Später Schock für Frankreich
Am 10. Juni hat die 15. Fußball-Europameisterschaft im Stade de France von Paris mit einem Sieg von Frankreich begonnen. Einen Monat später endeten die Titelkämpfe am Sonntag an gleicher Stelle im Finale mit einer 0:1-Niederlage von „Les Bleus“ nach Verlängerung gegen Portugal. In der 109. Minute sorgte der eingewechselte Eder mit einem Weitschuss für das „Goldene Tor“ und Portugals ersten EM-Titel.
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Nur 13 Minuten hatte Frankreich-Legionär Eder in diesem Turnier bis zum Finale gespielt, ehe er zum großen Helden für Portugal wurde. Dem Tor ging ein mitunter dramatisches Finale voran.
Eder schießt das 1:0 (109.)
Portugal ist erstmals Europameister. Die Portugiesen setzten sich in einem schwachen, aber dramatischen EM-Finale im Stade de France in Paris gegen Gastgeber Frankreich mit 1:0 in der Verlängerung durch.
Frankreich war spielbestimmend und drückte auf das 1:0, doch Portugal hielt wie schon in allen Partien davor mit viel Können und hoher taktischer Disziplin dagegen. Noch dazu musste die Elf von Fernando Santos ab der 25. Minute ohne ihren Superstar Cristiano Ronaldo auskommen, der nach einem Foul von Dimitri Payet nicht mehr weiterspielen konnte.
Europameister mit sechs Remis
Außerdem erwähnenswert: Portugal wurde in der Gruppe F mit Österreich mit drei Remis, darunter einem 0:0 gegen die ÖFB-Elf, nur Dritter. Doch dann begann der Weg zum Titel. Portugal setzte sich am Ende die EM-Krone mit sechs Remis nach der regulären Spielzeit auf. Lediglich im Semifinale gegen Wales gewannen Ronaldo und Co. nach 90 Minuten mit 2:0.
Portugals Spieler können zum ersten Mal die „Henri Delaunay“-Trophäe stemmen. Beim bisher einzigen Versuch bei der Heim-EM 2004 wurde Griechenland im Endspiel zum Spielverderber. Rund 300.000 Euro Prämie streichen Portugals Kicker außerdem für den Titel ein. Für die Franzosen wäre es der dritte EM-Titel der Geschichte nach 1984 und 2000 gewesen.
Falter flattern ins Bild
Nicht weniger als 51 Kameras hatte die UEFA für das Finale installiert. Zur Ausstattung gehörten unter anderem zwei Helikopterkameras, eine Spider-Cam, acht Slow-Motion-Kameras und vier High-Speed-Kameras. Diese fingen vor dem Anpfiff zunächst einmal lediglich die Hunderten Falter ein, die sich im Stadion breitgemacht hatten. Spieler, Betreuer und Offizielle versuchten, sich die Tiere vom Kopf zu wedeln.

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Die Abschlusszeremonie: DJ Guetta, Falter und Musiker sind gut gelaunt
Mit Besen entfernten Stadionmitarbeiter die Falter von den elektronischen Werbebanden und vom Feld. Eine Erklärung für die Mottenschwärme war, dass die Scheinwerfer des Stadions in der Nacht vor dem Endspiel an geblieben waren und damit die Insekten angelockt hatten. Noch einmal legte David Guetta bei der kurzen Abschlusszeremonie seine EM-Hymne „This one’s for you“ auf, und auch die Falter flatterten dabei munter mit. Bis zu 900 Euro kosteten die teuersten Karten für das EM-Finale, und die Fans wollten für ihr Geld etwas geboten bekommen.
Pepe wieder dabei
Sie sahen, dass Portugal wieder auf Abwehrchef Pepe zurückgreifen konnte. Der zuletzt am Oberschenkel verletzte Innenverteidiger von Real Madrid stand in der Startformation. Pepe kehrte anstelle seines Vertreters Bruno Alves in die Innenverteidigung zurück, der zuletzt gesperrte William Carvalho spielte statt Danilo Pereira im defensiven Mittelfeld.
