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Xhaka wird zum Schweizer Sargnagel

Polen darf nach einer Nervenschlacht seinen Traum vom EM-Titel noch eine Runde weiterträumen. Die Mannschaft rund um Torjäger Robert Lewandowski setzte sich am Samstag im Achtelfinale in Saint-Etienne gegen die Schweiz nach dem 1:1 nach 90 Minuten und Verlängerung mit 5:4 im Elfmeterschießen durch und löste damit das Ticket für die Runde der besten acht. Granit Xhaka wurde im Shoot-out zum Sargnagel für die Eidgenossen.

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Der Legionär von Borussia Mönchengladbach scheiterte im Stade Geoffroy Guichard als einziger Schütze vom Elfmeterpunkt und verlängerte die Durststrecke der Eidgenossen in K.-o.-Runden. Zuletzt gelang der Schweiz 1938 ein Sieg. Jakub Blaszczykowski (39.) hatte Polen in einer temporeichen und unterhaltsamen Partie vor der Pause in Führung gebracht, Xherdan Shaqiri gelang mit einem Fallrückzieher in der Schlussphase aber der verdiente Ausgleich (82.) für die Schweizer. Nach torloser Verlängerung hatten die Polen im Elfmeterschießen das bessere Ende für sich.

Traumtor von Shaqiri zum Ausgleich

Der Schweizer rettete per Fallrückzieher sein Team in die Verlängerung (82.) - das bisher schönste Tor im Turnier.

Vor dem Anpfiff war klar: Ein Team würde mit einem Sieg eine Premiere feiern. Denn weder die Schweiz noch Polen hatten jemals in einem EM-Viertelfinale einen Fuß auf den Platz gesetzt. Schon das Achtelfinale war für beide Nationen Neuland. Bisher war man bei einer EM immer schon nach der Vorrunde nach Hause gefahren bzw. wie beim Heimturnier vor vier Jahren tatenloser Zuschauer gewesen. Beide Teamchefs boten ihre stärksten Formationen auf. Gravierendste Änderung bei der Schweiz: Haris Seferovic ersetzte im Sturm den erst 19-jährigen Breel Embolo.

Milik vergibt polnischen Traumstart

Ein schnelles Tor war wohl der Wunsch beider Teams gewesen, keine 30 Sekunden war die Partie alt, und die Polen hätten es geschossen. Johan Djourou brachte seinen Goalie Yann Sommer mit einem missglückten Rückpass ordentlich in Bedrängnis, der Ball kam nach Nachsetzen von Robert Lewandowski zu Arkadiusz Milik, doch obwohl das Tor völlig frei war, hob der Stürmer die Kugel von der Strafraumgrenze über das Tor. Es war nicht der erste Sitzer, den Milik im Laufe des Turniers ausgelassen hatte.

Angestachelt von der Riesenchance erzeugten die Polen in den ersten Minuten mächtig Druck. Früh wurden die Schweizer in Ballbesitz attackiert, Chancen waren fast logisch. Ein Kopfball von Lewandowski (6.) fiel allerdings zu ungenau aus und genau in die Arme von Sommer. Mit typischer Gelassenheit überstanden die Schweizer jedoch diese Phase. Blerim Dzemaili nahm nach Stanglpass von Shaqiri erstmals das polnische Tor unter Beschuss - auch da hatte nicht viel gefehlt (10.).

Polen schlägt im Konter zu

Deutlich aktiver waren in dieser ersten Hälfte die Polen, die weiter deutlich offensiver agierten, ohne allerdings die eigene Abwehr komplett zu entblößen. Die Schweizer ließen sich nicht aus der Reserve locken und hielten den Gegner vom eigenen Tor weg. Gingen die Schweizer einmal in die Offensive dann wohl überlegt. Ungefährlich waren Marcel Kollers Landsleute auch nicht: Valon Behrami köpfelte den Ball aus guter Position über das polnische Tor (24.). Ähnlich ging es wenig später Grzegorz Krychowiak, als er völlig frei zum Kopfball kam (29.).

Die neutralen Zuschauer in Saint-Etienne mussten sich jedenfalls nicht giften, für diese muntere Partie Tickets ergattert zu haben. Und wer mit Polen sympathisierte, der durfte in der 39. Minute jubeln: Blaszczykowski versenkte die Kugel nach einer schönen Flanke von Kamil Grosicki per Flachschuss im Tor. Sommer war chancenlos. Ein Schlag ins Schweizer Gesicht: Denn kurz davor hatte Fabian Schär den Ball genau in die Arme von Lukasz Fabianski geköpfelt (34.), dann drehte der polnische Schlussmann einen guten Schuss von Dzemaili über die Latte (38.).

Blaszczykowski trifft zum 1:0

39. Minute: Jakub Blaszczykowski kommt nach einer Flanke allein im Strafraum zum Abschluss und tunnelt Sommer zum 1:0 für Polen.

Schweiz kämpft verbissen

Die Eidgenossen konnten es nach der Pause auch gar nicht erwarten, dass es weiterging. Lange vor den Polen waren die Schweizer wieder aus der Kabine. Angesichts des Spielstandes irgendwie logisch. Mit deutlich erhöhter Schlagzahl startete die Schweiz auch in die zweiten 45 Minuten. Bereits beim ersten Eckball nach nicht einmal einer Minute brannte im polnischen Strafraum der Hut. Die Polen konnten sich darauf konzentrieren, was schon beim Führungstreffer gelungen war: schnelle Konter.

