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Mehr als nur eine renommierte Schule

Die Rugby School im Ort Rugby in der englischen Grafschaft Warwickshire ist nicht nur der Geburtsort des Spiels mit gleichen Namen. Die 1567 gegründete Schule gehört auch zu den renommiertesten und teuersten Bildungseinrichtungen Englands. Zahlreiche berühmte Namen drückten nördlich von London die Schulbank. Und der Einfluss, den die Schule auf den englischen Sport hatte, ist heute noch allgegenwärtig.

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Lawrence Sheriff, der unter Königin Elizabeth I. im 16. Jahrhundert als Händler zu Wohlstand gekommen war, hinterließ seiner Heimatstadt die heutige Rugby School. Die Söhne der Stadt sollten unabhängig vom Wohlstand eine Bildung – vornehmlich in Griechisch und Latein – erhalten. Noch heute ist ein Besuch der Rugby School für die Einwohner, heutzutage Buben und Mädchen, kostenlos. Vorausgesetzt, man besteht den anspruchsvollen Einstiegstest. Für Schüler von auswärts werden 30.000 Pfund (rund 41.000 Euro) pro Jahr an Beiträgen fällig.

Rugby-Schule

ORF.at/Karl Huber

Eines der Schulhäuser der berühmten Schule in Rugby

Wessen Eltern aber das nötige Kleingeld auf der Seite haben, der darf sich später damit rühmen, auf jenen Plätzen gesessen zu sein, auf denen schon Schriftsteller wie Lewis Carroll („Alice im Wunderland) und Salman Rushdie („Die satanischen Verse“) oder der spätere Premierminister Neville Chamberlain, der vergeblich versuchte, Adolf Hitler mit Verhandlungen am Krieg zu hindern, für das spätere Leben lernten.

Inspiration für olympische Idee

Noch mehr Bedeutung hatte die Rugby School aber in der Welt des Sports. Auf den Sportplätzen der Schule wurde jener körperbetonte Sport geboren, der heuer die Fans in Scharen zur Rugby-Weltmeisterschaft nach England lockt. Eine Statue des angeblichen Erfinders des Spiels, William Webb Ellis, begrüßt den Besucher bei der Anfahrt zum Gelände. Auch der Entwickler des Rugbyballs kommt logischerweise aus der Stadt. Richard Lindon, ein lokaler Schuster, gilt als Entwickler und zudem als Erfinder der Handpumpe.

Statue von William Webb Ellis

ORF.at/Karl Huber

Auf den Hauptstraßen der Stadt ist die aktuelle WM allgegenwärtig

Unter Direktor Thomas Arnold, dem einzigen ehemaligen Schulleiter, dem die Ehre zuteil wurde, in der Kapelle der Schule begraben zu werden, wurde die Rugby School im 19. Jahrhundert sogar ein Vorzeigeprojekt in Sachen Unterricht und Sport. Die Vision Arnolds vom „christlichen Gentleman“, der auch im Sport vorbildlich seinen Mann steht, inspirierte den französischen Baron Pierre de Coubertin zu den Olympischen Spielen der Neuzeit, die 1896 in Athen erstmals ausgetragen wurden.

Weiß als Traditionsfarbe

In England hinterließ die Rugby School noch tiefere Spuren. Auch dass die englischen Nationalteams im Rugby und im Fußball in Weiß spielen, ist dem Respekt vor der berühmten Schule geschuldet. Denn weil die Frau eines Schuldirektors genug davon hatte, die verschmutzte Wollbekleidung der Schüler nach den Spielen mühsam säubern zu müssen, verpasste sie ihnen weiße Baumwollbekleidung, die man bequem auskochen konnte. Die englischen Nationalteams übernahmen später diese Tradition, um ein klein wenig der Aura der legendären Schule auf sich zu übertragen.

Und auch der englische Begriff „Cap“ für Länderspieleinsätze geht auf Rugby zurück. Denn als alle Burschen noch in Privatkleidung spielten, waren die einheitlichen Kappen der diversen Häuser des Internats das einzige Erkennungszeichen. Und einen Einsatz im Spiel - also eine „Cap“ - verdienten sich nur die Besten.

Auch dafür, dass sie bei einem Spiel 15 Minuten zum Durchschnaufen haben, dürfen sich Spieler und Fans der Legende nach bei einem ehemaligen Kapitän der Rugby School bedanken. Weil bei einer Partie aufgrund der stürmischen Verhältnisse seine Mannschaft starken Rückenwind und dabei bei den Kicks einen entscheidenden Vorteil hatte, schlug der Rugby-Kapitän vor, die Seiten nach rund 40 Minuten zu tauschen. Die Halbzeit zwischen zwei Spielhälften und die Dauer einer Hälfte im Rugby waren damit geboren.

Karl Huber, ORF.at, aus Rugby

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