Frankreich ging mit derselben Formation ins Finale, die Teamchef Didier Deschamps schon im Viertelfinale gegen Island (5:2) und im Halbfinale gegen Deutschland (2:0) aufgeboten hatte. Hinter Solospitze Olivier Giroud sollten im 4-2-3-1-System Topscorer Antoine Griezmann, Dimitri Payet und Moussa Sissoko für Akzente sorgen. Die Innenverteidigung bildeten erneut Laurent Koscielny und Samuel Umtiti.
Ronaldo fällt Attacke zum Opfer
Die Partie begann wie erwartet mit schwungvollen Angriffen der Franzosen, die noch vom 2:0-Halbfinalerfolg über Deutschland beflügelt zu sein schienen. Die beste Chance hatte Griezmann in der zehnten Minute. Sein gefühlvoller Kopfball wurde von Rui Patricio noch im Flug über die Latte gedreht.

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Ronaldo wurde von Frankreichs Payet aus dem Spiel genommen
„Les Bleus“ waren fast schon übermotiviert. Das musste auch Ronaldo erkennen, der von Dimitri Payet und dessen Knie zu Boden gebracht wurde. Ein Schreckensmoment für Portugal, den Schiedsrichter Mark Clattenburg übrigens nicht als Foul wertete. Der Starstürmer rappelte sich wieder auf, war aber sichtlich angeschlagen. In der 18. Minute bekam er am Spielfeldrand einen Verband verpasst und probierte weiter sein Glück. Doch es ging nicht.
Portugal verliert Ronaldo nach Foul
Portugal verliert Cristiano Ronaldo nach einem nicht gegebenen Foul durch Payet.
Unter Tränen wurde der Real-Madrid-Ausnahmekönner mit einer Trage vom Feld transportiert (25.). Das gesamte Stade de France spendete zwar Aufmunterungsapplaus, für die Portugiesen war das Drama um Ronaldo aber ein Umstand, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Für Ronaldo brachte Santos Ricardo Quaresma ins Spiel. Doch es war Österreichs Gruppengegner anzumerken, wie ungewohnt der Umstand war, ohne den Chef im Sturm agieren zu müssen.
Nur die Motten haben’s lustig
Frankreich presste den Gegner phasenweise in die Defensive, wagte sich ein Portugiese über die Mittellinie, wurde er umgehend von mindestens zwei Franzosen attackiert. In der Offensive war die „Equipe Tricolore“ weiter brandgefährlich. Sissoko, bis dahin mit Abstand dynamischster und bester Franzose auf dem Platz, zwang Patricio zu einer Abwehr in extremis (34.) - doch das 1:0 ließ weiter auf sich warten.
Sissoko knallt auf das Tor (34.)
Moussa Sissoko ist der auffälligste Spieler bei den Franzosen. Er knallt auf das Tor der Portugiesen, der Schuss fällt aber zu zentral aus.
Adrien nahm dann „Rache“ an Payet für dessen Ronaldo-Foul und sprang dem West-Ham-Legionär mit dem Knie voran in die Nieren. Dafür gab’s diesmal zumindest Gelb von Clattenburg. Payet konnte auch weiterspielen. Die flotten Motten hatten weiterhin einen bunten Abend im Stade de France. Sie waren überall zu finden. Ihnen war es egal, dass bis zur Halbzeit nichts mehr passierte und die Teams mit einem 0:0 in die Kabinen gingen.
Spannung fällt ab
Auch die ersten Minuten nach der Pause waren von einer Neutralisation beider Teams auf dem Feld geprägt. Payet, der außer dem Foul an Ronaldo nicht aufgefallen wäre, musste Kingsley Coman Platz machen (58.). Ein Platzstürmer war von den Sicherheitsleuten auch nach wenigen Metern gestoppt worden, und so nahm die Spannung auf dem Platz immer weiter ab.
Griezmann mit Kopfballchance (66.)
Kingsley Coman serviert Griezmann den Ball ideal auf den Kopf. Der Ball geht aber knapp über das Tor von Rui Patricio.
Für Aufregung sorgte dann wieder Griezmann. Nach Coman-Flanke strich sein Kopfball nicht weit über das Tor von Patricio (66.). In derselben Minute ersetzte Joao Moutinho im offensiven Mittelfeld der Portugiesen Adrien Silva. Das Spiel plätscherte weiter dahin. Girouds Schuss in der 76. Minute war eine Ausnahme in dieser Phase. Patricio war aber wieder zur Stelle. Giroud wurde kurz darauf gegen Andre-Pierre Gignac ausgetauscht.
Chancen, aber weiter kein Tor
Portugals Teamchef Santos versuchte seiner Mannschaft ebenfalls nochmals einen Impuls zu geben. Eder kam für Sanches (79.). Ein Wechsel, der Folgen haben sollte. Dann hatte auch einmal Portugal eine Möglichkeit auf das nun schon sehnlichst erwartete 1:0. Eine abgerissene Flanke von Nani von rechts senkte sich bedrohlich Richtung französisches Tor, aber Hugo Lloris streckte sich erfolgreich. Den abgeprallten Ball wollte Quaresma per Fallrückzieher im Tor unterbringen, aber Lloris ließ sich nicht überraschen.

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Quaresmas Fallrückzieher: spektakulär, aber wirkungslos
Die nächste Chance auf das 1:0 hatte wieder Frankreich. Sissokos Gewaltschuss parierte aber neuerlich Patricio, der sich mit seiner Finalleistung schön langsam für das Dream-Team des Turniers qualifizierte. Als sich die Verlängerung ankündigte, schrammte der eingewechselte Gignac nur knapp an der Unsterblichkeit vorbei. Er versetzte mit einem Haken auf engstem Raum Pepe, traf mit seinem Schuss vom Fünfer aber nur die Stange (90.+2).
Gignac trifft die Stange (90+2)
Andre-Pierre Gignac trifft nach einer schönen Einzelaktion nur die Stange.
„Meister“ Eder schlägt zu
Es war damit auch das sechste Remis von Portugal bei dieser EM nach 90 Minuten. Eine kuriose Statistik. Das letzte Finale mit Verlängerung fand 2000, ebenfalls mit französischer Beteiligung, statt. Damals hatte der eingewechselte David Trezeguet mit seinem Golden Goal in der 103. Minute „Les Bleus“ gegen Italien zum Titel geschossen.
Eder hatte in der 104. Minute die Chance auf ein Tor. Es wäre auch ein „Goldenes“ gewesen. Aber Lloris stand bei dem Kopfball genau richtig. In der 109. Minute überschlugen sich dann doch noch die Ereignisse. Zuerst knallte Raphael einen Freistoß aus über 20 Metern an die Unterkante der Querlatte, nachdem Clattenburg irrtümlich ein Handspiel von Laurent Koscielny gesehen hatte, das jedoch Eder begangen hatte.

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Eder und Kollegen in Euphorie, Griezmann in Schockstarre
Nur Sekunden später setzte sich Eder im Zweikampf gegen Koscielny durch, nahm sich ein Herz und zog aus 23 Metern staubtrocken ab. Sein Schuss flog ungehindert und für Lloris unerreichbar ins linke untere Eck - 1:0. Fußball-Frankreich und seine Anhänger waren entsetzt, Ronaldo und Portugals Fans wieder den Tränen nahe. Aber diesmal waren es Momente der Freude. Für Frankreich endete die Heim-EM hingegen mit einem finale Alptraum.
Martin Wagner, ORF.at
Fußball-EM, Finale
Sonntag:
Portugal - Frankreich 1:0 n.V. (0:0)
St. Denis, Stade de France, 75.868 Zuschauer, SR Clattenburg (ENG)
Tor: 1:0 (109.) Eder
Portugal: Rui Patricio - Cedric Soares, Pepe, Fonte, Raphael Guerreiro - William Carvalho - Renato Sanches (79./Eder), Adrien Silva (66./Joao Moutinho), Joao Mario - Nani, Ronaldo (25./Quaresma)
Frankreich: Lloris - Sagna, Koscielny, Umtiti, Evra - Pogba, Matuidi - Sissoko (110./Martial), Griezmann, Payet (58./Coman) - Giroud (78./Gignac)
Gelbe Karten: Cedric Soares, Joao Mario, Raphael Guerreiro, William Carvalho, Rui Patricio bzw. Umtiti, Matuidi, Koscielny
Die Besten: Rui Patricio, Joao Mario, Eder bzw. Sissoko, Coman
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