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„Jeder Sieg macht mich noch hungriger“

Mikaela Shiffrin startet am Samstag (9.30 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) in Sölden mit großen Ambitionen in die neue Weltcup-Saison. Die Slalom-Doppelweltmeisterin und Olympiasiegerin hat schon in den ersten vier Saisonen ihrer Karriere fast alles gewonnen. Nun bringt sich die 20-jährige US-Amerikanerin auch für den Gesamtweltcup in Stellung - dass Titelverteidigerin Anna Fenninger verletzungsbedingt die ganze Saison ausfällt, sollte für Shiffrin dabei kein Nachteil sein.

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Um nach drei Siegen im Slalom-Weltcup in Serie möglichst bald auch die große Kristallkugel zu erobern, hat sich Shiffrin auch im Riesentorlauf weiter stark verbessert und ihr Programm endgültig um Super-G und Kombi erweitert. Obwohl sie bisher nur Slalom und Riesentorlauf fuhr, war Shiffrin schon in den vergangenen zwei Saisonen jeweils bis auf rund 500 Punkte an die spätere Gesamtsiegerin Anna Fenninger herangekommen, obwohl die Amerikanerin ein Drittel weniger Rennen bestritten hatte.

Punktejagd ausgeweitet

„Ich hoffe, dass ich nun in beiden technischen Disziplinen auf das Podest fahren kann. Mit Super-G und den Kombis kann ich sicher einige hundert Punkte mehr machen“, lautet die Kampfansage der Amerikanerin im Gesamtweltcup. Dass Fenninger fehlt, zudem viele arrivierte Konkurrentinnen aufgehört haben und auch die Slowenin Tina Maze eine Pause einlegt, muss es für Shiffrin aber nicht zwangsläufig leichter machen.

Mikaela Shiffrin

GEPA/Andreas Pranter

Shiffrin ist erste Anwärterin auf den Gewinn der großen Kristallkugel

„Solche Gedanken sind höchst gefährlich“, warnte die 20-Jährige aus Eagle-Vail in Colorado. „Ich darf nie vergessen, dass da draußen auch so viele junge und sogar noch jüngere und sauschnelle Mädchen sind, die vor allem mich schlagen wollen“, gab sie sich vor dem Weltcup-Start in Tirol abgeklärt. „Ich mache deshalb weiter so, als ob ich zurückliegen würde und aufholen müsste.“

Vorsichtig mit Prognosen

Dabei schien ihr schon im Vorjahr nach ihrem Ex-aequo-Premierensieg mit Fenninger in Sölden der Durchbruch auch im Riesentorlauf gelungen zu sein. „Danach bin ich aber nur noch einmal auf das Podest gekommen“, erinnerte sie sich. Auch ihre schon damals vorhanden gewesenen Speed-Pläne wurden wieder ad acta gelegt, weil sich auch im Slalom unerwartete Probleme einstellten. Nicht zuletzt deshalb ist Shiffrin nun mit Prognosen vorsichtig. „Der Gesamt-Weltcup ist derzeit mehr ein Traum. Ich fokussiere mich in erster Linie auf den Gewinn der kleinen Kugeln im Slalom und Riesentorlauf.“

Wenn Shiffrin einen Nachteil hat, dann ist es der fehlende Vergleich im US-Team. Lindsey Vonn fokussiert sich verletzungsbedingt auf Speed und feierte eine Woche vor Sölden ihren 31. Geburtstag beim Air Race in Las Vegas. Die zu Stöckli gewechselte 2006-Olympiasiegerin Julia Mancuso hat weiter Hüftprobleme und fehlt in Sölden. Resi Stiegler ist oft verletzt. So hat Shiffrin im Sommer mehr mit Ted Ligety in Neuseeland trainiert, sonst fehlt ihr aber der Vergleich. Zusammen mit Coach Brandon Dyksterhouse hat die weiterhin auch von ihrer Mutter Eileen betreute Shiffrin aber offensichtlich überall klare Fortschritte gemacht.

„Wieder schneller geworden“

„Ich habe viel investiert, und der Riesentorlauf fühlt sich immer mehr an wie der Slalom, der längst ein Teil von mir ist“, gab sich die US-Amerikanerin zuversichtlich. Den Grad der Verbesserung kann sie trotzdem nur vermuten. „Der Riesen-Schwung fühlt sich besser an, ich denke nun auch schneller. Ich fühle also definitiv, dass ich wieder schneller geworden bin. Um wie viel, werde ich aber erst in Sölden sehen.“ Auch Sprünge hat Shiffrin intensiv geübt. „Ich komme mir dabei schon recht cool vor, die Coaches sehen das aber anders“, erzählte sie lachend. „Es macht auf jeden Fall großen Spaß, auch wenn mein Respekt vor Speed-Rennen nach wie vor riesengroß ist.“

Potenzielle Gesamtsiegerin

Offensichtlich ist aber, dass Shiffrin ausreichend Potenzial für den Gesamtweltcup hat. Das sieht auch ihr Ausrüster so. „Der Gesamtweltcup in den nächsten Jahren ist das Ziel“, hielt Atomic-Geschäftsführer Wolfgang Mayrhofer fest. Einzige Einschränkung: „Noch nicht unbedingt im kommenden Jahr. Aber insgesamt gibt es eine Vereinbarung mit den Shiffrins und den Coaches sowie einen ganz klaren Plan mit Meilensteinen, wo wir mit ihr hin wollen.“ Auch laut Mayrhofer wird man den größten Entwicklungssprung bei Shiffrin im Riesentorlauf sehen.

In beiden Lagern ist man überzeugt, dass Pannen wie im Vorjahr künftig ausbleiben werden. Shiffrin haderte den ganzen November und Dezember mit ihrer Paradedisziplin Slalom, erst intensive Materialtests brachten sie wieder ganz nach vorne. „Nachdem es über Jahre wie geschmiert gelaufen ist, bin ich überrascht worden. Ich bin besser geworden, das Material war aber das gleiche. Das war etwas arrogant von mir“, erinnerte sie sich. Nun hat sie bereits im Frühjahr das gesamte Set-up weiterentwickelt und verbessert.

Zwei Disziplinen sind zu wenig

Ihre Programmerweiterung sei für den Gewinn des Gesamtweltcups unerlässlich, so Shiffrin. Denn wie Marcel Hirscher bei den Herren die große Kugel nur über beide Technikdisziplinen zu gewinnen würde sich bei den Damen nicht ausgehen. „Wenn du wie Marcel in praktisch jedem Rennen auf dem Podest stehst, hast du bei den Herren mit zwei Disziplinen eine Chance. Bei den Damen ist das nicht so leicht.“ Das Stärkste an Shiffrin ist aber womöglich ihr Ehrgeiz. Sie lässt sich selbst von überlegenen Siegen nicht einlullen. Ihr Motto: „Man muss immer gierig sein. Jeder Sieg macht mich hungrig nach noch mehr Siegen.“

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