Themenüberblick

„Emotionale Achterbahnfahrt“

Die sportliche Leitung des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) hat nach Schladming eine gemischte Bilanz der ersten Saisonhälfte im Herren-Weltcup gezogen. „Es war eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagte Hans Pum. „Es hat die vielen Stürze gegeben, aber dann wieder die großartigen Erfolge der Jungen.“

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Vor der Saison haben viele geglaubt, dass wir in den technischen Bewerben Slalom und Riesentorlauf abgesehen von Hirscher einen Hänger haben werden und dass die Abfahrtsmannschaft ganz stark sein wird“, erinnerte Pum. „Aber jetzt schaut es anders aus. Im Slalom haben wir den Anschluss viel schneller geschafft.“ Dem pflichtete ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel bei. „Wir haben damals schon gesagt, dass die Jungen gut sind und vorne mitfahren werden. Das ist passiert.“

ÖSV-Sportdirektor Hans Pum

APA/Georg Hochmuth

Sportdirektor Pum zollte den jungen ÖSV-Technikern Respekt

„Es ist erfreulich, wie engagiert und mit welchem Herz die jungen Slalom-Läufer fahren“, meinte Pum mit Blick auf Marco Schwarz, Manuel Feller, Christian Hirschbühl und Co. „Es kann passieren, dass der eine oder andere ausfällt, aber sie fahren superschnell Ski. Es ist ein Vorteil, dass die Gruppe sehr eng miteinander arbeitet, auch mit dem Marcel. Er ist das Zugpferd der Mannschaft, da können sich die Jungen viel abschauen. Es hat sich alles sehr positiv entwickelt.“

Stark dezimierte Mannschaften

Schmerzhaft seien die vielen verletzungsbedingten Ausfälle. Vor allem Anna Fenninger (Bänderrisse im Knie) und Matthias Mayer (Wirbelbrüche) haben große Lücken aufgerissen. Bei den Herren fielen zudem Georg Streitberger, Florian Scheiber, Thomas Mayrpeter, Daniel Danklmaier (alle Kreuzbandriss), Max Franz (Riss des Syndesmosebandes), Joachim Puchner (Patellasehnenverletzung) und Markus Dürager (Schien- und Wadenbeinbruch) aus, bei den Damen erwischte es auch Nicole Schmidhofer, Kerstin Nicolussi (beide Kreuzbandriss) und Elisabeth Kappaurer (Knorpelschaden).

„Wir haben leider schon reduzierte Mannschaften, vor allem in der Abfahrt. Da muss man sicher schauen, was die Ursachen sind“, sagte Schröcksnadel. Trotz der vielen Ausfälle „führen wir aber noch immer im Nationencup bei Damen und Herren. Da sieht man erst, wie breit wir aufgestellt sind. Ich bin überzeugt, dass die junge Truppe auch in Zukunft noch sehr stark unterwegs sein wird“, meinte Pum.

„Müssen genau analysieren“

Eine einzelne Ursache für die gehäuften Stürze und Verletzungen sei nicht auszumachen. „Wir müssen alles genau analysieren“, kündigte der 74-jährige Schröcksnadel an. „Wir sind auf einem sehr schmalen Grat zwischen unglaublichem Spektakel und gefährlich. Sicht, Tempo, Pistenverhältnisse - das ist es in Summe, was es schwierig macht“, erklärte Pum. Schröcksnadel ergänzte: „Eine Lösung ist, dass wir mit der Geschwindigkeit runtergehen.“

Dass die breite Öffentlichkeit durch Bilder wie jene aus Kitzbühel abgeschreckt wird, glaubt der Verbandschef nicht. „Brutale Stürze hat es auch früher gegeben. Aber die Medienlandschaft ist größer geworden. Wie man das transportiert, wie oft man das im Fernsehen wiederholt, spielt eine große Rolle.“ Überdramatisieren dürfe man nicht, meinte Schröcksnadel. „Ja, Skifahren ist gefährlich. Aber so gefährlich ist es auch wieder nicht. Wir haben viele Verletzungen, aber Gott sei Dank sind keine dabei, die ans Leben gehen. Das haben wir früher alles schon gehabt.“

Bremsen ist nicht verboten

Insofern habe die äußere Sicherheit - durch größere Sturzräume, Schutzsysteme wie Protektoren und die Airbag-Schutzweste - in der jüngeren Vergangenheit sogar zugenommen. „Wo man aber was tun muss, ist die innere Sicherheit, das Sicherheitsgefühl. Wenn die äußere Sicherheit höher wird, wird die subjektive Sicherheit geringer. Deshalb muss man mit der Schwierigkeit hinauf, damit sich die Läufer mehr konzentrieren. Und ich finde, Hannes Trinkl (FIS-Renndirektor, Anm.) ist da auf dem richtigen Weg.“

„Wenn ich merke, dass es gefährlich ist, muss ich zurücknehmen“, appellierte Schröcksnadel an die Athleten. „Es ist auch in der Abfahrt nicht verboten zu bremsen. Aber es bremst natürlich niemand, weil alle gewinnen wollen." Der Internationale Skiverband (FIS) zieht schon am kommenden Wochenende in Garmisch Konsequenzen aus den Stürzen bei schlechter Bodensicht in Kitzbühel. Man werde „den tiefsten Punkt der Kompression mit einer anderen Farbe markieren“, kündigte Trinkl an.

Links: