnet hatte: die Verlängerung.
Soriano lässt sich nicht lange bitten
„Es ist schwer durchzukommen, weil beide Abwehrreihen gut stehen“, analysierte ORF-Experte Herbert Prohaska das 0:0 nach der regulären Spielzeit. Royer prüfte mit dem ersten Schuss der Verlängerung Walke (92.), doch wie Tore geschossen werden, zeigte Soriano in der 95. Minute. Holland verlor den Ball leichtfertig an den spanischen Torjäger, der auf Lindner stürmte und trocken den Ball im langen Eck zum 1:0 unterbrachte.
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1:0 durch Soriano
Nach Fehler von James Holland zog Jonatan Soriano Richtung Austria-Tor. Der Salzburg-Kapitän ließ sich diese Chance nicht entgehen (95.).
Es war der siebente Cuptreffer des Spaniers in dieser Saison und das erste Gegentor für die Austria, deren 28. Cupsieg damit wieder weit wegrückte. Alexander Grünwald scheiterte in der 106. Minute mit einem Versuch aus sechs, sieben Meter an Walke. Besser machte es wieder der Meister, nach einem neuerlichen Holland-Fehler. Nils Quaschner spielte den Ball optimal in den Lauf von Pires, der Lindner zum 2:0 (108.) bezwang.
Austria-Fans sind Feuer und Flamme
Das gefiel zumindest einem Austria-Fan gar nicht, der ein bengalisches Feuer auf das Feld schleuderte und damit für eine fünfminütige Unterbrechung durch Spielleiter Drachta sorgte. Ogris und Kapitän Markus Suttner konnten die Fans aber erfolgreich beruhigen, und das Finale ging doch regulär zu Ende. Die Gelb-Rote Karte für Austrias Lukas Rotpuller in der 122. Minute fiel nicht mehr ins Gewicht.
Martin Wagner, ORF.at
ÖFB-Samsung-Cup, Finale
Mittwoch:
Austria - Salzburg 0:2 (0:0) n. V.
Klagenfurt, Wörthersee-Stadion, 16.000 Zuschauer, SR Drachta
Tore: Soriano (95.), Pires (108.)
Gelbe Karten: Ramsebner, Holland, Grünwald, Rotpuller bzw. Ramalho, Schmitz, Pires
Rote Karte: Gulacsi (41.)
Gelb-Rot: Rotpuller (122.)
Austria: Lindner - F. Koch, Rotpuller, Stronati, Suttner - M. Leitgeb (71./Holland), Ramsebner - Gorgon (80./Zulechner), Grünwald, De Paula (46./Royer) - Kvasina
Salzburg: Gulacsi - Ankersen, Caleta-Car, Hinteregger, Schmitz - Berisha (100./Quaschner), Ramalho, Keita, Minamino (43./Walke) - Soriano, Sabitzer (81./Pires)
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