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Das Kollektiv setzt sich durch

Wales steht seit Freitag bei der EM 2016 in Frankreich als Überraschungssemifinalist fest. Im Stade Pierre Mauroy von Lille entzauberten die „Red Dragons“ vor 46.000 Zuschauern die als Titelanwärter gehandelten Belgier mit 3:1 (1:1). In einer abwechslungsreichen Partie brachte Radja Nainggolan Belgien mit einem sehenswerten Weitschuss 1:0 (13.) in Führung.

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Dann drehte das kompakte Kollektiv der Waliser mit Treffern von Ashley Williams (30.), Hal Robson-Kanu (55.) und dem kurz zuvor eingewechselten Sam Vokes (85.) noch die Partie und sicherte damit nicht nur den größten Erfolg in der Fußballgeschichte von Wales, sondern auch das Semifinale gegen Portugal am Mittwoch (21.00 Uhr, live in ORF eins und im Euro-Liveticker mit Livestream) in Lyon.

Robson-Kanu stellt auf 2:1 (55.)

Hal Robson-Kanu lässt zwei Belgier mit einem Fersler aussteigen und bringt Wales mit 2:1 in Führung.

Der „kleine“ Lukaku gibt sein EM-Debüt

Belgien startete mit einer neu formierten Viererkette und zwei EM-Debütanten ins Viertelfinale gegen Wales. Die beiden 21-jährigen Verteidiger Jason Denayer und Jordan Lukaku kamen in Lille zu ihrem Debüt bei dem Turnier in Frankreich. Lukaku, jüngerer Brüder von Stürmer Romelu Lukaku, spielte für den verletzten Jan Vertonghen (Bänderriss) als linker Außenverteidiger. Denayer rückte für den gelbgesperrten Thomas Vermaelen in die Innenverteidigung. Kapitän Eden Hazard war nach seiner Oberschenkelzerrung rechtzeitig fit geworden.

Belgien marschiert

Belgien stürmte von Anfang an Richtung walisisches Tor und hatte in der siebenten Minute bereits eine Dreifachchance auf das 1:0. Aber Yannick Carrasco scheiterte ebenso mit seinem Schuss an Torhüter Wayne Hennessey oder einem walisischen Verteidiger wie Eden Hazard und Thomas Meunier. Aber es dauerte nicht lange, bis ein Schuss seinen Weg ins Netz fand. Und das gleich auf spektakuläre Art und Weise.

Nainggolan trifft zum 1:0 ins Kreuzeck (13.)

Nach einem Pass von Eden Hazard haut Radja Nainggolan aus 27 Metern Entfernung drauf und trifft genau ins Kreuzeck zum 1:0 für Belgien.

AS-Roma-Legionär Radja Nainggolan, der Mann mit dem schwer zu übersehenden Rosen-Tattoo am Hals, nahm nach Zuspiel von Eden Hazard völlig freistehend aus 27 Metern Maß und jagte den Ball unhaltbar für Hennessey zum 1:0 (13.) ins linke Kreuzeck. Der Crystal-Palace-Torhüter hatte zwar noch die Fingerspitzen am Ball, die hat er sich aber wohl bei der Härte des Schusses verbrannt. 109 km/h hatte der Schuss laut offizieller Messung.

Radja Nainggolan (Belgien) schießt ein Tor gegen Wales

APA/AP/Frank Augstein

Gegen den „Strich“ von Nainggolan kam Hennessey zu spät

Williams mit Köpfchen

Wales legte das Spiel eher rustikal an. In der 24. Minute zeigte der slowenische Referee Damir Skomina bereits die dritte Gelbe Karte für die Briten. Fußball spielen konnten sie allerdings auch. Bei einem Schuss von Neil Taylor zeigte aber Belgiens Schlussmann Thibaut Courtois auf der Linie sein Können. (26.). Doch vier Minuten später war es so weit.

Kapitän Ashley Williams legte nach einem Corner von Aaron Ramsey sein gesamtes Gewicht in einen Kopfball, der zum 1:1 (30.) für Wales ins Netz sauste. Hatte die umgestellte belgische Hintermannschaft bis dahin keine groben Fehleranfälligkeiten gezeigt, begann sie jetzt, Löcher zu bekommen. Gareth Bale, bisher dreifacher EM-Torschütze, prüfte Courtois nach einem Konter gleich noch einmal (34.).

Ashley Williams (Wales) schießt ein Kopfballtor gegen Belgien

APA/AP/Michael Sohn

Williams’ Kopfball zum 1:1 (30.) war ebenso wuchtig wie präzise

Robson-Kanu tanzt Belgien aus

Damit war auch der Faden im „Team der Hochbegabten“ gerissen. Die „Red Dragons“ waren in Fahrt gekommen, hatten bei ihren Angriffen erstaunlich viel Platz und dominierten das Geschehen. 65 Prozent Ballbesitz hatten die Waliser in der letzten Phase der ersten Hälfte. Zeit für Belgiens Coach Marc Wilmots umzustellen. Marouane Fellaini durfte anstelle von Carrasco sein Glück versuchen.

Romelu Lukaku vergab nach Meunier-Flanke auch prompt die erste gute Chance für Belgien wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff. Aber das Tor erzielten trotzdem wieder die Waliser. Und der Treffer nach Vorarbeit von Ramsey ging auf das Konto von Robson-Kanu. Der Ex-Stürmer vom englischen Zweitligisten Reading verschaffte sich mit dem Rücken zum Tor stehend gegen Meunier und Fellaini mit einer schönen Drehung Platz und netzte trocken zum 2:1 (55.) ein.

Umkämpfte Partie

Kurz darauf gab es die übliche Gelbe Karte für Fellaini. Der Mittelfeldakteur von Manchester United, der nicht dafür bekannt ist, auf dem Feld zimperlich zu agieren, ging ungestüm auf den am Boden knienden Bale los und rammte ihm seinen Unterarm ins Gesicht (60.). Der 1,94-Meter-Mann schien überhaupt nur auf dem Feld zu sein, um die Waliser das Fürchten zu lehren. Spielerisch kam von ihm bis dahin nichts.

In der 75. Minute leistete sich dann Ramsey ein unnötiges Handspiel im Mittelfeld, und die logische Gelbe Karte hatte für ihn Folgen. Der Offensiv-Turbo der Briten ist damit für das Halbfinale gegen Portugal gesperrt. Ein schwerer Verlust für Wales. Die Partie spielte sich fast nur noch in der Hälfte der Waliser ab. Wilmots hatte durch die Hereingabe von Dries Mertens für Jordan Lukaku die Offensive verstärkt. Bei Wales ersetzte Sam Vokes den Torschützen Robson-Kanu.

Vokes macht den Deckel drauf

Und es war ein Goldgriff von Wales-Coach Chris Coleman. Der Mann von Burnley stieg nach einer Maßflanke von Chris Gunter am Fünfer hoch und köpfelte überlegt ins lange Eck zur 3:1-Führung (85.) und damit zum sensationellen Einzug ins Semifinale ein.

Vokes per Kopf zum 3:1 für Wales (85.)

In die Drangperiode der Belgier spielt Wales einen Konter, den Sam Vokes nach einer herrlichen Flanke von Chris Gunter mit einem Tor abschließt.

„Sie haben Spieler auf dem Platz und auf der Bank, die für jedes Nationalteam eine Bereicherung wären. Aber in den vergangenen vier Jahren haben wir viermal gegen sie gespielt. Dabei haben wir einmal gewonnen und zweimal unentschieden gespielt. Es gibt also keinen Grund, Angst zu haben“, hatte Coleman vor dem Spiel erklärt - er sollte in beeindruckender Weise recht behalten.

Enttäuschte belgische Spieler und jubelnde Waliser

APA/AFP/Emmanuel Dunand

Belgien musste sich einer starken Mannschaft aus Wales geschlagen geben

Bei aller Freude über den erfrischenden Auftritt der Waliser gegen eine Mannschaft die von vielen immer nur als das „Team der Hochbegabten“ bezeichnet wird, ist doch der Semifinal-Einzug der Briten auch eine Warnung für das ÖFB-Team. In der im Herbst beginnenden WM-Qualifikation empfängt Österreich am 6. Oktober in Wien Wales.

Martin Wagner, ORF.at

Fußball-EM, Viertelfinale

Freitag:

Wales - Belgien 3:1 (1:1)

Lille, Stade Pierre Mauroy, 46.000, SR Skomina (SLO)

Torfolge:
0:1 (13.) Nainggolan
1:1 (31.) A. Williams
2:1 (55.) Robson-Kanu
3:1 (86.) Vokes

Wales: Hennessey - Gunter, Chester, A. Williams, Davies, Taylor - Allen, Ledley (78. King), Ramsey (90. Collins) - Bale, Robson-Kanu (80. Vokes)

Belgien: Courtois - Meunier, Alderweireld, Denayer, J. Lukaku (75. Mertens) - Witsel, Nainggolan - Carrasco (46. Fellaini), De Bruyne, Hazard - R. Lukaku (83. Batshuayi)

Gelbe Karten: Davies, Ramsey (beide im Halbfinale gesperrt), Chester, Gunter bzw. Fellaini, Alderweireld

Die Besten: Ramsey, A. Williams, Bale bzw. Nainggolan

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