Themenüberblick

Perfektes Ende einer historischen Quali

Mit dem neunten Sieg im zehnten Spiel hat Österreich die EM-Qualifikationsgruppe G am Montag in souveräner Art und Weise abgeschlossen. Das bereits vor den letzten beiden Partien als Gruppensieger für die EM 2016 in Frankreich qualifiziert gewesene ÖFB-Team setzte sich im Wiener Ernst-Happel-Stadion gegen Liechtenstein klar mit 3:0 durch. 28 von 30 möglichen Punkten sind nun die großartige Endbilanz für die Mannschaft von Teamchef Marcel Koller.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Vor 48.500 feiernden Zuschauern erzielten Marko Arnautovic (12.) und Marc Janko (54., 57.) die Tore der über die gesamte Spielzeit klar überlegenen Gastgeber. Dass der Sieg der befreit aufspielenden ÖFB-Auswahl nicht noch höher ausfiel, lag auch am starken Liechtenstein-Torhüter Peter Jehle. Mit dem hochverdienten Erfolg fixierte Österreich den Einzug in die Top Ten der FIFA-Weltrangliste und die Setzung in Topf zwei für die EM-Gruppenauslosung am 12. Dezember. Auf dem Weg nach Frankreich bestreitet Kollers Team am 17. November in Wien das erste Testspiel gegen die Schweiz.

Österreichs Nationalteam feiert EM-Teilnahme

Zum ersten Mal in Österreichs Fußballgeschichte ist die Nationalmannschaft in den Top Ten der FIFA-Weltrangliste. Nach dem 3:0-Sieg gegen Liechtenstein folgte die Feier für die erfolgreiche EM-Qualifikation.

Elf Minuten Party bis zur Führung

Mit einer grandiosen rot-weiß-roten Choreographie und einmal mehr Gänsehautstimmung im randvollen Prateroval war die ÖFB-Elf zum letzten Auftritt einer wohl historischen EM-Qualifikationsphase empfangen worden. Im Vergleich zu den letzten beiden Siegen in Schweden und Montenegro hatte der schon vor Anpfiff von den Fans gefeierte Teamchef Koller keine personellen Veränderungen vorgenommen. Sollte alles nach Plan laufen, war wohl spätestens für die zweite Hälfte der eine oder andere Wechsel geplant.

Die große Abschlussparty für den überlegenen Gruppensieger fand zunächst eher auf den Rängen statt. Auf dem Rasen tat sich in den ersten zehn Minuten nicht viel - außer einer hochkarätigen Doppelchance für Janko (9.), der einmal an Liechtenstein-Goalie Jehle scheiterte und dann aus kurzer Distanz vorbeischoss. Der bis dahin auffälligste Spieler war Arnautovic, weil er im offensiven Pressingverband der Österreicher gleich mehrmals den Ball eroberte.

Marko Arnautovic (AUT) und Mario Frick (LIE)

GEPA/Mario Kneisl

Arnautovic war von Beginn an auf dem Weg Richtung Liechtensteiner Tor

Belohnt wurde der Stoke-Legionär dafür mit dem ersten Tor des Abends. In der zwölften Minute zog Arnautovic von links unwiderstehlich in den Strafraum. Dabei legte er sich den Ball etwas zu weit vor, der Klärungsversuch eines Liechtenstein-Verteidigers traf ihn aber noch in vollem Lauf und von Arnautovic prallte der Ball genau ins lange Eck zur 1:0-Führung. Nur sieben Minuten später wäre es beinahe schon 2:0 gestanden, hätte David Alaba nach schönem Doppelpass mit Arnautovic nicht in Jehle seinen Meister gefunden.

Liechtenstein-Goalie im Zentrum des Geschehens

Österreich hatte das Match längst sicher im Griff, vor allem über die linke Seite machten Arnautovic und Kapitän Christian Fuchs viel Druck. Alaba wurde im Zentrum immer wieder gesucht und gefunden. Bei den ganz seltenen Konterversuchen der Liechtensteiner ließen Aleksandar Dragovic und Sebastian Prödl hinten nichts anbrennen. Janko (32.) sorgte mit einem artistischen Volleyschuss für ein optisches Highlight, verfehlte das Tor aber doch deutlich. Davor hatte der blendend aufgelegte und extrem lauffreudige Arnautovic den starken Gästegoalie erneut geprüft.

