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Titelverteidiger wieder an der Spitze

In Schladming hat Österreichs Skistar Marcel Hirscher zum fünften Mal in dieser Saison in einem Weltcup-Slalom Henrik Kristoffersen den Vortritt lassen müssen. Am Dienstag überwog beim Annaberger dennoch die Freude, nachdem er den ersten Durchgang im Blindflug absolviert hatte. Der Wahl-Ramsauer Kristoffersen jubelte indes über seinen ersten „Heimsieg“.

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„Die größte Emotion heute ist die Dankbarkeit. Das überwiegt alles“, sprach Hirscher nach einem turbulenten, spannenden Nightrace, das keinen Zuschauer auf dem Sitz ließ. Dankbar war der Salzburger vor allem darüber, dass sein „Flüchtigkeitsfehler“ mit seiner Brille, die wegen eines falsch eingesetzten Glases anlief, letztlich gut ausging.

Marcel Hirscher mit Sektflasche

APA/Georg Hochmuth

Hirscher feierte Rang zwei als gefühlten Sieg

Seinen ersten Lauf beschrieb er wie eine Fahrt durch dichten Nebel. „Oben bis zur ersten Zwischenzeit war es ganz normal. Dann ist es immer mehr und mehr geworden, und herunten habe ich mir wirklich gedacht, ich finde das Tor nicht“, erzählte er. „Ich habe nur gehofft, dass ich irgendwie durchkomme. Innerlich habe ich immer so überlegt: Soll ich die Brille jetzt hinunterreißen? Wie soll ich sie hinunterreißen? Ich habe ja Stöcke in der Hand.“

„Wie eine Taucherbrille“

Die äußeren Umstände seien auch nicht einfach gewesen, meinte Hirscher. „Die Feuchtigkeit steigt irrsinnig auf. Es hat viel geregnet, jetzt wird es kalt draußen. Ich schwitze wie ein Depp am Start“, erklärte der Weltcup-Titelverteidiger. Dazu habe er mit seinen gelaserten Augen einen Nachteil, da die nach der Operation etwas luftempfindlicher seien als davor. Er benutze daher komplett abgeklebte Brillen. „Das ist wie eine Taucherbrille. Wenn ich dann eine heiße Stirn habe, die feucht ist, und die Luft ist feucht, ist es grenzwertig.“

Slalom-Thriller in Schladming

Marcel Hirscher wurden schon die Ski gestohlen. Dann wäre er fast von einer Drohne erschlagen worden. In Schladming fuhr er im ersten Lauf mit einer beschlagenen Brille nur auf Platz 22. Am Ende wurde er aber noch Zweiter.

Nach Platz 22 im ersten Durchgang katapultierte sich Hirscher im zweiten mit Laufbestzeit noch auf Platz zwei. Vielleicht wäre sogar noch mehr möglich gewesen, wenn er seine Power im unteren Abschnitt nicht gedrosselt hätte. „Ich habe mir gedacht: Ui, das halte ich nicht aus bis ganz unten. Da habe ich etwas taktiert.“

Single in Ramsau

Die rot-weiß-roten Skifans haben nun drei Jahre keinen Weltcup-Heimsieg auf der Planai bejubeln dürfen - die längste Durststrecke seit Etablierung des Slaloms im Weltcup-Kalender in der Saison 1996/97. 2013 fand aufgrund der WM kein Rennen statt. Zuletzt hatte Hirscher 2012 gewonnen, er kürte sich im darauffolgenden Jahr auch zum Slalom-Weltmeister. Mit Kristoffersen gab es jedoch einen Quasi-Heimsieg, weil der schlaksige Norweger seine Zelte seit Kurzem unweit der Planai entfernt aufgeschlagen hat.

„Ich lebe jetzt fünf Minuten von hier in Ramsau. Das ist wie meine Heimat“, so der 21-Jährige, der von einem der besten Tage in seinem Leben sprach. Mit seiner Freundin werde er seinen Erfolg aber nicht feiern. Das sei nicht möglich, da er trotz gegenteiliger Informationen derzeit solo sei, klärte Kristoffersen auf. „Ich bin Single“, entgegnete er, als er auf TV-Bilder angesprochen wurde, die zwei blonde Frauen zeigten, wobei die jüngere als vermeintliche Partnerin der Slalom-Koryphäe ausgegeben wurde.

Slalom in Schladming

  • 1. Henrik Kristoffersen (NOR)
  • 2. Marcel Hirscher (AUT)
  • 3. Alexander Choroschilow (RUS)

Hirscher visiert Südkorea an

„Die Frau links ist meine Mutter, die schwangere Frau rechts die Freundin von Christian Mitter (Cheftrainer der norwegischen Ski-Herren, Anm.)“, stellte Kristoffersen klar. Er und auch Hirscher reisen nun nach Garmisch-Partenkirchen, wo am Sonntag seit Langem wieder einmal ein Riesentorlauf auf dem Programm steht. Zuletzt hatte Hirscher am 20. Dezember in Alta Badia vor dem Norweger gewonnen, der Bewerb in Adelboden am 9. Jänner wurde abgesagt. Danach steht für Hirscher die Reise nach Südkorea an.

„Es schaut zu 99 Prozent so aus“, verriet der 26-Jährige. Dabei gehe es nicht um die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2018, sondern um den Gesamtweltcup, den er nun vor dem verletzten Aksel Lund Svindal anführt. „Wenn es nur ums Einzelresultat gehen würde, wäre auch eine Sache wie heute nicht so schlimm. Aber so geht es um die Wurscht.“ Kristoffersen (871 Punkte) liegt als Dritter nur noch 98 Zähler hinter Hirscher (969).

Hinter den Erwartungen blieben in Schladming die mit großer Zuversicht ins Rennen gegangenen übrigen Österreicher. Mit einer Ausnahme: Marc Digruber fuhr mit Platz zehn sein zweitbestes Weltcup-Resultat nach Santa Caterina heraus, wo er Neunter war. Neben Digruber (25.) und Hirscher hatte nur noch Manuel Feller (24.) die Qualifikation für das Finale geschafft. Der „Kamikaze-Pilot“ schied dort zum dritten Mal in Folge aus.

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