Den Schweizer Fans versuchten ihre Mannschaft anzutreiben. „Hopp Schwiiz“, hallte es durch das Stade Geoffroy Guichard. Fast wäre ein Torschrei dazu gekommen, doch Shaqiri scheiterte mit einem Weitschuss an Goalie Fabianski (52.). Aber auch Sommer musste bei einem Schuss von Blaszczykowski eine Parade zeigen. Die Partie wurde zunehmend härter. Wie hart zeigte ein Einstieg von Schär gegen Lewandowski, bei dem der Pole einen unfreiwilligen Salto schlug. Dann schnitzte Artur Jedrzejczyk den Schweizer Kapitän Stephan Lichtsteiner um.

Traumtor bringt Ausgleich

Vladimir Petkovic stärkte die Offensive. Mit Embolo kam rund eine halbe Stunde vor Schluss ein zweiter Stürmer, Seferovic war als Solist gut aufgehoben gewesen. Der Schwung der Schweizer war aber da schon dahin, die polnische Abwehr hatte sich auf die Angriffsversuche eingestellt und machte dicht. Wenn, dann sorgten Flanken für die meiste Gefahr im polnischen Strafraum. Weil aus dem Spiel nichts lief, musste eine Standardsituation her, um Fabianski zu fordern. Bei einem Freistoß von Ricardo Rodriguez musste der Pole sein ganzes Können aufbieten, um den Ball aus dem Kreuzeck zu kratzen (73.).

Xherdan Shaqiri erzielt den Ausgleich

Reuters/Max Rossi

Shaqiris Flugeinlage hat gute Chancen auf das Tor des Turniers

Die Verzweiflung bei den Schweizern wurde immer größer, speziell nachdem Seferovic den Ball an die Querlatte schoss (79.). Doch nach dem Motto warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, hatte Shaqiri seinen großen Auftritt. Der Teamkollege von Marko Arnautovic bei Stoke City versenkte den Ball aus 16 Metern per Fallrückzieher im Netz (82.) - ein Traumtor. Auf den Tag genau vor zwei Jahren bei der WM hatte Shaqiri zuletzt in einem Turnier gegen Honduras getroffen. Damals gleich dreimal. Der 24-Jährige scheint ein Spezialist für den 25. Juni zu sein.

Xhaka versagen die Nerven

Weil in der regulären Spielzeit die Angst, die Partie noch zu verlieren, übermächtig wurde, mussten Überstunden her. Während es Polen vorsichtig und behutsam anging, versuchten die Schweizer weiter, die Partie zu entscheiden. In der 113. Minute hatte Eren Derdiyok aus kurzer Distanz auch die Entscheidung am Schädel, doch Fabianski wurde zum Retter in höchster Not. Kurz vor Ende der Verlängerung wurde es nochmals auf beiden Seiten heiß: Zuerst verstolperte abermals Derdiyok (118.), dann brachte Lukasz Piszczek die Kugel fast an Sommer vorbei (120.) - zumindest ein polnisches Tor wäre dem Spielverlauf nicht gerecht geworden.

Elfmeterschießen

Polen setzt sich im Elfmeterschießen gegen die Schweizer durch. Der Schweizer Granit Xhaka verschießt, Polens Spieler verwandeln sämtliche Elfer.

So musste die Entscheidung vom Elfmeterpunkt fallen. Beide Teamchefs schworen ihre Mannschaften auf die Nervenschlacht ein. Als einziger Schütze bestand Xhaka die Prüfung nicht. Der Legionär von Borussia Mönchengladbach jagte als zweiter Schütze den Ball am Tor vorbei und besiegelte damit das Aus der Schweizer. Denn die Polen ließen vom Elfmeterpunkt nichts anbrennen. Auch nicht Krychowiak, der als Letzter den Ball ins Kreuzeck jagte und Polen damit weiter im Rennen um den Titel hielt.

Karl Huber, ORF.at

Fußball-EM, Achtelfinale

Samstag:

Schweiz – Polen 1:1 n.V. - 4:5 i.E.

Saint-Etienne, Stade Geoffroy Guichard, 38.900 Zuschauer, SR Clattenburg (ENG)

Torfolge:
0:1 Blaszczykowski (39.)
1:1 Shaqiri (82.)

Elfmeterschießen (Schweiz beginnt):
1:0 – Lichtsteiner kompromisslos in die Mitte
1:1 – Lewandowski genau ins rechte Kreuzeck
1:1 – Xhaka schießt am linken Pfosten vorbei
1:2 – Milik trifft mit Glück, Sommer ist dran
2:2 – Shaqiri verlädt Fabianski und schiebt ein
2:3 – Glik wuchtig auf die linke Seite
3:3 – Schär souverän auf die rechte Seite
3:4 – Blaszczykowski locker nach rechts
4:4 – Rodriguez verlädt Fabianski und trifft
4:5 – Krychowiak ballert ins linke Kreuzeck

Schweiz: Sommer - Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez – Behrami (77./Fernandes), Xhaka - Shaqiri, Dzemaili (58./Embolo), Mehmedi (70./Derdiyok) - Seferovic

Polen: Fabianski - Piszczek, Glik, Pazdan, Jedrzejczyk - Blaszczykowski, Krychowiak, Maczynski (101./Jodlowiec), Grosicki (104./Peszko) - Milik, Lewandowski

Gelbe Karten: Schär, Djourou bzw. Jedrzejczyk, Pazdan

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