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Unrühmlicher Schlusspunkt der Spiele

Langläufer Johannes Dürr hat mit seinem EPO-Missbrauch für den unrühmlichen ÖSV-Schlusspunkt der Winterspiele 2014 gesorgt. Das Österreichische Olympische Comite (ÖOC) traf der Dopingfall am letzten Tag laut Präsident Karl Stoss „wie eine Keule“. Der ertappte Sünder zeigte sich geständig, Sportdirektor Markus Gandler war wütend. Dürr wurde in der Folge für zwei Jahre gesperrt.

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Die letzten Gäste hatten nach ausgiebiger Medaillenfeier das Austria Tirol House in Krasnaja Poljana gerade verlassen, als sich Stoss in weißem Hemd und dunklem Sakko „tief erschüttert“ zum Dopingfall des Langläufers äußerte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte das ÖOC kurz nach Mitternacht unterrichtet. Der Athlet hatte unmittelbar nach der Konfrontation durch ÖOC-Ärzteteamleiter Wolfgang Schobersberger seinen EPO-Fehltritt zugegeben, eine Öffnung der B-Probe war somit nicht notwendig. Dürr musste das Olympische Dorf sofort verlassen.

Nach den nachhaltigen Affären 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin hatte Österreich den nächsten Dopingskandal. Dürr, der am nächsten Tag im abschießenden 50-km-Skatingbewerb an den Start hätte gehen sollen und als Medaillenanwärter galt, wurde aus dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) ausgeschlossen. Seine Karriere dürfte somit beendet sein.

ÖOC-Präsident Stoss gezeichnet

Schwer gezeichnet war auch Stoss, der den Dopingfall als „Paukenschlag, der uns wie eine Keule getroffen hat“, bezeichnete. „Wir sind zutiefst enttäuscht und erschüttert. Diese Betrügereien hätten wir nie in unseren Reihen erwartet.“ Das ÖOC griff hart durch, organisierte für Dürr aber noch ein Zimmer für die Nacht in Krasnaja Poljana und die ehestmögliche Abreise. „Wir wollten, dass er sofort hier verschwindet“ erklärte Stoss.

Noch auf dem Flughafen in Sotschi sagte Dürr später, dass ihm nichts anderes übrig bleibe, als sich bei allen zu entschuldigen. „So viele Leute haben sich den Arsch für mich aufgerissen, und ich habe sie enttäuscht mit meiner Blödheit.“ Er habe „mit Sicherheit“ den falschen Leuten vertraut. „Es ist in jeglicher Hinsicht das Schlimmste, was ich in meinem Leben gemacht habe.“

Gandlers Welt „bricht zusammen“

Dürr hatte gegenüber dem ÖOC erklärt, dass er allein gehandelt und sich das EPO selbst zugeführt habe. „Er hat sofort gesagt: ‚Ich bin ein Einzeltäter, es ist niemand anderer involviert‘“, sagte Stoss. Gandler, der Sportliche Leiter für Biathlon und Langlauf, sei ob der Nachricht „total erschüttert“ gewesen. „Ihn hat es wahrscheinlich am allerschwersten getroffen. Er hat versucht, den Langlaufsport wieder nach vorne zu bringen. Für ihn ist eine Welt zusammengebrochen.“

Gandler erlebte acht Jahre nach dem Skandal von Turin schon wieder einen Betrugsfall in seiner Mannschaft. Der gegen die Tränen kämpfende Teamleiter hoffte, dass Dürr hart bestraft wird. Er habe die Wahrheit fast aus ihm herausprügeln müssen. „Weil EPO, das ist nicht etwas, das über einen Riegel oder sonst wie daherkommt, das ist schwerwiegend.“

Sein Vertrauen sei jedenfalls zerstört. Er werde für niemanden mehr die Hand ins Feuer legen, aber er wolle für den Verband die Sache aufarbeiten. „Momentan brauche ich die Kraft für meine Mannschaft“, sagte Gandler auf die Frage, ob er überhaupt noch weitermachen wolle, und erzählte von „Nervenzusammenbrüchen“.

Positiver Dopingtest in Österreich

Dürr war nach seinem ersten Olympiaeinsatz für die Vorbereitung auf den zweiten nach Österreich heimgereist, er wurde am 16. Februar bei einer Trainingskontrolle positiv auf ein EPO-Präparat getestet. Zuvor hatte der Sportler laut Stoss 14 Proben negativ absolviert. „Aber es kann das Netz nicht so engmaschig sein, dass es nicht trotzdem Menschen gibt, die es schaffen, zu betrügen“, so Stoss. „Wir haben gedacht, jetzt haben wir das endlich im Griff. Acht Jahre lang nichts, was ja auch eine lange Periode ist.“

In der Geschichte von Winterspielen gab es bisher 25 Dopingfälle, neun davon gehen auf das Konto von Österreich, alle traten im Lager der Langläufer und Biathleten auf. Dürr war der fünfte positiv getestete Sportler der Sotschi-Spiele. Zuvor waren bereits die deutsche Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle, der lettische Eishockeyspieler Vitalijs Pavlovs (beide Methylhexanamin), der italienische Bobfahrer William Frullani (Dymethylpentylamin) und die ukrainische Skilangläuferin Marina Lisogor (Trimetazidin) als Betrüger entlarvt worden.

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