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„Die Herren sind informiert worden“

Die Fronten zwischen dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) und Anna Fenninger sind verhärtet. Der Verband nannte die Werbekampagne mit Mercedes, einem direkten Konkurrenten des langjährigen ÖSV-Sponsors Audi, einen Vertragsbruch und drohte mit Konsequenzen, sollte die Kampagne nicht sofort gestoppt werden. Fenninger konterte - und gab sich wenig einsichtig, die Antwort des ÖSV-Anwalts folgte prompt.

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Vor allem der Vorwurf, die Kampagne ohne Wissen des Verbands lanciert zu haben, wie ÖSV-Sportdirektor Hans Pum zu Protokoll gegeben hatte, ließ Fenninger in der von ihr, Manager Klaus Kärcher und Anwalt Markus Wekwerth gezeichneten Stellungnahme nicht gelten. „Mit den ÖSV-Vertretern Klaus Leistner und Hans Pum wurde sehr wohl das Thema ‚Laureus Sports For Good‘, das maßgeblich von Mercedes Benz unterstützt wird, besprochen“, hieß es darin.

ÖSV droht Fenninger mit Ausschluss

Der Streit zwischen Anna Fenninger und dem ÖSV geht weiter. Der Skiverband fühlt sich von der Mercedes-Werbekampagne mit Fenninger überrumpelt und droht ihr mit Verbandsausschluss.

„Ebenfalls sind die Herren darüber informiert worden, dass es eine Medienkampagne gemeinsam mit Mercedes zur Unterstützung dieses Engagements geben wird. Wir sind daher sehr überrascht, wie dieses Thema seitens des ÖSV in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Wir wollen nochmals festhalten, dass die Mercedes-Kampagne ausschließlich im Zusammenhang mit Anna Fenningers sozialem Engagement für Laureus und ihrer Rolle als Botschafterin für den Cheetah Conservation Fund (CCF) und ihrer Unterstützung für die Geparden zu sehen ist.“

Scharfe Geschütze des ÖSV-Anwalts

ÖSV-Rechtsanwalt Herbert Hübel konterte prompt, richtete dem gegnerischen Rechtsvertreter Wekwerth aus, „dass die Behauptung, wonach dem ÖSV offengelegt wurde, dass es eine Medienkampagne Fenningers mit dem Mercedes-Konzern geben würde, unrichtig ist. Ich habe daher Sie und Herrn Klaus Kärcher, aber auch die Vittesse Kärcher GmbH, namens und auftrags unserer Mandantschaft aufzufordern, derart unrichtige und dem wirtschaftlichen Fortkommen des Österreichischen Skiverbandes, sowie seiner angehörigen Sportler schadenden Äußerungen zu unterlassen.“

Brisante Anmerkung: „Aus Sicht des ÖSV erscheint es auch geboten, offenzulegen, dass Sie im Gegenstand nicht nur als Rechtsanwalt auftreten, sondern als Gesellschafter der Vitesse Kärcher GmbH auch eigene wirtschaftliche Interessen wohl unzweifelhaft mitvertreten.“

Mercedes stoppt Aktion

Mercedes-Benz Österreich teilte am Dienstagnachmittag mit, dass die Werbeaktion mit Fenninger - „soweit noch möglich“ - sofort gestoppt werde. Man wolle „in keiner Weise die sportliche Zukunft von Anna Fenninger gefährden“, betonte Bernhard Bauer, Leiter Public Relations Mercedes-Benz Österreich. „Uns wurde gesagt, dass im sogenannten Friedensgespräch mit dem ÖSV die Aktion angesprochen wurde.“

Kampagne beendet Frieden

Fenninger bezog sich in der Aussendung auf den Krisengipfel vor wenigen Tagen. In einem Gespräch zwischen ihr, Kärcher sowie den ÖSV-Vertretern Pum, Leistner (Generalsekretär) und Rechtsanwälten waren die Wogen der vergangenen Wochen zunächst geglättet und auch Übereinkunft über diverse Streitthemen erzielt worden. Einigkeit herrschte auch über das von Fenninger geforderte private Betreuerteam - Konditionstrainer und Physiotherapeut -, die Kosten dafür sollten zu gleichen Teilen von Fenninger und dem Verband getragen werden. Auch das Thema Kopfsponsor sei einvernehmlich gelöst worden.

Die aktuelle Mercedes-Kampagne sei im damaligen Gespräch laut Pum aber mit keinem Wort erwähnt worden. Der Vertrag wurde dem ÖSV auch nicht vorgelegt, also ohne dessen Zustimmung besiegelt. Präsident Peter Schröcksnadel, der am runden Tisch mit Fenninger nicht zugegen war, weil er beim Fliegenfischen war, war empört. „Ich möchte meinen stets diplomatischen Generalsekretär Klaus Leistner zitieren: Jetzt fühle ich mich verarscht“, wurde der 73-jährige Tiroler in der „Kronen Zeitung“ (Dienstag-Ausgabe) zitiert.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel

APA/Herbert Pfarrhofer

Schröcksnadel setzte Fenninger ein Ultimatum

Selbst beim Salzburger Landesskiverband herrschte Verwunderung über die Aktion seiner Paradeathletin. Präsident Bartl Gensbichler: „Wir haben in den Verbänden nun einmal, um alles zu finanzieren, nur die Möglichkeit über Generalsponsoren, und wenn das fällt, dann gibt es keine Skiverbände mehr. Mit dieser Aktion torpediert man letztlich das System. Und ich verstehe das wirklich nicht" - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

„Schweres Foul, Verhöhnung“

Pum, für gewöhnlich um Deeskalierung bemüht, hatte sich in einem Ö3-Interview davor fassungslos gegeben. „Mir fehlen schlicht die Worte, ein Vertrauensbruch. Ich bin bitter enttäuscht. Im Fußball würde man das ein schweres Foul oder Verhöhnung des Gegners nennen. Nach unserem guten Gespräch ist mir das völlig unverständlich. Ich empfinde das als Provokation. Auch gegenüber den anderen Athleten, die unsere Sponsoren brauchen“, sagte Pum. „Das ist nicht fair, das ist unverantwortlich.“

Schröcksnadel setzte Fenninger in der Folge ein Ultimatum. „Wir haben Kärcher und Anna aufgefordert, diese Werbekampagne sofort zu stoppen. Dann ist noch eine Gesprächsmöglichkeit da, sonst wird es Konsequenzen geben. Ich werde auch die Präsidentenkonferenz mit diesem Thema beschäftigen", sagte der Präsident, um weitere Informationen für Freitag anzukündigen. Pum: „Gegen jemanden, der uns ein paar Tage vorher etwas verspricht und dann ganz anders und gegen unsere Partner handelt, werden wir und das Präsidium des Verbandes eine Entscheidung treffen. Diese Aktion war einen Schritt zu weit.“

Michael Fruhmann, ORF.at

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