ÖFB-Team sorgt für Aufsehen in Europa
Marcel Koller hat sich mit der erstmaligen sportlichen Qualifikation eines österreichischen Nationalteams für eine EM-Endrunde als Teamchef ein Denkmal gesetzt. Am Tag nach dem 3:0 gegen Liechtenstein zog der Schweizer am Dienstag trotz Feiermarathons entspannt und stolz Bilanz. Denn die Qualifikation der Rekorde war kein Zufall, sondern dank harter Arbeit hausgemacht.
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ÖFB-Team für EM gerüstet
Der Countdown läuft. Nach der Party sind alle Weichen des Nationalteams für die EM im Juni 2016 gestellt. Um auch dort für Furore zu sorgen, will das Team noch mehr Variationen ins bewährte System einbauen.
Auch die langen Strapazen der Partynacht nach dem abschließenden Spiel gegen Liechtenstein waren dem 54-jährigen Teamchef nicht anzumerken. Und das, obwohl der Schweizer laut eigener Angabe nicht zu jenen Gästen zählte, die als erste die Feier im Wiener Volksgarten verließen. „Aber es war noch dunkel, als ich nach Hause ging“, sagte Koller. Der 54-Jährige zeigte sich von der Leistung seiner Spieler auch abseits des Platzes begeistert. „Wir haben nicht nur ein geiles Team, das sehr gut Fußball spielen, sondern auch sehr gut feiern kann.“
„Nicht durch die Quali gewurstelt“
Gründe zum Feiern gab es genug: Der Gedanke an die rekordebrechende Qualifikation mit neun Siegen und einem Unentschieden bereitete Koller auch noch einen Tag nach dem abschließenden 3:0 gegen Liechtenstein im ausverkauften Happel-Stadion große Freude. „Wir haben uns nicht durch die Quali gewurstelt, sondern überzeugend gespielt und in Europa für Aufsehen gesorgt“, meinte der Teamchef.

GEPA/Patrick Leuk
Die Party begann für Koller und seine Spieler unmittelbar nach Abpfiff
Stolz machte den Teamchef auch die Tatsache, dass seine Auswahl ihre letzten beiden EM-Qualifikationspartien gegen Montenegro und Liechtenstein mit jeweils drei Punkten abschließen konnte - obwohl das Ticket für Frankreich schon davor gelöst worden war. „Es war gut, dass wir für den EM-Lostopf zwei noch zwei Siege brauchten, damit man noch Ziele hat und die Spieler merken, es geht nicht um die goldene Ananas“, sagte Koller.
Entscheidung zu bleiben war wichtig
Für den Schweizer bestätigte sich auch seine Entscheidung, nach der verpassten WM-Qualifikation 2012 das lukrative Angebot seines Heimatlandes auszuschlagen und beim Österreichischen Fußballbund (ÖFB) zu verlängern. „Wichtig war, dass ich hier geblieben bin, um mit der Mannschaft weiterarbeiten zu können“, sagte Koller. Denn so hatte er schließlich die Zeit, seinen eingeschlagenen Weg fortzusetzen und mit den Spielern zu perfektionieren.
Die in der Vergangenheit oft vermisste Siegermentalität bleibt als größte Errungenschaft der abgelaufenen EM-Qualifikation in Erinnerung. Dass ein ÖFB-Team sieben Auswärtsspiele in Folge gewinnen konnte, das gab es in der Vergangenheit noch nie. Auch die Siegesserie von neun Pflichtspielen in Folge ist ein Rekord. „Aber ich bin von dieser Entwicklung nicht überrascht, sondern habe eher gehofft, dass es schneller geht“, sagte Koller.
In den kommenden Monaten bis zur am 10. Juni 2016 beginnenden EM-Endrunde gilt es, die aktuelle Konstanz zu halten. Geschafft werden soll das unter anderem mit kleinen taktischen Variationen, aber ohne eine Systemrevolution. „Es ist schwierig, schnell etwas Neues einzuführen, gerade bei einem Nationalteam. Unser Ziel muss sein, auf diesem Level weiterzuspielen. Es gibt immer taktische Möglichkeiten, doch ich bin der Meinung, dass man die Spieler eher verunsichert, wenn man ein neues System einführt.“
Bester Punkteschnitt
Mit dem aktuellen System agierte Österreich so dominant wie noch nie. Neun Siege und nur ein Remis ergaben einen Punkteschnitt von 2,8 Zählern pro Partie - so erfolgreich absolvierte man noch keine Qualifikation. Vor Einführung der Dreipunkteregel 1994 überstand Österreich bereits zwei Qualifikationen ungeschlagen. Rechnet man die damaligen Ergebnisse von zwei auf die heute für einen Sieg vergebenen drei Punkte hoch, liegen die WM-Ausscheidungen für 1958 (Schnitt 2,5) und 1978 (Schnitt 2,33) aber immer noch hinter dem jüngsten Wert.

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Die akribische Arbeit des Teamchefs schlug sich in den Resultaten nieder
Mit 28 von 30 möglichen Punkten übertraf das Koller-Team auch die Marke, mit der sich zuletzt eine ÖFB-Auswahl für ein Großereignis qualifiziert hatte. Unter Teamchef Herbert Prohaska holte das ÖFB-Team in der Qualifikation für die WM 1998 in Frankreich in zehn Spielen 25 Zähler. Die bisher beste EM-Qualifikation liegt noch weiter zurück. In der Ausscheidung für 1980 kassierten die Österreicher in acht Spielen nur eine Niederlage, verpassten als Gruppenzweiter hinter Belgien aber dennoch die Endrunde. Für die mit acht Teams gespielte EM in Italien qualifizierten sich nur die Gruppensieger.
Nur einen Rekord konnte die Koller-Truppe nicht knacken: Die 22 erzielten Tore sind keine Bestmarke bei EM-Qualifikationen Österreichs. In der Ausscheidung für das Turnier in England 1996 hatte es 29 rot-weiß-rote Treffer gegeben. Das von Prohaska betreute Team mit Toni Polster und Andreas Herzog war in der Sechsergruppe trotz der vielen Treffer aber Vierter einen Punkt hinter den zweitplatzierten Iren geworden. Die spielten damit im Play-off, Österreich schaute damals - anders als heute - durch die Finger.
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