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Zahlreiche Athleten bleiben ungeschoren
Das seit 1. Jänner 2016 auf der WADA-Verbotsliste stehende Herzmittel Meldonium führt laut Experten zu einer allgemeinen Leistungssteigerung. In diesem Jahr sind bereits 172 Sportler - vorwiegend aus Osteuropa - positiv auf Meldonium getestet worden. Einige davon hatten erklärt, sie hätten das nun verbotene Mittel zuletzt im Herbst 2015 eingenommen, als es noch erlaubt war.

APA/AFP/Jung Yeon-Je
Auch der fünffache Eisschnellauf-Weltmeister Pawel Kulischnikow würde von der Amnestie der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) profitieren
Da Meldonium laut lettischem Hersteller Grindeks noch „mehrere Monate“ nach der Einnahme im Körper nachgewiesen werden kann, entschloss sich die WADA diese Woche zur Teilamnestieregelung. Wie viele Sportler von dieser profitieren, wurde vorerst nicht bekannt. Meldonium-Doping kann im Falle eines Erstvergehens des betroffenen Sportlers mit einer Sperre bis zu vier Jahren sanktioniert werden.
Russland begrüßt Entscheidung
Russlands Sportminister Witali Mutko, der kürzlich von 40 russischen Meldonium-Fällen gesprochen hatte, begrüßte am Mittwoch die WADA-Entscheidung. Der fünffache Eisschnelllauf-Weltmeister Pawel Kulischnikow und der Short-Track-Olympiasieger Semen Elistratow profitieren laut Angaben des russischen Eislaufverbandes von der Teilamnestie.
Kritik von Anti-Doping-Experten
Anti-Doping-Experten wie Fritz Sörgel kritisierten hingegen die WADA-Entscheidung. „Diese Konzentration ist völlig willkürlich und eine späte Erkenntnis, dass man hier wieder mal gezeigt hat, dass man von Pharmakologie wenig versteht. Es gab schon seit einiger Zeit wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass die Substanz nicht lange im Körper bleibt“, sagte der Deutsche.
Demnach könne die Substanz je nach eingenommener Menge höchstens drei bis vier Tage nachgewiesen werden. Bei massenhafter Verwendung vielleicht einige Tage länger. Hinsichtlich dieser Abbauzeit von Meldonium war sich die WADA aber unsicher und führte nun den neuen Grenzwert für die zweimonatige Übergangszeit ein.
„Es ist keine Amnestie für Sportler oder Ähnliches“, sagte WADA-Chef Craig Reedie der Nachrichtenagentur AP. „Es ist vielmehr der Versuch, die vielen Fragen zu klären. Das Problem ist, dass unklar ist, wie lange das Präparat im menschlichen System bleibt.“
Hersteller will Streichung von Verbotsliste
Pharmahersteller Grindeks möchte derweil erreichen, dass Meldonium (Markenname Mildronat) wieder von der WADA-Verbotsliste gestrichen wird. „Wir hoffen, im Laufe dieses Jahres nachzuweisen, dass unser Mildronat nicht auf diese Liste muss“, sagte Grindeks-Vorstandschef Juris Bundulis vor Kurzem.