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Abwehrchef wird zum Sargnagel

Das EM-Märchen von Wales bei den Titelkämpfen in Frankreich geht dank nordirischer Schützenhilfe zumindest eine Runde weiter. Die Mannschaft rund um Superstar Gareth Bale setzte sich am Samstag im Achtelfinale im britischen Duell gegen Nordirland mit 1:0 durch und steht bei seiner ersten EM-Teilnahme damit im Viertelfinale. Gareth McAuley wurde mit einem Eigentor zum Matchwinner für Wales.

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Der Abwehrchef, der beim 2:0 gegen die Ukraine in der Gruppenphase noch den ersten EM-Sieg der Nordiren eingeleitet hatte, wurde diesmal im Parc des Princes von Paris in der 75. Minute zum Sargnagel für seine Mannschaft und bescherte Wales einen glücklichen Sieg. Die Waliser blieben in einem kampfbetonten Spiel vor 48.000 Zuschauern viel schuldig, verteidigten aber ihre stolze Serie gegen den britischen Bruder. Seit 1980 wartet Nordirland im direkten Duell auf einen Sieg. Im Viertelfinale trifft Wales auf Belgien.

McAuley schießt Wales zum Sieg

Unglücksrabe Gareth McAuley grätscht in der 75. Minute in eine Flanke von Superstar Gareth Bale und trifft ins eigene Tor.

Wortspiele zur „Brexit“-Entscheidung boten sich vor dem britischen Duell logischerweise an. Eine Abstimmung unter den Fans, wer die nächste europäische Gemeinschaft - jene der EM-Teilnehmer - hätte verlassen müssen, wäre wohl fifty-fifty ausgegangen. Also wurde doch lieber gespielt. Zumindest der nordirische Teamchef Michael O’Neill stellte etwas um. Kyle Lafferty - siebenfacher Torschütze in der Quali - kehrte in die Startelf zurück. Chris Coleman vertraute auf die gleichen elf Waliser wie beim 3:0 gegen Russland. Zum Drüberstreuen pfiff mit Martin Atkinson ein Engländer.

Kampf, Krampf und ein Abseitstor

Das erste Duell hatten die nordirischen Fans für sich entschieden. Mit ihrem kultigen Ohrwurm „Will Grigg’s on fire“ stellten sie die walisischen Anhänger vorerst in den Schatten. Der so oft und gerne Besungene saß übrigens wieder nur auf der Bank. Trotzdem begannen die Nordiren deutlich engagierter und klopften nach einem Konter auch das erste Mal bei Goalie Wayne Hennessey an. Der Waliser konnte einen Schuss von Stuart Dallas aus spitzem Winkel aber gerade noch abwehren (10.).

Schöner Konter der Nordiren (10.)

Stuart Dallas schließt einen schönen Konter der Nordiren mit einem Torschuss ab, Hennessey im Tor kann jedoch abwehren.

Die Geduld zahlte sich aus, nach einer Viertelstunde war der nordirische Schwung dahin. Und in der 19. Minute lag der Ball auch in deren Tor. Doch Aaron Ramsey und die walisischen Fans jubelten zu früh: Der Torschütze stand klar im Abseits. Es war eines der wenigen Highlights der ersten Hälfte. Ein anderes war ein Weitschuss von Jamie Ward, den Hennessey zur walisischen Erleichterung über die Querlatte drehte (22.). Ansonsten regierten Kampf und Krampf. Schiedsrichter Atkinson konnte sich nicht über zu wenig Arbeit beschweren.

Wales versuchte als vermeintlicher Favorit, den Ball zirkulieren zu lassen, und spitzte auf Lücken in der Abwehr. Alleine, es blieb beim Versuch, es fehlte die technische Finesse. Mit Fehlpässen machten sich die Waliser das Leben zusätzlich selbst schwer. Superstar Bale fand keinen Raum. Wales hatte in der ersten Hälfte zwar ein deutliches Übergewicht an Ballbesitz, die Nordiren, die mit viel Laufarbeit dagegen hielten, waren jedoch gefährlicher. Speziell mit Flanken sorgten sie für Unruhe im Strafraum der „Dragons“.

Bale scheitert mit Freistoß

Die zweite Hälfte begann so wie die erste: Mit deutlich aktiveren Nordiren, die weiter über die Seiten ihr Glück versuchten. Wales fiel weiter nicht viel ein, hatte aber doch die erste gefährliche Chance nach Wiederbeginn: Weil das Kurzpassspiel nicht funktionierte, probierte es Ramsey mit einem weiten Pass. Der fand zwar genau den Kopf von Sam Vokes, doch der Ball ging rechts am Tor vorbei (53.). Es war die einzige nennenswerte Aktion des Stürmers, der kurz darauf ausgewechselt wurde.

Freistoß Bale (57.)

57. Minute: Bale tritt zum Freistoß an und bereitet dem nordirischen Goalkeeper Probleme.

Von der Bank aus sah Vokes die erste Glanztat des gegnerischen Goalies Michael McGovern. Der 31-Jährige, der schon beim 0:1 gegen Deutschland eine Abfuhr verhindert hatte, entschärfte einen Freistoßhammer von Superstar Bale. Gegen die Slowakei und gegen England hatte der walisische Nationalheld noch aus ähnlicher Distanz getroffen. Wales übernahm in der Folge wieder die Kontrolle, richtig viel fiel gegen die nordirische Abwehrmauer allerdings nicht ein.

Nordirland schießt sich ins Knie

Je näher es dem Ende der 90 Minuten ging, umso mehr wurde das Duell so richtig britisch. „Kick and Rush“ dominierte auf beiden Seiten das Geschehen. Wie aus dem Nichts stand es dann doch 1:0 für Wales. Bale hatte zwar seine Beine im Spiel, doch den Tiefschlag versetzten sich die Nordiren in Form von McAuley selbst. Ausgerechnet der routinierte Abwehrchef bugsierte den Ball nach Bales Stanglpass ins eigene Tor (75.). Den nordirischen Fans blieb ihr Gegröle im Hals stecken.

In Rückstand musste Teamchef O’Neill reagieren. Mit Niall McGinn kam ein weiterer Stürmer. Er war neben Lafferty und dem schon zuvor eingewechselten Conor Washington bereits der dritte an vorderster Front. Nordirland versuchte noch einmal, alles nach vorne zu werfen, doch die Waliser ließen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. McAuley konnte seinen Fehler übrigens nicht wiedergutmachen. Der Verteidiger war sechs Minuten vor Schluss ausgewechselt worden. Aber nicht für Will Grigg. Die Kultfigur fuhr, ohne eine Minute gespielt zu haben, nach Hause.

Karl Huber, ORF.at

Fußball-EM, Achtelfinale

Samstag:

Wales - Nordirland 1:0 (0:0)

Paris, Parc des Princes, 48.000 Zuschauer, SR Atkinson (ENG)

Tor: McAuley (75./Eigentor)

Wales: Hennessey - Chester, A. Williams, Davies - Gunter, Allen, Ledley (63./J. Williams), Ramsey, Taylor - Bale, Vokes (55./Robson-Kanu)

Nordirland: McGovern - Hughes, McAuley (84./Magennis), Cathcart, J. Evans - J. Ward (69./Washington), Davis, C. Evans, Norwood (79./McGinn), Dallas – Lafferty

Gelbe Karten: Taylor, Ramsey bzw. Dallas, Davis

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