Themenüberblick

Ein Nightrace der besonderen Art

40.000 Skifans haben am Dienstag in Schladming ein Nightrace der besonderen Art erlebt. Zu den Protagonisten avancierten Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen. Sensationelles lieferte dabei vor allem der Salzburger ab, der nach einer Brillenpanne im ersten Durchgang nur auf Platz 22 gelegen war. In der Entscheidung katapultierte sich Hirscher aber mit klarer Laufbestzeit noch auf das Podest und belegte Rang zwei.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der Rückstand auf Sieger Henrik Kristoffersen betrug nach dem Slalom-Krimi 0,61 Sekunden. Der 21-Jährige war nach dem ersten Lauf auf Platz drei gelegen und feierte am Ende seinen sechsten Saisonsieg und nach Adelboden, Wengen, Kitzbühel den vierten Triumph in Serie. Kristoffersen profitierte aber auch vom Ausfall von Felix Neureuther. Der Deutsche hatte nach einer perfekten Fahrt 1,10 Vorsprung auf den Norweger, fädelte aber im zweiten Durchgang den ersten Saisonsieg vor Augen ein. Rang drei ging damit an den russischen Vorjahressieger Alexander Choroschilow (+ 0,77).

Zweiter Durchgang: Marcel Hirscher (AUT)

Der Salzburger beweist nach seinem Missgeschick mit einer furiosen Laufbestzeit seine Klasse und stürmt noch auf Rang zwei vor.

„Ein unglaublicher Ausgang“

Nachdem Hirscher nach dem ersten Durchgang und 2,59 Sekunden Rückstand auf Neureuther „so sauer wie schon lange nicht“ war, gab es am Ende für den 26-Jährigen ein Happy End. „Ich bin fertig, das hätte ich mir nie gedacht. Das ist ein unglaublicher Ausgang, mit dem, was heute im ersten Durchgang abgegangen ist. Ich bin einfach sprachlos. Sicher hat alles zusammengespielt. Natürlich hat die Piste gut nachgelassen und hat mir geholfen, aber ich habe alles herausgequetscht. Bist du deppert“, so Hirscher.

Felix Neureuther, Marcel Hirscher, Henrik Kristoffersen und Alexander Khoroshilov

APA/Roland Schlager

Während Neureuther enttäuscht aus dem Zielraum fährt, jubelt das Siegertrio

Mit den geretteten 80 Punkten übernahm Hirscher auch die Führung im Gesamtweltcup. Der vierfache Sieger der großen Kristallkugel liegt nun 98 Punkte vor Kristoffersen. Im Slalom-Weltcup führt der Norweger nach sechs Siegen und einem zweiten Platz 180 Punkte vor Hirscher. „Es war wirklich schwierig. Ich habe Marcel gesehen und muss sagen: Chapeau. Das war unglaublich. Oben war er unglaublich schnell, aber ich kämpfte, und dann steht man hier - der zweite Schladming-Sieg, danke Österreich. Die Stimmung hier ist unglaublich, es macht wirklich, wirklich Spaß.“

Auf Blindflug folgt Feuerwerk

Wenig Spaß hatte Hirscher indes im ersten Durchgang, in dem er im Blindflug unterwegs war. Grund dafür war ein Missgeschick der ungewöhnlichen Art. Aufgrund des falsch eingelegten Glases lief Hirscher während der Fahrt die Brille an und raubte ihm die Sicht. „Ich habe mir schon gedacht, dass die Brille leicht anläuft, aber nie damit gerechnet, dass das Glas verkehrt drinnen ist. Die beschichtete Seite war außen. Der Tag ist für mich gelaufen“, hatte ein enttäuschter Hirscher erklärt.

Slalom in Schladming

  • 1. Henrik Kristoffersen (NOR)
  • 2. Marcel Hirscher (AUT)
  • 3. Alexander Choroschilow (RUS)

Entgegen seinen Erwartungen schaffte der Salzburger doch die Quali für die Entscheidung. „Dass die Piste so nachlässt, war mein Glück“, sagte Hirscher vor dem zweiten Durchgang, in dem er dann voll angriff und vor allem im oberen Teil ein Feuerwerk zündete. „Wie weit ich nach vor kommen werde, hängt davon ab, wie sich die Piste entwickeln wird“, sagte Hirscher, der mit seiner Zeit Läufer um Läufer hinter sich ließ. Als dann auch der Italiener Patrick Thaler Hirscher nicht von der Spitze verdrängen konnte, waren die Top Ten fix.

„Bitterer Einfädler“ von Neureuther

Die Piste spielte Hirscher dann tatsächlich in die Karten, es ging noch weiter nach oben. Erst der nach dem ersten Lauf drittplatzierte Kristoffersen löste Hirscher mit einem Vorsprung von 0,61 Sekunden ab, verlor aber 0,88 Sekunden von seinem Vorsprung. Als dann auch noch Stefano Gross hinter dem Österreicher blieb, war sogar der Podestplatz unter Dach und Fach. Der Ausfall von Neureuther besiegelte dann Hirschers Verbesserung von 20 Rängen.

Zweiter Durchgang: Henrik Kristoffersen (NOR)

Der Norweger setzt seine Siegesserie fort und rettet 0,61 Sekunden Vorsprung auf Marcel Hirscher ins Ziel.

„Schon sehr schade. Auf alle Fälle. Ein Einfädler ist immer bitter. Wenn man etwas Positives mitnehmen will, dann, dass ich zurück bin und dass der Speed passt. Heute habe ich gezeigt, dass ich eigentlich ganz woanders hingehöre. Das nehme ich mit“, erklärte Neureuther, der weiter auf seinen ersten Schladming-Sieg warten muss. Aufgrund des Ausfalles des 31-Jährigen schaffte Kristoffersen als erster Läufer seit Benjamin Raich im Jahr 2001 den Siegeshattrick bei den Klassikern in Wengen, Kitzbühel und Schladming.

„Genialer“ Platz zehn für Digruber

Dass das Nightrace in Schladming doch noch zur Party für die ÖSV-Fans wurde, dafür sorgte neben Hirscher auch Marc Digruber. Der 27-Jährige schaffte mit viertbester Laufzeit eine Verbesserung um 15 Plätze und wurde Zehnter. „Es ist unglaublich. Bei dieser Stimmung und bei einem Heimrennen unter die Top Ten zu fahren, habe ich mir vorgenommen. Und ich habe es erreicht. Das ist einfach nur genial“, freute sich Digruber. Von Hirschers Aufholjagd zeigte er sich beeindruckt: „Das ist der Marcel. Meine Fahrt war schon nicht schlecht, und dann hat er noch einmal einen draufgelegt. Hut ab.“

Manuel Feller schied indes in der Entscheidung aus. Ganz besonders bitter verlief auch für Reinfried Herbst sein letzter Heimauftritt. Der 37-jährige Salzburger verpasste als 32. die Qualifikation. „Da war nichts mit Genießen, bei der Fahrt. Ich habe von Anfang an gesehen, dass es brutal zu attackieren ist, aber andererseits die Piste schon schwer ist. Ich bin natürlich ein bisschen enttäuscht. Aber es hilft nichts. Ich habe trotzdem schöne Erinnerungen an Schladming“, erklärte Herbst, der auf der Planai 2009 und 2010 gewonnen hatte.

Links: