Katamaran kehrt in neuer Form zurück
Dass Frauen und Männer Teams bilden, kommt privat oft, im Profisport hingegen selten vor. Die olympische Segelregatta wird aber heuer in Rio de Janeiro um eine „gemischte“ Klasse erweitert. Im Nacra 17 sitzen die Geschlechter gemeinsam im Boot. Aus österreichischer Sicht sind das Tanja Frank und Thomas Zajac. Die historische „Mixtur“ soll die rot-weiß-rote Erfolgsserie im Katamaran fortsetzen.
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Mixed-Bewerbe waren bisher vor allem aus Ballsportarten wie Tennis bekannt. Ins Rampenlicht schafften es die gemischten Doppel aber meist nur, wenn etwa Jürgen Melzer mit seiner späteren Frau Iveta Benesowa in Wimbledon triumphierte oder eine ewig junge Martina Navratilova an der Seite des Inders Leander Paes mit weit über 40 noch der jüngeren Konkurrenz die Filzkugeln um die Ohren fetzte.
Spektakuläre Premiere
Segelteams traten bei Olympia bisher meist nach Geschlechtern getrennt auf. Nach den olympischen Spielen 2012 entschied man sich im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) dazu, die Nacra-17-Klasse als Nachfolgerin des nach 2008 eliminierten Tornados und damit wieder einen Katamaran ins Programm aufzunehmen. Die Crew muss aus einer Frau und einem Mann bestehen. Eine aus olympischer Sicht historische Vorgabe. „Das gab es vorher noch nicht“, so Frank im Gespräch mit ORF.at.

ÖOC/Domanski
Frank (im Vordergrund) und Zajac sind bei der Olympiapremiere dabei
Die 23-Jährige wechselte 2013 an die Seite ihres 30-jährigen Wiener Landsmanns Zajac in die gerade olympisch gewordene Klasse. Eine Klasse, die zu den spektakulärsten bei der Regatta in Rio zählen wird. „Ganz einfach, weil es die schnellste ist. Es ist sehr actionreich und bei viel Wind auch gefährlich. Wir fliegen richtig übers Wasser, das ist von außen sehr spektakulär zum Zuschauen“, macht Zajac Werbung für seine Disziplin.
Zwei Chefs in einem Boot
Zajac sitzt am Steuer des Nacra-17-Katamarans, Frank gibt die Vorschoterin. Eine ungewöhnliche Rollenverteilung. In anderen Booten haben meist die etwas zierlicheren Frauen das Steuer in der Hand, der Mann übernimmt die harte Arbeit. Kampf der Geschlechter gibt es im österreichischen Boot aber keinen. „Es gibt nicht wirklich eine Challenge. Wir haben dasselbe Ziel und arbeiten beide darauf hin“, so Frank.
Auch Zajac, der zehn Jahre lang mit Thomas Czajka in einem Tornado und dann in der 49er-Klasse segelte, bemerkt nicht viel Unterschiede zu einem reinen Männerboot. „Natürlich, wenn du dreckige Herrenwitze machst, lacht sie über manche mehr und manche weniger. Das ist vielleicht der größte Unterschied“, so der Wiener mit einem Augenzwinkern, „ansonsten, sind wir Athleten, und jeder gibt sein Bestes.“ Eines ist für Zajac aber dann doch anders: „Ich war in einem Team noch nie so organisiert.“

OeSV
Der Nacra-17-Katamaran fliegt bei hoher Geschwindigkeit über das Wasser
Die perfekte Organisation funktioniert auch ohne nominellen Chef auf dem Wasser. „Es sind so unterschiedliche Aufgaben auf einem Boot. Daher hat man keine Zeit zu schauen, was der andere macht“, so Frank. Ihr Partner sieht es ähnlich: „Wir segeln mit zwei Chefs. Sie ist der Chef ihrer Job-Description und ich von meiner, und beides läuft hoffentlich erfolgreich zusammen.“ Die Arbeit läuft fast automatisch ab. „Die nonverbale Kommunikation ist glaube ich nirgendwo höher. Es muss alles sehr schnell passieren, weil sehr vieles unvorhersehbar ist“, erklärt Zajac.
Revier kommt Duo entgegen
Trotz aller Unvorhersehbarkeiten wie Wind, Wellen und Konkurrenz läuft die bisherige Zusammenarbeit der beiden Chefs höchst erfolgreich. In der Weltrangliste war man sogar schon Erster. Zuletzt bei der Weltmeisterschaft vor Argentinien schrammten Zajac/Frank als Vierte nur knapp an Edelmetall vorbei. Die anfängliche Enttäuschung wich bald Zufriedenheit über die gute Leistung. Die Vorbereitung auf Rio passt. „Wir sind auf dem richtigen Weg Richtung Spiele“, so Zajac.
Das Segelrevier in Rio, wo einerseits in der zuletzt oft in die Negativschlagzeilen - Stichwort Müll - geratenen Bucht der Marina de Gloria und andererseits auf offener See vor dem berühmten Strand der Copacabana gesegelt wird, kennen die beiden dank mehrerer Trainingscamp schon wie ihre Westentasche. „Die Bedingungen sind total unterschiedlich. Drinnen hat man Flachwasser und mehr Strömung. Draußen gibt es mehr Wellengang und einfachere Strömung“, so Frank.
„Goldene“ Vorbilder
Bedingungen genau nach dem Geschmack des Duos. „Man muss einfach alles können, und das kommt uns glaube ich schon entgegen. Wir können in allen Bedingungen vorne mitfahren. Das ist nicht bei allen Teams so“, sagt die 23-jährige Wienerin. Eine aufgrund der Wasserqualität angeregte Verlegung der Segelbewerbe würden Frank und Zajac daher nicht unterstützen: „Wir haben jetzt zwei Jahre dort trainiert und uns vorbereitet. Das spielt eine große Rolle.“
Mit den Erfahrungswerten im Gepäck wollen Zajac/Frank beim Comeback einer Katamaran-Klasse dort anschließen, wo Österreichs Segler beim letzten Auftritt der schnellen Boote aufgehört haben. „Wir wollen schon um die Medaillen mitfahren“, steckt Zajac das Tiel für Rio ab. 2000 und 2004 holten Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher im Tornado jeweils olympisches Gold. Der Sieg in Athen vor mittlerweile zwölf Jahren ist der bisher letzte österreichische Olympiasieg überhaupt. In London war der rot-weiß-roten Abordnung Edelmetall nicht vergönnt gewesen.
Karl Huber, ORF.at
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