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„Wir könnten die Burschen schlagen“

In der Medaillenbilanz von Olympischen Sommerspielen geben die Männer aus österreichischer Sicht klar den Ton an. 18 von 89 Medaillen - Kunstbewerbe nicht eingerechnet - gewannen Frauen. 2016 in Rio de Janeiro gehören mit Lara Vadlau und Jolanta Ogar jedoch zwei Seglerinnen zu den heißesten Kandidaten auf Edelmetall. Nach Welt- und EM-Goldmedaillen soll in Brasilien nun die olympische Krönung folgen.

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Die Kombination, die seit dreieinhalb Jahren gemeinsam in einem 470er-Boot sitzt, ist so ungewöhnlich wie erfolgreich. Vadlau, 1994 im steirischen Feldbach geboren, ist die junge Wilde im Team. Ogar, die 1982 im polnischen Brzesko das Licht der Welt erblickte und nach längerer Volleyballkarriere erst spät zum Segelsport kam, ist der routinierte Ruhepol. „Sie ist das perfekte Puzzlestück für mich. Ich bin verrückt, und sie ist ruhiger. Sie erinnert mich oft an die einfachen Dinge, und daher arbeiten wir auch perfekt zusammen“, so Vadlau im Gespräch mit ORF.at.

Seit 2012 ein Team

Rio 2016 ist der zweite olympische Auftritt des Duos. Bereits 2012 in London waren Vadlau und Ogar dabei - damals allerdings noch als Konkurrentinnen. Steuerfrau Vadlau, damals erst 18 Jahre alt, sammelte mit Vorschoterin Eva-Maria Schimek als 20. wertvolle Erfahrung. Ogar ging es als Vorschoterin an der Seite von Agnieszka Skrzypulec mit Rang zwölf zwar besser, von den Medaillenrängen war sie aber ebenfalls weit entfernt.

Lara Vadlau und Jolanta Ogar jubeln über ihren WM-Sieg 2014 in der 470er-Klasse

APA/OESV/Domanski

2014 holten Vadlau (l.) und Ogar ihren ersten gemeinsamen WM-Titel

Nach den Spielen 2012 wurde aus der losen Bekanntschaft eine fixe Partnerschaft. Zuerst mussten dazu aber einige Hindernisse umschifft werden. Denn der Zusammenschluss der Österreicherin und der Polin wurde anfangs von außen kritisch beäugt. Ein Jahr bekam das Duo Zeit, sich zu beweisen. Zwei WM-, einen EM-Titel und eine Auszeichnung zu Österreichs Team des Jahres später waren auch die letzten Gegner der Allianz überzeugt. Seit 2014 ist Ogar zudem österreichische Staatsbürgerin.

Gegensätze als perfekte Symbiose

Das Geheimnis ihres Erfolgs sind ihre Gegensätze. „Es gibt Situationen, in denen man sich den Regeln entsprechend benehmen muss. Aber sie beugt sich nicht immer den Regeln, sondern fällt manchmal etwas aus dem Rahmen. Was für andere eine Charakterschwäche ist, wandelt sie in eine Stärke um. Sie ist ein klein wenig verrückt, und das ist eine gute Sache“, streicht Ogar die Vorzüge ihrer Steuerfrau Vadlau heraus.

Die sieht es ähnlich: „Ihre größte Stärke ist, das sie mit mir umgehen kann. Ich habe einen schwierigen Charakter und mache es anderen nicht immer leicht. Aber sie bleibt trotzdem bei mir, und das ist das Beste an ihr.“ Wie bei Yin und Yang ergibt sich im Boot daher die perfekte Symbiose und Ausgewogenheit. Selbst der Altersunterschied von zwölf Jahren spielt keine Rolle. „Der einzige Unterschied ist, dass Jolanta mehr Schlaf und mehr Ruhezeit braucht, weil sie doch älter ist“, so Vadlau mit Augenzwinkern.

Dabei war der erste Kontakt gar nicht harmonisch. Bei einer Regatta vor Palma de Mallorca protestierte Ogar erfolgreich gegen einen Regelverstoß ihrer damaligen Konkurrentin. Das ist aber Schnee von gestern. Mittlerweile sind die beiden Athletinnen gut befreundet. Das muss laut Vadlau auch so sein: „Es wird sonst sehr schwer. Denn man verbringt doch sehr viel Zeit zusammen, mehr als in jeder Ehe. Wir sind 350 Tage im Jahr zusammen, und da ist es kein Nachteil, wenn man sich gut versteht.“

„Unser Traum ist Gold“

Das fast schon blinde Verständnis im Boot schlug sich letztens auch mit der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft in Buenos Aires nieder. Ein großer Erfolg, zieht man die schwierigen Bedingungen in Argentinien (Ogar: „Es war sehr viel Gras im Wasser, du hattest Glück oder kein Glück“) und das Verletzungspech in der Vorbereitung in Betracht. Denn Vadlau riss sich sowohl 2014 als auch 2015 das Kreuzband im Knie. „Mittlerweile ist das fast schon Routine“, nimmt es Vadlau mit Galgenhumor.

Lara Vadlau und Jolanta Ogar mit einem Wegweiser nach Rio

GEPA/Christopher Kelemen

Der lange Weg nach Rio de Janeiro soll im August mit einer Medaille enden

Aller Rückschläge zum Trotz rechnen sich Vadlau/Ogar bei den Olympischen Spielen selbst zu den Favoritinnen. „Wenn wir so gut segeln wie immer, dann segeln wir mit Sicherheit um die Medaillen mit. Unser Traum ist natürlich Gold, aber bei Olympia ist jede Medaille sehr schön“, so Ogar. Die Erfahrungen von London helfen dabei: „Wenn man zum ersten Mal bei Olympia ist, weiß man nicht, wie sich das anfühlt. Jetzt wissen wir, dass das Rennen bei Olympia nicht mit einem normalen Rennen zu vergleichen ist.“

Keine Angst vor Männern

Olympische Goldmedaillen bekamen zuletzt 2008 in Peking Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher im Tornado umgehängt. Dass die mediale Öffentlichkeit Vadlau/Ogar Ähnliches zutraut und manche es von den beiden Powerfrauen sogar erwarten, stört das Duo nicht im geringsten. „Wir hatten schon von Beginn an immer Druck. Wir wollten und mussten allen beweisen, dass es richtig ist, dass wir zusammen segeln. Wir haben gelernt mit dem Druck umzugehen, es motiviert uns“, so Vadlau.

Sogar den direkten Vergleich mit männlicher Konkurrenz würden die beiden Frauen nicht scheuen. „Im Segeln spielt das nicht so eine Rolle. Wir könnten die Burschen leicht schlagen“, sagt Ogar. Nur bei starkem Wind hätten Männer laut Vadlau körperliche Vorteile. Aber: „Frauen haben aber andere Stärken, mit denen wir die körperlichen Nachteile ausgleichen können. Wir haben ein besseres Gefühl und denken manchmal anders.“ Trotzdem soll auch weiter nach Geschlechtern getrennt gesegelt werden. „Wenn man die Männer- und Frauen-Bewerbe zusammenlegen würde, würde das nur für große Unordnung sorgen“, so Ogar.

Karl Huber, ORF.at

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