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„Gibt keinen Grund auseinanderzugehen“

Marcel Koller soll Österreichs Nationalmannschaft zur WM 2018 in Russland führen. Mit dieser für das Team und seine Fans erfreulichen Nachricht hat die Spitze des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) am Dienstag die Kaderbekanntgabe für die ersten EM-Testspiele eröffnet. Der Vertrag mit dem Schweizer wurde bis Ende 2017 verlängert - bei einer WM-Teilnahme endet das Engagement nach dem Turnier.

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„Das ist wichtig, keine Frage“, lautete der erste Kommentar Kollers, nachdem ÖFB-Präsident Leo Windtner und Generalsekretär Alfred Ludwig die frohe Botschaft verkündet hatten. „Wir hatten immer gute Gespräche. Es geht darum, dass man sich findet. Dass es uns so früh gelungen ist, macht es leichter“, so der 55-jährige Eidgenosse. „Das lässt uns ruhig arbeiten und keine Fragen mehr offen. Jetzt können wir uns auf Fußball und die EM konzentrieren.“

Perspektive war entscheidend

Koller ist seit 1. November 2011 im Amt, verpasste mit der ÖFB-Auswahl zunächst die WM 2014 in Brasilien, führte sie zuletzt aber in souveräner Manier zum Gruppensieg in der EM-Quali und damit zur Endrunde in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli 2016). Anfragen anderer Clubs bzw. Nationen habe es durchaus gegeben, bestätigte der Teamchef im Rahmen der Pressekonferenz im Medienraum des Ernst-Happel-Stadions in Wien. Geld habe bei der Entscheidung natürlich eine Rolle gespielt, aber nicht die allein bestimmende.

Interview mit Marcel Koller

Teamchef Marcel Koller verlängerte seinen Vertrag mit dem ÖFB mindestens bis 2017, im Fall einer erfolgreichen WM-Qualifikation bis 2018.

„Die Perspektive“ war es laut Koller, die für ihn und seinen Manager Dino Lamberti den Ausschlag zugunsten des ÖFB gegeben hat. „Das Team hat die Möglichkeit, noch lange gut zu spielen - wenn alle fit sind und bereit, den Weg mitzugehen“, erklärte er. „Die Spieler, die die Qualität haben, auf diesem Level zu spielen, sind da. Auch der eine oder andere jüngere hat das entsprechende Talent, auch wenn er noch Erfahrung braucht.“ Von den Spielern, die sich öffentlich immer wieder für einen Verbleib Kollers aussprachen, habe er in den Verhandlungen keinen Druck verspürt. „Die kennen so etwas ja.“

„Wir haben etwas geschaffen, das uns verbindet“

Überhaupt empfand Koller den Druck bei dieser Verlängerung als geringer - vor allem was den Zeitrahmen betraf. „Ich fühle mich wohl in Österreich und beim ÖFB“, führte er seine Beweggründe aus, bis zur WM 2018 weitermachen zu wollen. „Wir haben etwas geschaffen, das uns verbindet. Es gibt für uns keinen Grund auseinanderzugehen.“ Im gleichen Atemzug gab Koller das Versprechen ab, nicht nachlässig zu werden. „Die Mannschaft ist nicht überaltert, aber wir müssen im Scouting aufmerksam bleiben. Wir sind auf Platz zehn der Weltrangliste, das ist für Österreich außergewöhnlich. Jetzt gehen wir den Weg erfolgreich weiter.“

Marcel Koller, Leo Windtner, Alfred Ludwig

GEPA/Christian Ort

Die ÖFB-Spitze hat die Weichen für die Zukunft des Nationalteams gestellt

Rund drei Monate vor dem ersten EM-Spiel der Österreicher am 14. Juni gegen Ungarn sprach er damit ÖFB-Boss Windtner aus der Seele. „Die letzten vier Jahre waren ein guter Weg für Österreichs Fußball“, sagte der sichtlich erleichterte Oberösterreicher nach dem „hart, aber fair“ verhandelten Vertragscoup. „Wir wollten damit Kontinuität sicherstellen und die EM-Vorbereitung unter eine klare Perspektive stellen, ohne Nebenschauplatz Teamchefdiskussion“, erläuterte Windtner. „Die Entscheidung entspricht auch dem klaren Wunsch der Teamspieler und wohl auch der Öffentlichkeit.“

Kompromiss für die Zukunft des Nationalteams

Die Gespräche mit Koller-Manager Lamberti waren laut Windtner „kein Kaffeekränzchen“, aber man sei zu einem fairen Kompromiss gekommen. Für Ludwig war es der wichtigste Vertrag, den man in den intensiven Monaten seit der erfolgreichen EM-Quali abschloss. „Weil er die Zukunft der Nationalmannschaft regelt“, so der langjährige Spitzenfunktionär. „Jetzt kann die Mannschaft bis zur EM in Ruhe arbeiten. Das war unser geheimer Wunsch, dass wir es noch vor dem ersten EM-Lehrgang schaffen. Ich hoffe, dass Marcel Koller noch viele Jahre bei uns bleibt.“

Harald Hofstetter, ORF.at

Marcel Koller im Porträt

Geboren: 11. November 1960 in Zürich

Erfolge als Spieler:
- Grasshoppers Zürich (1978 - 1996)
- Siebenmal Schweizer Meister
- Fünfmal Schweizer Pokalsieger
- 55-facher Nationalspieler, Teilnahme an der EM 1996

Trainerstationen:
- 1996/97 Kotrainer Grasshoppers Zürich
- 1997/98 Cheftrainer FC Wil
- 1999/2001 FC St. Gallen
- 2002/03 Grasshoppers Zürich
- 2003/04 1. FC Köln
- 2005/09 VfL Bochum
- Seit 2011 österreichischer Teamchef

ÖFB-Bilanz:
35 Spiele: 19 Siege, sieben Remis, neun Niederlagen, Torverhältnis 60:35

Erfolge als Trainer:
- Qualifikation für die EM 2016 mit Österreich als ungeschlagener Gruppensieger
- Platz zehn in der FIFA-Weltrangliste mit ÖFB-Team
- Zweimal Schweizer Meister: FC St. Gallen (2000), Grasshoppers Zürich (2003)
- Aufstieg mit Bochum in die erste deutsche Bundesliga (2006)

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