Für Kontinentalvergleich bestens gerüstet
Die Ryder-Cup-Demütigung vor zwei Jahren ist zu viel für die US-Golfer gewesen. Nachdem die USA gegen Europa im schottischen Gleneagles zum dritten Mal nacheinander verloren, installierte der Verband eine Taskforce, hinterfragte alles und stellte das „vielleicht beste“ Team aller Zeiten auf, um von Freitag bis Sonntag in Chaska eine neuerliche Pleite im prestigeträchtigen Team-Bewerb zu verhindern.
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Mitglieder der Taskforce waren unter anderen Kapitän Davis Love III sowie die Superstars Phil Mickelson und Tiger Woods. Der Druck für die seit 2008 im Ryder Cup sieglosen Amerikaner ist im eigenen Land riesig. Die Kohlen aus dem Feuer holen soll ein regelrechtes Dream-Team.

Reuters/Toby Melville
Der prestigeträchtige Kontinentalvergleich ist immer ein Spektakel
US-Team mit Superstars
Angeführt vom Weltranglistenzweiten, Dustin Johnson, sowie Assen wie Jordan Spieth und Phil Mickelsen rücken die Gastgeber im Hazeltine National GC von Chaska mit einer Truppe an, die einen Weltranglistendurchschnitt von 16,3 hat und die Kapitän Love als die „vielleicht beste aller Zeiten“ bezeichnete. „In diesem Jahr haben wir das Gefühl, dass Kapitän Love uns so gut vorbereitet hat, dass wir gewinnen können“, sagte der 46 Jahre alte Mickelson vor seiner elften Teilnahme.
Das Team USA
Kapitän: Davis Love III
Spieler: Dustin Johnson (Zweiter der Weltrangliste), Jordan Spieth (Vierter), Patrick Reed (Achter), Rickie Fowler (Neunter), Phil Mickelson (15.), Jimmy Walker (16.), Matt Kuchar (17.), J. B. Holmes (21.), Brooks Koepka (22.), Brandt Snedecker (23.), Zach Johnson (28.), Ryan Moore (31.)
Die Amerikaner griffen sogar auf die Dienste des Ex-Weltranglistenersten Woods zurück. Der 14-fache Major-Sieger kann verletzungsbedingt nicht selbst mitspielen, der 40-Jährige wurde aber als einer von vier Vizekapitänen eingesetzt. Woods soll als „Taktiker“ ein Baustein des amerikanischen Ryder-Cup-Sieges vor Heimpublikum werden.
„Overkill“ in der Vorbereitung?
Für die generalstabsmäßig geplante Rückeroberung des Pokals ernteten die Amerikaner aber auch Spott. Jack Nicklaus etwa bezeichnet die Taskforce als „Overkill“ und der Engländer Lee Westwood das Engagement von Woods als „kontraproduktiv“. Schon in seiner aktiven Zeit habe keiner gerne mit dem egozentrischen Superstar zusammengearbeitet.
„Dass das Team USA gleich eine Taskforce benötigt, stärkt nur unser Selbstvertrauen“, so Westwood weiter. Selbst der ehemalige US-Kapitän Hal Sutton (2004) sah die Bemühungen als übertrieben an. „Die Europäer spielen einfach besser“, sagte er lapidar.
Das Team Europa
Kapitän: Darren Clarke (NIR)
Spieler: Rory McIlroy (NIR/Dritter der Weltrangliste), Henrik Stenson (SWE/Fünfter), Danny Willett (ENG/Zehnter), Justin Rose (ENG/Elfter), Sergio Garcia (ESP/Zwölfter), Rafa Cabrero-Bello (ESP/30.), Chris Wood (ENG/32.), Thomas Pieters (BEL/42.), Matthew Fitzpatrick (ENG/44.), Lee Westwood (ENG/46.), Martin Kaymann (GER/48.), Andy Sullivan (ENG/50.)
Sechs Debütanten im Europateam
Titelverteidiger Europa hingegen flog mit der Rekordzahl von gleich sechs Neulingen über den großen Teich und ist auf dem Papier nur Außenseiter. Die Europäer rund um Kapitän Darren Clarke setzen auch im Hazeltine National Golf Club wieder voll auf den Teamgeist. „Die Rookies haben super gespielt, sonst wären sie nicht dabei. Nur weil sie neu sind, spielen sie nicht schlechter. Ich sehe die vielen Neuen nicht als Nachteil“, sagte Routinier Martin Kaymer, der gemeinsam mit dem frischgebackenen FedEx-Sieger Rory McIlroy sowie Danny Willett und Justin Rose das junge Team führen soll.
In der geballten US-Offensive sieht der Deutsche keinen Grund zur Besorgnis. „Wenn die US-Amerikaner glauben, favorisiert zu sein, dann hat das schon seinen Grund. Sie haben den Heimvorteil und auf dem Papier sind wir der Underdog“, sagte Kaymer, der den Ryder-Cup-Pokal schon 2010, 2012 und 2014 gewann.
Selbstzerfleischung, Beleidigungen und Skandale
In die Karten spielen könnte den Europäern, dass beim Gegner offenbar die Nerven blankliegen. Es gab Diskussionen, warum Longhitter Bubba Watson nicht nominiert wurde, und der Weltranglistenzweite Johnson bat sogar öffentlich darum, nicht mit Mickelson spielen zu müssen.
Grund sei kein persönlicher Zwist mit dem erfahrensten US-Spieler, der 2016 als heimlicher „Playing Captain“ agiert. Dennoch führte Johnson damit seinen eigenen Kapitän Love förmlich vor. Hintergrund ist wohl die Erinnerung an einige peinliche Niederlagen, die vermeintlich unschlagbare US-Duos in der jüngeren Vergangenheit erlitten hatten.
Diesbezüglich betrieb das Team USA im Vorfeld fast schon Selbstzerfleischung. Mickelson etwa kritisierte in Hazeltine die Entscheidung, ihn 2004 in Oakland Hills spät mit Woods zusammengespannt zu haben. Viel schlimmer noch war aber ein Beitrag von Pete Willett, dem Bruder von Masters-Siegers Danny Willett.
Er hatte die Amerikaner unter anderem als „pummelige Kellerbewohner und Reizmittel“ bezeichnet und gefordert, die „ganzen widerlichen Väter mit ihren glänzenden Zähnen, Lego-Mann-Haaren sowie deren medizinisch behandelte Ex-Frauen samt raunzenden Kindern“ zum Schweigen zu bringen.
Danny Willett und Kapitän Clarke entschuldigten sich daraufhin entsetzt bei den Amerikanern. Für die jeweils rund 50.000 fanatischen Fans der USA, wo das prestigeträchtige Team-Event eine nationale Angelegenheit ist, stellt es nur einen weiteren Grund dar, den Europäern die Hölle heiß zu machen.
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