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Mit 37 Jahren weiter Publikumsliebling

Dank der Rückkehr der Motorrad-WM nach Spielberg „ordiniert“ nun auch der „Dottore“ wieder in Österreich. Altmeister Valentino Rossi ist mit 37 Jahren noch immer der unangefochtene Star in der MotoGP. Allein wegen ihm kommen am Wochenende Zehntausende Italiener zum Red Bull Ring. Auch die Rennstrecke in der Steiermark werden sie dann gelb einnebeln.

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Denn Gelb, das ist die Farbe, die zu Rossi gehört wie die von Papa Graziano übernommene Startnummer 46 auf seinen Rennmotorrädern. Valentino Rossi ist ein Phänomen. Seit über 20 Jahren mischt der Italiener an der Spitze der Zweirad-Weltmeisterschaft mit. Neun WM-Titel, 114 Siege auf 27 verschiedenen Rennstrecken und 215 Podestplätze in 339 Rennen hat er bereits zu Buche stehen. Da kommt keiner aus der aktuellen Konkurrenz mit.

Jede Menge Österreich-Bezug

1997 wurde der Mann aus Urbino, der eigentlich Fußballer hätte werden sollen, in der 125er-Klasse erstmals Champion. Rossi startete damals auch schon in Österreich. Beim Debüt der Zweirad-WM in Spielberg 1996 holte er als Dritter seinen ersten Podestplatz überhaupt, ein Jahr später verpasste er den Sieg in Österreich um nur vier Tausendstel, am Ende stand der erste Titel zu Buche.

Archivbild aus dem Jahr 1997 mit Valentino Rossi (ITA) und Noboru Ueda (JPN)

GEPA/Franz Pammer

Der blutjunge Rossi auf dem Spielberg-Podest 1996

Rossi hat also eine Menge Bezug zu Spielberg. Er ist der Einzige, der vor 20 Jahren hier schon dabei war, er kam auch jedes Mal auf das Podest. 1999 folgte Rossis Titel in der 250er-Klasse. Und nachdem sein rasanter Aufstieg 2001 mit dem ersten Titel in der Königsklasse, damals noch die 500er-Kategorie, gekrönt wurde, legte er erst so richtig los.

Ehrenbezeichnung „Il Dottore“

Sechs weitere Titel sicherte er sich in der ab 2002 MotoGP genannten Königsklasse auf Honda und Yamaha-Motorrädern. Mit seinen neun WM-Titeln und 114 GP-Siegen (88 in der Top-Kategorie) ist er der Pilot, der Allzeitgröße Giacomo Agostini (15 Titel/122 Siege/68 in der Top-Klasse) am nächsten kam. Und hätte der einzige WM-Pilot - der Titel in vier Klassen (125, 250, 500, MotoGP) holte und dem man deshalb in Italien die Ehrenbezeichnung „Il Dottore“ verpasste - nicht so sehr auf sein italienisches Herz gehört, wer weiß, ob er nicht noch erfolgreicher dastehen würde.

Die beiden Jahre beim italienischen Hersteller Ducati brachten ihm 2011 und 2012 zwar viel Sympathie ein, im Kampf um den Gesamtsieg war er aber mit dem brachial schnellen, jedoch insgesamt nicht wirklich titelfähigen Bike chancenlos. So stammt Rossis letzter Titelgewinn bereits aus 2009, im Folgejahr fiel er nach einem bösen Sturz und einem Beinbruch lange aus. Erst mit seiner Rückkehr zu Yamaha ab 2013 ging es mit „Vale“ wieder aufwärts, 2014 und 2015 wurde er jeweils Vizeweltmeister.

Nach Skandal mit Marquez ausgesöhnt

Am nächsten dran war er im Vorjahr, als er im emotionalen und von Skandalen begleiteten Saisonfinish an der spanischen Phalanx scheiterte. Rossi musste als Führender im letzten Saisonrennen vom letzten Platz aus starten, nachdem er zuvor Honda-Fahrer Marc Marquez in Malaysia vom Motorrad geschubst hatte. Rossi schaltete sogar den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ein, nach dessen abschlägigen Bescheid war er aber chancenlos. Der Titel ging in Valencia mit fünf Punkten Vorsprung an Marquez’ Landsmann Jorge Lorenzo, ein Yamaha-Teamkollege Rossis.

Nach vielen hässlichen Kommentaren söhnte sich Rossi mit Marquez mittlerweile aus. Am emotionalen, weil vom Tod Luis Saloms überschatteten Wochenende in Barcelona schüttelten einander die beiden Piloten auf dem Podium erstmals seit Langem wieder die Hände. Auch wenn die Spanier seit Jahren in der MotoGP tonangebend sind, ist der am 16. Februar 1979 geborene Rossi nach wie vor der große Publikumsliebling. In seiner Heimatstadt Tavullia sind offiziell „46 km/h“ als Höchstgeschwindigkeit erlaubt, bei den Fans ist er nach wie vor die Nummer eins.

Vollblutrennfahrer und Entertainer

Und er ist in Italien „heilig“ - nur nicht auf dem Finanzamt. Als man ihm 2007 nachwies, doch nicht steuergünstig in London zu leben, kaufte sich Rossi mit 35 Millionen Euro von den gewaltigen Steuerschulden frei. Rossis Beliebtheit beruht vor allem darauf, dass er Fans und Zuschauer mit seinem extrovertierten Verhalten, seinen Siegen, spektakulären Jubelposen, Motorradtricks und schauspielerischen Einlagen begeistert. Rossi ist mehrfacher Sportler des Jahres in Italien und trägt Spitznamen wie „Vale“, „Il Dottore“, „Valentinik“, „The GOAT“ (Greatest of all Times) und „Rossifumi“. Er ist mittlerweile sogar ein „echter“ Doktor, die Universität in Urbino verlieh ihm den Titel h.c. für Kommunikation.

Vor allem ist Rossi aber ein Vollblutrennfahrer. Auf seine private Dirtbike-Piste lädt er immer wieder Kollegen ein, um sich abseits der Öffentlichkeit mit ihm zu matchen. Er kam bei Ferrari-Formel-1-Testfahrten bis auf 1,5 Sekunden an die Zeit von Michael Schumacher heran, startete in einer Rallye und auch bei Langstreckenrennen. Seine große Liebe ist und bleibt aber die Zweiradszene. Wie lange er dort noch „ordiniert“, ist offen. Rossis aktueller Vertrag beim Yamaha-Werksteam läuft bis 2018, im Jahr darauf wird er 40.

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