Themenüberblick

„Das tut weh“

Dass Talent allein im Fußball nicht reicht, um Spiele zu gewinnen, ist den Verantwortlichen beim FC Red Bull Salzburg am Donnerstag deutlich vor Augen geführt worden. Der österreichische Meister musste sich im Play-off der Europa League dem weißrussischen Titelträger Dinamo Minsk nach Elferschießen 2:3 beugen. Ein 0:2 aus dem verpatzten Hinspiel in der Vorwoche erwies sich dabei als zu große Hypothek.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Takumi Minamino (11.) und der wiedergenesene Jonatan Soriano (58.) hatten Salzburg vor 7.850 Zuschauern mit ihren Toren auf ein Happy End hoffen lassen, doch das 3:0, das den Einzug in die Europa-Leage-Gruppenphase bedeutet hätte, wollte nicht fallen. Auch nicht, weil das niederländische Schiedsrichtergespann unter der Leitung von Kevin Blom einem regulären Kopfballtreffer Sorianos in der Verlängerung die Anerkennung versagte.

98. Minute: Sorianos Treffer wird aberkannt

Soriano trifft ins Tor, der Schiedsrichter ortet ihn fälschlicherweise in Abseitsposition, das Tor zählt nicht.

Die Abseitsentscheidung war falsch, weil der Spanier, wie die TV-Bilder bewiesen, beim Tor auf gleicher Höhe mit dem Dinamo-Verteidiger stand. Als dann im Elferschießen die jungen Spieler Minamino, David Atanga und Valon Berisha am ausgezeichnet disponierten Minsk-Schlussmann Alexander Gutor scheiterten, war die Enttäuschung vollendet. Salzburg hatte sich trotz klarer spielerischer Überlegenheit in insgesamt über 210 Minuten nicht durchsetzen können.

Zeidler hadert mit Schiedsrichter

„Es ist alles nach Plan gelaufen, bis auf das, was in der Verlängerung kam“, meinte ein sichtlich um Haltung bemühter Peter Zeidler nach dem Spiel. Der Salzburg-Trainer hatte dann in seiner Matchanalyse auch einen Hauptgrund für das Scheitern gefunden: den Schiedsrichter. „Eine klare Fehlentscheidung hat uns daran gehindert, in Europa mitzuspielen“, meinte der 53-jährige Deutsche zu dem fälscherlicherweise als Abseitstor gewerteten Treffer von Soriano.

Zeidler lobte seine Mannschaft und sah sie als unglücklichen Verlierer: „Es ist untertrieben, wenn man sagt: ‚Es tut weh.‘ Die Mannschaft ist über ihre Grnezen gegangen und hätte es sich mehr als verdient, sich zu qualifizieren.“ Das so viele junge Spieler im Elferschießen antreten mussten, sei aufgrund des Spielverlaufs und der Auswechslungen nicht viel anders möglich gewesen.

Salzburg-Coach Peter Zeidler

APA/EPA/KRUGFOTO

Seiner Mannschaft machte Zeidler keine Vorwürfe

„Die Jungen mussten Verantwortung übernehmen. Es waren nicht mehr viele andere da. Taki Minamino (vergab seinen Elfer für Salzburg, Anm.) sitzt gebrochen in der Kabine“, so Zeidler, der gleich auch wieder Durchhalteparolen ausgab. „Wir sind auch nach dem Aus gegen Malmö wieder aufgestanden, und wir werden wieder aufstehen. Wir werden uns verbessern. Da werden wir morgen Früh im Training damit beginnen.“

Fußball in den Kinderschuhen

Zeidler hat nach dem Abgang von Adi Hütter, der kein „Ausbildungstrainer“ sein wollte, auch ein schweres Erbe angetreten. Hütter hatte bereits geahnt, welch mühsamer Transformationsprozess dem Verein bevorsteht. Die Mannschaft muss nach dem radikalen Personalschnitt in den letzten Monaten neu aufgebaut werden. Wer den Salzburger Angriffswirbel, das schnelle Umschaltspiel und das beeindruckende Pressing mit den Offensivkapazundern Soriano, Alan, Kevin Kampl und Sadio Mane noch in Erinnerung hat, wird derzeit enttäuscht.

Takumi Minamino (Salzburg) und Umaru Bangura (Minsk)

APA/AP/Kerstin Joensson

Die jungen Spieler wie Minamino haben noch Luft nach oben

Im Vergleich zu diesen Zeiten wird dem Salzburger Publikum zwar ambitionierter, aber noch lange nicht ausgereifter Fußball geboten. Das Salzburger Spiel steckt im wahrsten Sinn des Wortes noch in den „Kinderschuhen“. Viele Pässe werden nicht exakt genug gespielt, Laufwege sind noch nicht abgestimmt.

Mannschaft braucht Zeit und Routiniers

Den talentierten Spielern ist das Bemühen, schnell zu spielen, ebenso anzusehen wie die gleichzeitige Unerfahrenheit. Der Japaner Minamino zeigt den Willen, im Mittelfeld eine zentrale Rolle zu spielen. Ihm werden aber im Moment auf europäischen Niveau immer wieder seine aktuellen Grenzen aufgezeigt. Zeit scheint in allen Belangen der wichtigste Erfolgsfaktor zu sein.

Im Ö3-Interview erklärte Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund jedenfalls, dass es keinen Anlass gibt, vom eingeschlagenen Weg abzukehren. Auch wenn der 38-jährige ehemalige Erste-Liga-Spieler einräumte: „Leider hatten wir viel Verletzungspech mit arrivierten Spielern (etwa Omer Damari und Reinhold Yabo, Anm.) zu Beginn der Saison. Es geht aber nicht nur mit jungen Spielern, wir brauchen auch ein Gerüst in der Mannschaft.“

Ulmer trauert Hinspiel nach

Einer, der dabei gefordert ist, ist Andreas Ulmer. Doch auch er musste erst mit der bitteren Niederlage und dem frühen Scheitern im Europacup klarkommen. „Das ist eine Riesenniederlage“, so der 29-jährige Außenverteidiger. „Wir haben das ganze Spiel gut kontrolliert, viele Möglichkeiten herausgespielt, aber das Tor, das wir gebraucht hätten ist uns nicht gelungen.“

Kirill Premudrov (Minsk) und Andreas Ulmer (Salzburg)

GEPA/Felix Roittner

Ulmer stemmte sich vergeblich gegen das Ausscheiden

Den Grund für die Niederlage sah Ulmer auch weniger beim im Großen und Ganzen guten Spiel der Salzburger am Donnerstag, sondern bereits im Hinspiel, als der spielerisch unterlegene Gegner aus drei Chancen zwei Tore gemacht hatte. „Im Hinspiel haben wir es 90 Minuten versäumt, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wir haben vieles versucht, aber es hat nicht gereicht. Das tut weh.“

Zurück in die Auslage

Ein längeres Verbleiben im Europacup hätte den jungen Spielern auch ein Mehr an Erfahrung gebracht. Das fällt nun weg. So gesehen beißt sich die Katze - das Salzburger Rezept - in den Schwanz. Junge Spieler in die Auslage stellen, bei Anzeichen von Klasse verkaufen oder nach Leipzig transferieren, lässt nur schwer ein erfolgsversprechendes Mannschaftsgefüge entstehen, das auch international reüssieren kann. Ohne das ist es jedoch schwer, sich in eine (europäische) Auslage zu stellen.

Im Moment muss Salzburg in erster Linie mit der Enttäuschung des knappen Ausscheidens zurechtkommen. „Jetzt müssen wir uns mal fangen“, so Freund. „Die Fehlentscheidung war bitter, soll aber keine Ausrede sein. Wir hatten 180 Minuten plus Verlängerung Zeit, diese Partie für uns zu entscheiden. Jetzt haben wir nur noch die nationalen Ziele, unsere beiden Titel zu verteidigen. Wir müssen so schnell wie möglich in die Spur zurückkommen.“

Martin Wagner, ORF.at aus Salzburg

UEFA Europa League, Play-off-Rückspiel

Donnerstag:

Salzburg - Dinamo Minsk 2:0 n. V., 2:3 i. E. (2:0, 1:0)

Red Bull Arena, 7.849 Zuschauer, SR Blom (NED)

Tore: Minamino (11.), Soriano (58.)

Elferschießen:
1:0 Hinteregger trifft
1:1 Beqiraj trifft
2:1 Soriano trifft
2:1 Korytko an die Stange
2:1 Minamino scheitert an Gutor
2:2 Begunow trifft
2:2 Atanga scheitert an Gutor
2:3 Politewitsch trifft
2:3 Berisha scheitert an Gutor

Gelbe Karten: Schmitz bzw. Bangura, Begunow

Salzburg: Walke - Lainer, Caleta-Car, Hinteregger, Ulmer (106./Sörensen) - Reyna (77./Atanga), Schmitz, Ch. Leitgeb (91./Schwegler), Minamino - Berisha, Soriano

Minsk: Gutor - Begunow, Politewitsch, Bangura, Witus - Adamovic, Woronkow (77./Weretilo), Korytko, Neacsa (84./Premudrow) - Beqiraj, Rassadkin (62./Monir)

Hinspiel 0:2, Minsk nach Elfmeterschießen in die Gruppenphase aufgestiegen.

Links: