„Gute Gespräche“ mit Schröcksnadel
ORF.at hat mit Petra Kronberger nicht nur über ihre neue Aufgabe als Frauenbeauftragte des ÖSV gesprochen, sondern auch über ihre Zusammenarbeit mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Im Interview erklärte die 47-jährige Salzburgerin aber auch, wie sich der Skisport in den vergangenen Jahren veränderte und warum ihr vor mehr als 20 Jahren der Rummel um ihre Person schlussendlich zu viel geworden war.
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ORF.at: Wie sieht Ihr Aufgabengebiet als Frauenbeauftragte des ÖSV aus?
Kronberger: Derzeit kann ich nicht so ins Detail gehen, weil ich mir von dem Ganzen noch ein Bild mache. Es ist ein Stadium des Kennenlernens der Athletinnen und der Teams von Nachwuchs, Europacup und Weltcup. Das ist ein sehr großer und komplexer Bereich - auch, wie die Abläufe funktionieren.
Es gibt zwei Ebenen: Das eine ist das Persönliche. Da braucht es sehr viel Vertrauen zwischen der Athletin, mir und dem Trainer oder dem Servicemann zum Beispiel. Da muss man erst schauen, wie sich das entwickelt. Es geht auch darum, dass ich dazwischengeschaltet werde und man sich gemeinsam um eine Lösung bemüht, wenn man einmal ein Thema nicht direkt mit jemandem besprechen kann.
Das Zweite ist die praktische Seite: Wenn zum Beispiel Fragen zur Ausbildung auftauchen - also: Was kann ich neben meinem Beruf noch machen? Und natürlich auch das Thema soziale Absicherung, das auch ein Teil der Unterstützung und der Bewusstmachung ist.
ORF.at: Sind Sie da ausschließlich für die Läuferinnen zuständig oder kommen auch männliche Athleten mit diesen Anliegen zu Ihnen?
Kronberger: Ich bin zuständig für die Frauen.
ORF.at: Warum gibt es diese „Schnittstelle“ erst jetzt? Ist der Posten aus Anlass der „Causa Fenninger“ geschaffen worden oder hat das damit nichts zu tun? Was war der Auslöser?
Kronberger: Das war ungefähr schon ein Jahr vor der Sache mit Anna Fenninger ein Thema. Peter Schröcksnadel war das wirklich ein Anliegen, dass so eine Position geschaffen wird. Aber es hat noch ein bisschen gebraucht, zu schauen, wie man das am besten angeht und wie man in das Thema einsteigt. Man kommt da hinein in ein sehr eingespieltes System, und da braucht es eine behutsame Herangehensweise, damit man wirklich akzeptiert wird.
ORF.at: Warum wurden Sie für den Posten der Frauenbeauftragten ausgewählt? Ist es, weil Sie selbst sportlich so erfolgreich waren und eine Art Grundrespekt genießen, oder ging es da eher um Ihre bekannt ruhige und besonnene Art?
Kronberger: Den genauen Grund kenne ich nicht. Ich war sehr lange weg, 19 Jahre komplett weg vom Skisport. Und dann habe ich das Glück und die Möglichkeit gehabt, im Organisationskomitee für die WM in Schladming 2013 im Bereich Kultur und Zeremonien mitzuarbeiten. Dadurch habe ich stärkeren Kontakt mit Peter Schröcksnadel gehabt. Er hat meine Arbeitsweise kennengelernt und auch mein Wesen. Das war sicher die Basis.

GEPA/Erwin Scheriau
Für die WM 2013 in Schladming gab Kronberger ihr „Comeback“ im ÖSV
ORF.at: Wie verstehen Sie sich mit Peter Schröcksnadel?
Kronberger: Wir haben gute Gespräche geführt, im Zuge derer ich das Gefühl hatte: Ja, der Mensch versteht mich, es kommt an, was man sagt. Aber er hat natürlich auch seine Ideen und seine Meinung, und da hat es auch öfter schon Diskussionen gegeben. Das finde ich gut, denn nur so kann etwas entstehen und man kann etwas dabei lernen. Wir haben manchmal unterschiedliche Ansichten, und das ist auch okay.
ORF.at: In der Öffentlichkeit kommt der ÖSV-Präsident streitbar rüber, seine Aussagen wirken oft polemisch. Ist es, gerade was Frauenthemen betrifft, schwierig, mit ihm zusammenzuarbeiten?
Kronberger: Man kann sich gut mit ihm unterhalten. Ich glaube, er hat ein gutes Verständnis für Frauen, denn sonst hätte er diese Stelle, die ja doch revolutionär ist, nicht durchgesetzt. Er hebt damit die Wertschätzung gegenüber den Damen im Österreichischen Skiverband. Man sollte sich nicht zu sehr über diverse Sager auslassen und sich kein vorschnelles Urteil bilden.
ORF.at: Fällt in Ihren Aufgabenbereich auch die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, um eben solche Missverständnisse wie zum Beispiel bei der Aktion mit den „Schminktipps“ zu verhindern?
Kronberger: Es geht in erster Linie um die Athletinnen und ihr Umfeld, nicht um mich. Das mit der „Schminkberatung“ - ja, da haben wir alle dazugelernt. Da sind ein paar Dinge unglücklich zusammengetroffen. Generell halte ich das für eine tolle Aktion und ein super Angebot, das von den jungen Frauen auch sehr gut angenommen wird. Es gehört einfach mit zur Professionalität, und es wird niemand dazu gezwungen.
ORF.at: Was könnten konkrete Probleme sein, mit denen eine Läuferin zu Ihnen kommt? Wo sehen Sie die Brennpunkte?
Kronberger: Ich verstehe, dass Sie das gerne wissen möchten, aber das ist ein so sensibler Bereich, das trage ich nicht in die Öffentlichkeit.
ORF.at: Sind die Läuferinnen glücklich mit der Schaffung dieses Postens im Allgemeinen und mit Ihrer Person im Speziellen?
Kronberger: Da müssen Sie die Athletinnen selbst fragen (lacht). Ich denke, im Großen und Ganzen wird es ganz gut angenommen.
ORF.at: Sind Sie selbst glücklich damit?
Kronberger: Ja. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Job bekommen habe. Es ist total spannend, herausfordernd und sehr interessant. Man hat so viel mit vielen verschiedenen Menschen zu tun auf allen Ebenen.
ORF.at: Gibt es etwas, das Sie persönlich gerne im ÖSV verändern würden?
Kronberger: Wir denken immer wieder nach, was wir besser machen könnten. Veränderungen wird es immer geben. Ich habe Ideen und meine Gedanken, und die werden besprochen, und dann gehen wir gemeinsam Schritt für Schritt weiter.
ORF.at: Wird im Frauenskisport auf andere Dinge Wert gelegt als bei den Männern? Wird mit zweierlei Maß gemessen?
Kronberger: Wir als Frauen sollten uns stärken und die Möglichkeiten nützen, unser Frausein und unsere weiblichen Qualitäten einzubringen, damit sich das immer besser ausgleicht. Je stärker wir formulieren, wie es uns geht und was wir brauchen, damit es uns gutgeht, desto eher werden - in langsamen Schritten - auch die Männer hoffentlich hellhörig werden und sensibler mit gewissen Themen umgehen.
ORF.at: Wie sehen Sie den Stellenwert des Frauensports? Ist da eine Gleichstellung mit den Männern erreicht?
Kronberger: Ich persönlich schaue mir die Damen-Rennen genauso gerne an wie die Herren-Rennen. Ich mache mir da aber auch nichts vor, dass die Herren wahrscheinlich noch mehr Massen anziehen. Allerdings finde ich, dass es bei den Damen ganz tolle Persönlichkeiten gibt. Das sollte man nicht vergessen. Wir Frauen bringen zwar nicht die gleiche Kraft auf die Ski wie die Männer, aber die Schwünge und die Rennen sind einfach toll anzuschauen - auch bei den Frauen.
ORF.at: Wie ist die Situation beim Preisgeld?
Kronberger: Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich da zu wenig auskenne. Beim Herren-Slalom in Schladming wird aber das gleiche Preisgeld ausgeschüttet wie beim Damen-Slalom in Flachau. Da dürfte es ganz gut passen.
ORF.at: Sind Ausnahmeathletinnen wie Anna Fenninger und Lindsey Vonn wichtig für den Skisport oder ist deren Dominanz für den Spannungsfaktor eher abträglich?
Kronberger: Es ist gut und wichtig, dass es solche Persönlichkeiten gibt, die ihre speziellen Geschichten schreiben. Das muss man aber auch erst aushalten, so im Rampenlicht zu stehen. Man muss ja damit rechnen, dass das auch irgendwann einmal zu Ende geht. Es ist eine große Herausforderung, über einen so langen Zeitraum mit dem Druck umzugehen.
ORF.at: Wie war das in Ihrer eigenen Karriere? Sie haben ja selbst sehr früh Ihre aktive Laufbahn beendet. War Ihnen der Trubel damals auch zu viel?
Kronberger: Ja. Ich bin damals sehr schnell sehr erfolgreich gewesen und habe mit 23 Jahren alles gewonnen, was Titel betrifft: Olympiasiegerin, Weltmeisterin, dreifache Gesamtweltcup-Siegerin, erste Frau mit Weltcup-Siegen in allen Disziplinen. Da ist schon einiges zusammengekommen in drei Jahren, da ist damals alles aufgegangen. Für einen so jungen Menschen wie mich war das einfach kaum mehr zu bewältigen. Damals gab es auch noch keine Pressesprecher. Es war für mich oft schwierig zu entscheiden, wozu ich Ja und Nein sage.
Damals ist letztendlich fast alles an mir selbst hängen geblieben, und das hat mich völlig überfordert. Ich habe zwar meine Eltern im Hintergrund gehabt, Trainer und einen Manager, aber die waren auch nicht immer zur Stelle. Irgendwann war es dann genug. Im Nachhinein betrachtet war das aber total okay. Es ist wunderbar, was ich alles erreicht habe, und dann war es einfach an der Zeit.
ORF.at: Wie hat sich der Sport in den letzten 20 Jahren verändert? War das ein Quantensprung?
Kronberger: Ja und nein. Das Material hat sich verändert, zu meiner Zeit gab es noch keine Carving-Ski. Die Rennen sind etwas mehr geworden. Die Pisten haben sich verändert, es wird heutzutage viel mehr auf Kunstschnee gefahren, und auch die Pistenpräparierung selbst ist zum Teil noch härter geworden. Und natürlich gibt es heute Medienbetreuer. Da hat sich schon sehr viel getan.
Was das Emotionale betrifft und die Anspannung vor dem Rennen - das ist natürlich immer gleich. Man fährt noch immer um den Gesamtweltcup-Sieg, und fünf Disziplinen. Hinzugekommen sind die Parallelslaloms bei den City-Events.
ORF.at: Bezeichnen Sie sich selbst als Feministin oder sehen Sie das Thema Gleichberechtigung eher entspannt?
Kronberger: Ich müsste zuerst einmal googeln, was das Wort Feministin genau bedeutet (lacht). Ich will auf jeden Fall nicht gegen die Männer reden, das liegt mir total fern. Ich sehe das tatsächlich entspannter. Was z. B. das Gendern betrifft: Mir ist es lieber, wenn es langsamer geht, dafür aber nachhaltig.
Gleichberechtigung halte ich in vielen Bereichen für sinnvoll. Aber es gibt eben Dinge, die können Männer besser, und es gibt Dinge, die können Frauen besser. Das war schon immer so. Es ist ja schön, wenn man sich ergänzen kann.
Das Gespräch führte Linda Ellerich, ORF.at
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