Abwehrfehler führen ins Verderben
Belgrad war für Österreichs Nationalteam keine Reise wert. Die Mannschaft von Teamchef Marcel Koller musste sich am Sonntag im Rajko-Mitic-Stadion in der WM-Qualifikation Serbien mit 2:3 (1:2) geschlagen geben. Für die Österreicher war es nach acht Auswärtssiegen in Qualispielen die erste Niederlage. Eine Reihe von Abwehrschnitzern führte diesmal ins Verderben.
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Statt den Ausrutscher der Waliser (1:1 gegen Georgien) zu nutzen, kassierten die Österreicher die erste Qualiniederlage in drei Jahren. Ein Doppelpack von Aleksandar Mitrovic (6., 23.) und ein Treffer des überragenden Dusan Tadic (74.) sicherten Serbien den zweiten Sieg in Folge. Österreich konnte durch Marcel Sabitzer (15.) und Marc Janko (62.) zwar so wie gegen Wales zweimal ausgleichen, doch diesmal reichte es aufgrund der Abwehrschwächen nicht zu einem Punktegewinn.

Reuters/Marko Djurica
Das ÖFB-Team konnte den Ausrutscher von Wales nicht nutzen
Almer muss passen
Spielt er oder spielt er nicht, lautete die große Frage aus österreichischer Sicht. Gemeint war Einsertorhüter Robert Almer. Die Antwort fiel leider negativ aus. Der Wadenmuskel des Austria-Schlussmannes machte nicht mit. Almers Leid war Ramazan Özcans Freud: Die nominelle Nummer zwei durfte erstmals in einem Pflichtspiel als Einser ans Werk. Die letzte halbe Stunde gegen Wales war Empfehlung genug. Über diverse Patzer in Testspielen musste man jetzt hinwegsehen. Ansonsten hielt Koller Wort: Es begann dieselbe Mannschaft wie gegen Wales.
Die gute Nachricht aus österreichischer Sicht: Die Stimmung im Stadion war weit von einem Hexenkessel entfernt. Wenn köchelte der höchstens. Denn wie aus serbischer Sicht befürchtet, blieben viele Plätze im Stadion frei. Das 3:0 in Moldawien hatte noch nicht zu einem Run auf die Tickets geführt. Rund 20.000 Fans - rund 300 davon österreichische - hatten den Weg ins Stadion gefunden. Weil sich der Herbst an diesem Sonntag in Belgrad von seiner schönsten Seite gezeigt hatte, waren viele potenzielle Besucher wohl doch lieber im Freien unterwegs, statt sich um Tickets anzustellen.
Sabitzer merzt schnellen Rückstand aus
Im Nachhinein werden es viele Serben bereut haben, nicht doch ins Stadion gekommen zu sein. Denn nach exakt 5:03 Minuten stand es 1:0 für die Gastgeber. Mitrovic, der eine Minute davor einen Kopfball danebengesetzt hatte, verwertete einen Querpass mustergültig zur schnellen Führung. Die österreichische Verteidigung war in dieser Situation nicht vorhanden. Schon auf Assistgeber Dusan Tadic hatte keiner aufgepasst. Bereits früh in der Partie mussten die Österreicher ihr Kämpfherz zeigen. Wie schon gegen Wales lief man einem Rückstand nach.
Mitrovic bringt Serbien früh in Führung (6.)
Nach schnellem Umschaltspiel der Serben legt Dusan Tadic auf Aleksandar Mitrovic ab, der lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen und schießt zum frühen Fühungstreffer ein.
Die ÖFB-Elf konterte auch prompt. Marko Arnautovic hatte den schnellen Ausgleich auf dem Fuß. Doch der Wiener mit serbischen Wurzeln jagte die Kugel aus aussichtsreicher Position in die Wolken (9.). Die Österreicher blieben aber weiter am Drücker und wurden in der 16. Minute belohnt. Diesmal agierte die serbische Abwehr patschert: Sabitzer sprang der Ball nach einer missglückten Abwehr von Stefan Mitrovic vor die Füße, und der Leipzig-Legionär sagte Danke. Der österreichische Fanblock durfte aufatmen, ein Serbe im Nachbarblock zündete aus Frust einmal einen Böller.
Sabitzer gleicht aus (15.)
Ein Zuspielversuch von Florian Klein landet mit etwas Glück vor den Füßen von Marcel Sabitzer. Der 22-Jährige bewahrt Ruhe und bringt den Ball sicher zum 1:1 im Tor unter.
Folgenschwere Abwehrfehler
Verdient war der Ausgleich allemal, denn Österreich bestimmte das Spielgeschehen. Serbien wartete nur auf den nächsten Überraschungseffekt, das hatte schon beim 1:0 hervorragend funktioniert. Für die rot-weiß-rote Hintermannschaft hieß es höllisch aufpassen. Offensiv schaute es gar nicht einmal so schlecht aus. Marc Janko hatte nach Flanke von Florian Klein sogar die Führung auf dem Scheitel, doch der Ball ging an der falschen, weil äußeren Seite der Stange vorbei (21.).