Auch bei einem Kopfball von Zlatko Junuzovic (38.) nach perfekter Arnautovic-Flanke war Jehle auf dem Posten. Ihm hatte es die Mannschaft von Trainer Rene Pauritsch zu verdanken, dass sie zur Pause nur mit einem Tor zurücklag. Die letzte Großtat leistete Jehle unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff (45.), als er einen gefährlich über die Mauer gezirkelten Freistoß von Junuzovic aus der Ecke fischte.

Goalgetter Janko schlägt zweimal zu

Nach dem Seitenwechsel ging es in ähnlicher Gangart weiter. Arnautovic rannte noch immer wie aufgezogen, blies aber auch schon ordentlich durch. Am Spielfeldrand wärmten Kollers personelle Alternativen in der herbstlichen Kälte weiter tapfer auf. Dass den singenden, hüpfenden und die Welle probenden Zuschauern auf den Rängen nicht kalt wurde, dafür sorgte dann Österreichs Torjäger vom Dienst, Janko. In der 54. Minute bezwang der Basel-Stürmer den diesmal chancenlosen Jehle nach Steilpass von Martin Harnik eiskalt zum 2:0.

Jubel von Marc Janko (AUT)

APA/Roland Schlager

Janko krönte sein 50. Länderspiel gleich mit zwei Treffern

Nachdem Janko nur wenige Augenblicke später vom Fünfer eine Riesenchance ausgelassen hatte, schlug er in der 57. Minute gleich noch einmal zu. Arnautovic und Alaba, zwei der bis dahin stärksten ÖFB-Akteure, spielten sich auf der linken Seite grandios in den Sechzehner. Bayern-Star Alaba beliefert Janko mit einem idealen Querpass in die Mitte, und dieser nahm die Einladung dankbar an. Es war Jankos bereits siebenter Treffer in der EM-Quali, und dabei sollte es auch bleiben. Denn nach 64 Minuten war der erfolgreiche Arbeitstag für ihn und Alaba erledigt.

Chancen im Minutentakt bis zum Schlusspfiff

Koller brachte Marcel Sabitzer und Rubin Okotie für die letzte halbe Stunde des letzten Bewerbsspiels vor der EM im Juni nächsten Jahres. Als Harnik (67.) die Stange traf, lag schon wieder das nächste ÖFB-Tor in der bereits mit EM-Vorfreude erfüllten Luft. Allein Jehle hatte etwas gegen den vierten Treffer: Bei einem scharfen und platzierten Harnik-Schuss (73.) von halbrechts zeigte der Keeper nicht die erste Weltklasseparade des Abends. Auch in der Folge brannte es im Strafraum der Gäste im Minutentakt lichterloh.

Einen wuchtigen Kopfball des eingewechselten Stefan Ilsanker drehte Jehle eine Viertelstunde vor Schluss spektakulär über die Latte. Sabitzer (78.) schoss nach herrlicher Vorlage des überragenden Arnautovic aus vollem Lauf unbedrängt weit über das Tor. Bis zur letzten Minute verlief das Match wie auf einer schiefen Ebene in Richtung Gästetor. „Frankreich wir kommen“, sangen die Fans längst, bevor Schiedsrichter Miroslav Zelinka abpfiff. Der Rest war Jubel, Trubel, Heiterkeit - und Stolz.

Harald Hofstetter, ORF.at

EM-Qualifikation, Gruppe G

Montag:

Österreich - Liechtenstein 3:0 (1:0)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 48.500 Zuschauer, SR Zelinka (CZE)

Torfolge:
1:0 Arnautovic (12.)
2:0 Janko (54.)
3:0 Janko (57.)

Österreich: Almer - Klein, Prödl, Dragovic, Fuchs - Baumgartlinger (71./Ilsanker), Alaba (64./Sabitzer) - Harnik, Junuzovic, Arnautovic - Janko (64./Okotie)

Liechtenstein: Jehle - Rechsteiner, Frick (90./Kühne), Kaufmann, Oehri (46./Brändle) - Polverino - Kieber (62./Yildiz), Martin Büchel, Wieser, Burgmeier - Marcel Büchel

Gelbe Karte: Polverino

Links: