Ansprechpartnerin für Skidamen
Petra Kronberger hat trotz ihrer ungewöhnlich kurzen aktiven Karriere einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Nach rund 20-jähriger Absenz kehrte die Salzburgerin zunächst als Mitglied des Organisationskomitees der WM 2013 in Schladming kurz in den Skizirkus zurück, im November des vergangenen Jahres engagierte sie ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel schließlich als Frauenbeauftragte des heimischen Skiverbandes.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Als Kronberger Ende 1992 im Alter von 23 Jahren ihre Ski in die Ecke stellte, hatte sie in knapp fünf Jahren vieles erreicht, wovon andere träumen: Die Salzburgerin eroberte nicht nur dreimal in Folge den Gesamtweltcup, zweimal Olympia- und einmal WM-Gold, sie war außerdem die erste Läuferin überhaupt, der Siege in allen Disziplinen gelangen. Und sie wurde dreimal zu Österreichs Sportlerin des Jahres gekürt.

GEPA/Witters/Valeria Witters
Bei der Heim-WM in Saalbach-Hinterglemm 1991 eroberte Kronberger Gold in der Abfahrt
Schröcksnadels „revolutionäre“ Idee
„Ich bin damals sehr schnell sehr erfolgreich gewesen und habe alles gewonnen“, blickte Kronberger im Gespräch mit ORF.at zurück. „Für einen so jungen Menschen wie mich war das einfach kaum mehr zu bewältigen. Irgendwann war es dann genug. Im Nachhinein betrachtet war das aber total okay. Es ist wunderbar, dass ich so viel erreicht habe, und dann war es einfach an der Zeit“ erläuterte sie die Gründe für ihre damalige Entscheidung, ihre aktive Laufbahn auf dem Höhepunkt zu beenden.
Kronberger betonte, dass der Druck auf die Sportlerinnen auch heutzutage noch immens sei: „Was das Emotionale betrifft und die Anspannung vor dem Rennen - das ist natürlich immer gleich.“ Zugleich sei aber das Umfeld professioneller, die Betreuung der Athletinnen umfassender und intensiver als damals. Auch eine Frauenbeauftragte innerhalb des ÖSV gibt es erst seit November des Vorjahres - eine „revolutionäre“ Idee, wie Kronberger es formuliert.
Allein ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel sei es zu verdanken, dass dieser Posten ins Leben gerufen wurde. „Ihm war das wirklich ein Anliegen“, erklärt Kronberger. „Er hebt damit die Wertschätzung gegenüber den Damen im Verband.“
„Er hat ein gutes Verständnis für Frauen“
Im vergangenen Jahr hatte Schröcksnadel mit eher weniger feministischen Aussagen für Aufsehen gesorgt. Die Sprache der Frau sei eine andere als die des Mannes, hatte der Tiroler etwa im Rahmen des Disputs mit Anna Fenninger im Vorjahr behauptet. „Ich glaube, er hat ein gutes Verständnis für Frauen, denn sonst hätte er diese Stelle nicht durchgesetzt“, betonte Kronberger. „Man kann sich gut mit ihm unterhalten. Man sollte sich nicht zu sehr über diverse Sager auslassen und sich kein vorschnelles Urteil bilden.“

GEPA/Felix Roittner
ÖSV-Präsident Schröcksnadel überreicht Petra Kronberger den Leonidas 2012
Auch die umstrittenen „Schminktipps“ für die ÖSV-Läuferinnen sorgten in der Öffentlichkeit für einige mediale Reaktionen. „Das mit der ‚Schminkberatung‘ - ja, da haben wir alle dazugelernt. Da sind ein paar Dinge unglücklich zusammengetroffen“, räumte Kronberger ein. „Generell halte ich das aber für eine tolle Aktion und ein super Angebot, das von den jungen Frauen auch sehr gut angenommen wird. Es gehört einfach mit zur Professionalität dazu.“
Steter Tropfen höhlt den Stein
Genauso entspannt, wie sie mit der männerdominierten ÖSV-Struktur umgeht, möchte die Salzburgerin auch ihren neuen Job anlegen. „Wir als Frauen sollten uns stärken und die Möglichkeiten nützen, unsere weiblichen Qualitäten einzubringen. Je stärker wir formulieren, wie es uns geht und was wir brauchen, damit es uns gutgeht, desto eher werden - in langsamen Schritten - auch die Männer sensibler mit gewissen Themen umgehen.“
Dank ihren eigenen Erfahrungen aus dem Rennsportleben hat der ÖSV mit Kronberger wohl die Richtige für diesen „sensiblen“ Bereich, wie sie es selbst ausdrückt, engagiert. „Ich möchte die Frauen mit ihren Anliegen unterstützen. Mir ist es lieber, wenn es langsamer geht, dafür aber nachhaltig. Es gibt eben Dinge, die können Männer besser, und es gibt Dinge, die können Frauen besser. Es ist ja schön, wenn man sich da ergänzen kann.“
Linda Ellerich, ORF.at
Link: