„Unglaubliche Leistung“
Der Aufschwung des österreichischen Fußballs ist am Dienstag nach einem 4:1-Auswärtssieg gegen Schweden mit der EM-Teilnahme gekrönt worden. Das neue Selbstverständnis im ÖFB wurde auch Mittwochmittag bei der Pressekonferenz in gelöster Stimmung im Medienzentrum des Wiener Ernst-Happel-Stadions deutlich.
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Kamerawirksam erschien ÖFB-Teamchef Marcel Koller mit Baskenmütze, lächelte und biss zur Feier des Tages herzhaft in eine Stange Baguette - zahlreiche Fotografen drückten gleichzeitig auf den Auslöser. So sieht also ein österreichischer Fußballnationaltrainer aus, wenn er sich darüber freut, mit seiner Mannschaft bei einer Endrunde dabei zu sein. Nun sei es offiziell, so Koller: „Jetzt können wir endlich sagen: Frankreich, wir kommen.“
Marcel Koller zur EM-Qualifikation
„Jetzt können wir endlich sagen: Frankreich, wir kommen", sagte Teamchef Marcel Koller bei der Pressekonferenz am Mittwoch im Ernst-Happel-Stadion.
Teamchef in Feierstimmung
Die Qualifikation für eine Endrunde ist ein Ereignis, das in Österreich nur alle paar Jahre vorkommt. Aus eigener Kraft war das bei der WM 1998 in Frankreich der Fall. Er habe den Erfolg aber schon ein wenig realisiert, meinte der 54-jährige Schweizer nach nur wenigen Stunden Schlaf und einem herzlichen Empfang auf dem Flughafen Schwechat um 4.00 Uhr durch rund 200 Fans. „Fantastisch, wie viele Leute um so eine Zeit noch am Flughafen waren“, sagte Koller. Die Nacht war „kurz und knackig“, meinte er noch.
„Das ist eine unglaubliche Leistung, die wir alle vollbracht haben. Wir haben auch sehr hart dafür gearbeitet.“ Ausgelassen wurde die erste EM-Qualifikation auf sportlichem Wege in Österreich gefeiert. Noch über den Wolken erreichte der Partymarathon einen Höhepunkt. Glückselig führte der Erfolgstrainer im Flieger die Siegerpolonaise an und präsentierte stolz seinen Schal mit der Aufschrift „Frankreich, wir kommen“. Den schenkte er allerdings dann bei der Ankunft in Wien an einen weiblichen Fan weiter.

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Auch beim Heimflug wurde gefeiert
„Größter Erfolg“ für Koller
Den souverän eingefahrenen EM-Startplatz bezeichnete Koller als seinen größten Erfolg als Trainer, bat aber gleichzeitig seine Spieler vor den Vorhang. „Ich freue mich, dass sie das erreicht haben und ich dabei sein kann.“ Der aktuelle Siegeslauf hab ihn nicht verwundert. „Es macht mich unglaublich stolz, wie stark wir auftreten.“
Für Koller ist damit die Entwicklung der Nationalmannschaft aber lange noch nicht abgeschlossen. Vor allem die neu gewonnene Auswärtsstärke ist für den Schweizer ein weiterer Schritt auf dem Weg zu längerfristigem Erfolg. Die zuletzt erreichten Erfolge in Russland und am Dienstag in Schweden sind für Koller „Meilensteine für unser Selbstvertrauen und damit sehr wichtig“.
Kampf mit dem „falschen Optimismus“
Es wäre aber nicht Koller, wenn er sich mit dem bisher Erreichten zufriedengäbe. Stillstand und das Verharren in einer bequemen Position gibt es für den akribischen Arbeiter nicht. „Wir wollen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen, wir wollen das jetzt auch bestätigen. Wir müssen weiterarbeiten. Der Sieg gegen Schweden hilft uns im nächsten Spiel gegen Montenegro (am 9. Oktober in Podgorica, Anm.) nichts mehr.“

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ÖFB-Teamchef Marcel Koller ist schon ganz auf Frankreich eingestellt
„Es kann nicht unser Ziel sein, einmal kurz unter den ersten 30 in der Welt zu sein, und dann fallen wir beim nächsten Spiel gleich wieder aus den Top 40 heraus.“ Diesbezüglich hat der Teamchef auch weiterhin mit einer österreichischen Eigenschaft zu kämpfen: dem „falschen Optimismus“. Eine Frage nach einem möglichen Europameistertitel wehrte Koller gleich vehement ab: „Die Euphorie schnappt schon wieder über. Lasst uns einmal nach Frankreich fahren.“
Euphorie nach EM-Qualifikation
Marcel Koller sieht nach der geschafften EM-Qualifikation für sein Team nun keine Grenzen nach oben.
„Vive la France“
Auch ÖFB-Boss Leo Windtner hatte auf dem Heimweg aus Schweden im Flugzeug schon die Korken knallen lassen und „Vive la France“ in das Bordmikrofon gebrüllt. Er sprach ebenfalls von Österreich als der „Sensation in Europa“. Aber auch Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic hatte am Dienstagabend einsilbig eingestehen müssen: „Sie (die Österreicher, Anm.) waren die bessere Mannschaft.“
Als fünftes Team hat sich Österreich für die EM 2016 in Frankreich qualifiziert. Nach Jahren der Tristesse und der Rückschläge feiert das heimische Nationalteam seit einiger Zeit seine Wiederbelebung. Mit sieben Siegen und einem Unentschieden dominiert die Mannschaft die Gruppe G und präsentiert sich als kompakte Einheit. Daher gibt es auch schon Faninteresse in puncto EM-Tickets für die Österreich-Spiele. Details dazu gibt es aber erst nach der Gruppenauslosung am 12. Dezember in Paris.
Martin Wagner, ORF.at
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