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„Mit dem Remis sind wir weiter dabei“

Österreichs Nationalteam hat am Samstag mit dem Glück des Tüchtigen ein 0:0 gegen Portugal geholt und damit die Chance auf den Einzug ins EM-Achtelfinale am Leben erhalten. Während Portugal-Coach Fernando Santos schwer enttäuscht war und von einem „nicht gerechtfertigten Ergebnis“ sprach, war man im ÖFB-Lager über die Nullnummer froh. „Mit dem Remis sind wir weiter dabei und haben ein Finale gegen Island“, sagte Marcel Koller.

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Grundsätzlich zeigte sich der Schweizer mit der Leistung zufrieden und sprach von einer Steigerung im Vergleich zum Auftakt gegen Ungarn. Vor allem bezüglich Einsatz, Leidenschaft und Wille zur Defensivarbeit hatte Koller damit recht. „Es gibt jetzt keinen, der da irgendwie abgefallen wäre, bei dem, was wir verrichten wollten. Jeder hat die ‚Drecksmeter‘, die ‚Schweinemeter‘, die keiner gerne absolviert, gemacht“, sagte der 55-Jährige über die Einstellung seiner Spieler, die sich mit Händen und Füßen wehrten.

Österreich holt Remis gegen Portugal

Das ÖFB-Team schaffte bei der EM in Frankreich ein 0:0 gegen Portugal und holte sich damit den ersten Punkt. Ein Weiterkommen ins Achtelfinale ist damit weiterhin möglich.

„Wir haben Korrekturen angebracht“

Was die spielerische Qualität und die Offensivleistung betrifft, war die Partie gegen Portugal allerdings ein Offenbarungseid. Nach einem guten Beginn und Bewegung nach vorne verflachte der Vorwärtsdrang des ÖFB-Teams immer mehr. Mit ein Grund dafür war die ausgegebene Taktik von Koller. Nach dem Motto „der Zweck heiligt die Mittel“ beschränkte sich das ÖFB-Team immer mehr auf die Defensive. „Wir haben Korrekturen angebracht und uns überlegt, wie wir spielen wollen. Das ist aufgegangen“, erklärte Koller.

Julian Baumgartlinger und Stefan Ilsanker (AUT) gegen Cristiano Ronaldo

APA/Robtert Jäger

Österreich blieb als erster Pflichtspielgegner Portugals seit 2014 ohne Gegentor

Grundsätzlich sei es wichtig gewesen, gegen Portugal einmal gut zu stehen und die eine oder andere Möglichkeit nach vorne zu haben, sagte Koller. Wobei der ÖFB-Paradigmenwechsel auch Portugal-Coach Santos überraschte. „Ich dachte eigentlich, dass Österreich mehr auf Ballbesitz aus sein und mehr angreifen wird. Sie haben auf Konter vertraut“, sagte der 61-Jährige, dessen Team trotz einiger Chancen und einem vergebenen Elfmeter von Cristiano Ronaldo erstmals in seiner Amtszeit in einem Pflichtspiel kein Tor erzielte.

Koller verteidigt Systemumstellung

So gesehen ein Erfolg für Österreich. Deshalb verteidigte Koller nach der Partie den Wechsel der Idee und des Systems - auch mit dem Hintergrund der personellen Umstellungen. „Es gibt auch andere Phasen in einer Mannschaft. Wir dürfen nicht mehr von der Quali träumen, das ist vorbei. Bei einer Endrunde gibt es keine schwachen Gegner mehr. Darauf gilt es zu reagieren. Wer ist in Form? Wie können wir über die Runde kommen? Mit diesem einen Punkt sind wir noch am Leben. Jetzt geht es weiter“, so der Schweizer.

Bezüglich der Moral in der Mannschaft ist für den Teamchef der eine hart erarbeitet Punkt gegen die Portugiesen wertvoll wie ein Sieg, erspart er sich doch, in den wenigen Tagen vor der Island-Partie am Mittwoch im Stade de France seine Spieler wieder aufzubauen. „Das schaut jetzt anders aus. Du brauchst Selbstvertrauen, um gut Fußball spielen zu können. Mit so einem Ergebnis gegen einen starken Gegner wie die Portugiesen kann man das Pflänzchen wieder aufbauen. Da wollen wir dranbleiben“, sagte Koller.

Heilfroh über Ronaldos vergebenen Elfer

Dass in vielen Aktionen weiter zu viel Hektik drinnen war, blieb aber auch ihm nicht verborgen. „Aber insgesamt war es ruhiger am Ball“, sagte Koller, der auch mit dem Spiel gegen Ronaldo zufrieden war. „Wir haben ihn gut zugestellt. Er hatte natürlich die eine oder andere Aktion, das ist normal bei so einem Weltklassespieler“, sagte Koller, der aber heilfroh war, dass der Superstar den Elfer an die Stange setzte. „Wenn er getroffen hätte, hätte das wohl unsere Heimreise bedeutet“, sagte der Teamchef.

Julian Baumgartlinger und Cristiano Ronaldo

APA/AFP/Martin Bureau

Ronaldo wurde von den Österreichern laut Koller „gut zugestellt“

Lob für Almer, Aufmunterung für Alaba

Aber nicht nur der Fehlschuss von Ronaldo, sondern auch die Galavorstellung von Robert Almer hielt Österreich im Turnier. „Er hat fantastisch gehalten und dazu beigetragen, dass wir mit einer Teamleistung dieses Unentschieden über die Runden gebracht haben“, sagte Koller, der auch für Alaba aufmunternde Worte hatte. „Dieser neuerliche Positionswechsel war schwer für ihn. Aus meiner Sicht hat er das auch sehr gut gemacht“, sagte der Teamchef, der auch darauf hinwies, dass es für Alaba und Martin Harnik schwer gewesen sei, sich richtig in Szene zu setzen.

Bezüglich der Defensivarbeit war Koller mit Alaba zufrieden. Dass er ihn in der 65. Minute auswechselte, worüber der ÖFB-Star ganz und gar nicht erfreut war, erklärte Koller nicht mit Alabas hoher Fehlpassquote, sondern mit dem immer höher werdenden Druck der Portugiesen. „Ich wollte dann noch einmal frische Luft reinbringen. Die Zeit, wo er drinnen war, hat er das gemacht, was er tun sollte“, sagte Koller, der zum Abschluss noch einmal darauf hinwies: „Wir haben noch ein drittes Spiel, nur das zählt.“

Christian Wagner, ORF.at, aus Paris

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