ÖSV-Star peilt ersten Wengen-Sieg an
ÖSV-Star Marcel Hirscher setzt seine Jagd auf den dreifachen Saisonsieger Henrik Kristoffersen am Sonntag (10.30 Uhr und 13.30 Uhr, live in ORF eins) fort und peilt seinen ersten Slalom-Triumph in Wengen an. Ein Erfolg auf der klassischen Strecke bleibt dem Sieger aber verwehrt. Wegen Schneemangels im Vorfeld der 86. Lauberhornrennen findet das Rennen auf dem unteren Teil der Abfahrtspiste statt.
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„Es ist schade, dass der Slalom-Sport nicht so transportiert wird, wie er es verdient hat und was er hergibt“, kommentierte Hirscher die Verlegung. Letztlich sind aber alle froh, dass es überhaupt Rennen gibt, musste doch erst vergangene Woche der RTL in Adelboden witterungsbedingt abgesagt werden. „Wir wären gern auf der anderen Seite, weil es der originale Hang ist, mit Charakter. Aber okay, es ist halt nicht so“, sagte ÖSV-Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher.
Gemischte Gefühle nach Verlegung
Im Disziplinenweltcup liegt Hirscher 40 Punkte hinter dem dreifachen Saisonsieger Kristoffersen. Die Originalstrecke sei „ein richtig lässiger Slalom-Hang mit Historie. Einmal links bei einem Stadl vorbei, einmal rechts. Insgesamt sehr schwierig, was Marcel zugutekommen würde“, so Puelacher. „Aber ich habe kein Problem mit der Verlegung auf die Abfahrt, weil wir Rennen wollen und keinen Slalom sausen lassen wollen.“

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In Santa Caterina zeigte Hirscher, dass Kristoffersen nicht unschlagbar ist
Außerdem habe Hirscher in dieser Saison bereits bewiesen, dass er sich auf jedem Hang wohlfühlen und zurechtkommen kann. „Santa Caterina war auch nicht steil, aber sehr schwierig. Und Marcel hat gewonnen. Vom Sportlichen her ist es mir eigentlich egal“, meinte Puelacher. Zudem ist die Piste hart und eisig, wie die Kombinierer bereits testen durften.
Hirscher nahe dran am Saisondominator
Fünf Fahrer haben sich in den bisherigen vier Saison-Slaloms die Podestplätze untereinander ausgemacht. Neben Hirscher und Kristoffersen, die jeweils viermal auf das Stockerl kamen, schafften es auch der Russe Alexander Choroschilow (2) sowie DSV-Star Felix Neureuther und ÖSV-Youngster Marco Schwarz je einmal in die Top Drei. Zuletzt in Adelboden war Hirscher zwar zum dritten Mal in dieser Saison hinter Kristoffersen Zweiter, er sah sich aber nahe dran am Norweger. „Vielleicht kann ich das Blatt wenden. Wenn nicht, bin ich auch mit Platz zwei zufrieden.“
Hirscher stand in Wengen bisher dreimal auf dem Podest, zweimal als Zweiter (2011, 2013) und einmal als Dritter (2014). Vergangenes Jahr schied er im ersten Durchgang nach einem Einfädler aus, den Sieg schnappte sich bei dichtem Schneetreiben der Deutsche Neureuther vor Stefano Gross (ITA) und Kristoffersen. Bester Österreicher war Reinfried Herbst als 13. Insgesamt war es das schlechteste Wengen-Ergebnis für Österreich.
Kristoffersen kann mit Jagge gleichziehen
Bei einem Sieg würde Hirscher Landsmann Benjamin Raich im Gesamtranking an Weltcup-Erfolgen überflügeln und mit 37 alleiniger Sechster sein. Drei Siege würden dann nur noch auf den Schweizer Pirmin Zurbriggen fehlen. In Führung liegt der Schwede Ingemar Stenmark (SWE) mit 86 vor dem Salzburger Hermann Maier (54). Kristoffersen würde bei Platz eins mit Finn Christian Jagge gleichziehen, der den norwegischen Rekord an Slalom-Weltcup-Siegen mit sieben hält.

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Kristoffersen kann den Landesrekord von Finn Christian Jagge einstellen
Hirscher hat sich auf der Reiteralm - durchwegs auf eisigen Verhältnissen - vorbereitet, die anderen Slalom-Fahrer in Steinach am Brenner. Eigentlich wäre der Plan gewesen, in Kitzbühel zu trainieren, aber der Hang war wegen des Neuschnees nicht bereit. Das erste Abfahrtstraining für das Hahnenkammrennen wird dort am Dienstag oder Mittwoch stattfinden.
„Sind wieder eine Mannschaft“
Über die bisherigen Slalom-Saisonleistungen seiner Teamkollegen freute sich auch Hirscher. Top-20-Ränge haben bisher Schwarz (3., 18.), Manuel Feller (6., 16.), Marc Digruber (9., 15.) und Michael Matt (19., 20.) erreicht. „Ich habe das Gefühl, dass wir wieder eine Mannschaft sind. Herr Pfeifer bringt da eine gute Slalom-Mannschaft nach“, sagte Hirscher über Slalom-Chef Marko Pfeifer. Er selbst trainiert mit Michael Pircher.
Anders als geplant absolvierte der Salzburger unter der Woche kein Super-G-Training. „Wir haben nur Slalom gemacht, wir haben da noch etwas zu erledigen gehabt“, erklärte sein Coach Pircher und fügte an, dass man wieder einen Schritt nach vorne gemacht habe. „Wenn möglich, wird Marcel am Dienstag oder Mittwoch Super-G trainieren.“
Der Kombislalom am Freitag hat Pircher vor dem Fernseher verfolgt. „Ich glaube, der Slalom hier ist attraktiver, als es in der Kombination ausgeschaut hat. Man kann einen Slalom attraktiv oder unattraktiv machen, das hängt auch von der Kurssetzung ab. Die kann auch gefinkelt sein. Ich bin vorgewarnt.“
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