Das rächte sich prompt. Denn so gut die Österreicher offensiv kombinierten, so desaströs agierten sie in der Abwehr. Wieder war es Tadic, der nach einem Ballverlust von ÖFB-Kapitän Julian Baumgartlinger unbedrängt flanken durfte, auf Mitrovic - erneut Aleksandar - passte wieder keiner auf, und der Stürmer köpfelte locker zur neuerlichen Führung ein (23.). Nicht nur Teamchef Koller wollte wohl aus der Haut fahren. Immerhin hatte Sabitzer fast unmittelbar wieder die Chance zum Ausgleich, doch diesmal behielt Goalie Vladimir Stojkovic die Oberhand (25.).
Mitrovic bringt Serbien erneut in Führung (23.)
Erneut ist es Dusan Tadic, der eine ideale Flanke auf Aleksandar Mitrovic spielt. Der serbische Stürmer steigt in die Höhe und köpfelt zu seinem zweiten Treffer in der Partie ein.
Trotzdem: Der zweite Gegentreffer hatte Spuren hinterlassen. Anders war es nicht zu erklären, dass Mitrovic erneut alleine vor Özcan auftauchen konnte. Doch diesmal blieb der ÖFB-Goalie Sieger (28.). Die Hausherren spürten die Unsicherheit der Gäste. Bei einem Weitschuss von Filip Kostic war Özcan aber erneut zur Stelle (40.). Mit 2:1 für Serbien ging es in die Pause. Es hätte aber auch 3:2 stehen können: Zuerst wurde ein Schuss von Arnautovic gerade noch neben das Tor abgefälscht (41.), dann rettete Özcan gegen Kostic, nachdem Baumgartlinger beim Ausputzen grob geschnitzt hatte (45.).
Geduldprobe für Rot-Weiß-Rot
Die Devise für die zweite Hälfte war klar: Es konnte nur besser werden. David Alaba klopfte kurz nach Wiederbeginn mit einem Freistoß schon einmal beim serbischen Torhüter an, doch der hatte mit dem zentral geschossenen Ball keine Probleme (47.). Kurz darauf hatten die Österreicher die nächste Schrecksekunde zu verdauen: Arnautovic wand sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden, konnte aber weiterspielen. Dafür gab es sogar von den serbischen Fans Applaus - damit hatten wohl nicht viele gerechnet.
Eines war schnell klar: Die Österreicher mussten jetzt alle Geduld der Welt aufbringen. Denn Serbien überließ der ÖFB-Elf das Feld und lauerte auf schnelle Konterstöße. Um den Deckel endgültig zuzumachen, war den Hausherren jedes Mittel recht. Als Alaba einen Ball ins Out spielen wollte, weil Baumgartlinger angeschlagen auf dem Rasen lag, knöpfte ihm ein Serbe den Ball ab und zog unbedrängt aufs Tor. Zum Glück resultierte aus der unfairen Aktion nur ein Eckball. Sauer war man auf die Serben aber allemal, für Baumgartlinger musste Stefan Ilsanker eingetauscht werden.
Neuerlicher Ausgleich zu wenig
Doch als viele im Stadion schon glaubten, die Mätzchen der Gastgeber würden den Widerstand des Gegners brechen, schlugen die Österreicher sportlich zurück. Diesmal patzte wieder die Abwehr der Serben, gleich drei Österreicher tauchten alleine vor Stojkovic auf, Janko schob den Ball im zweiten Versuch in die Maschen (62.). Lange hatte man den Torjäger nicht gesehen, doch dann schlug er wie aus dem Nichts zum 28. Mal im Teamdress zu. Fast im Gegenzug hätte man aber die Arbeit schon wieder zunichte gemacht: Özcan rettete gegen Mitrovic (64.).
Janko gleicht neuerlich aus (62.)
Nach einer strittigen Situation gleicht Marc Janko zum 2:2 aus.
Das Spiel war wieder völlig offen, bei 2:2 nicht verwunderlich. Bei den Österreichern kehrte etwas Sicherheit zurück ins Spiel - allerdings nur offensiv. Denn defensiv blieb man weiter eine Vorgabe und fing sich nur zwölf Minuten nach dem Ausgleich den dritten Gegentreffer ein. Diesmal besorgte ihn Tadic, der überragende Serbe auf dem Platz, selbst, nachdem das Umschaltspiel der Österreicher wieder nicht funktioniert hatte. Özcan war machtlos (74.).
Tadic mit dem 3:2 (74.)
Auf zwei Assists lässt Dusan Tadic ein Tor folgen und stellt auf 3:2 für Serbien.
Jetzt hatten die Österreicher nicht nur Serbien, sondern auch die Uhr gegen sich. Und die tickte gnadenlos. Österreich versuchte, ruhig zu bleiben, eine gewissen Nervosität konnte man aber nicht verstecken. Abspielfehler ermöglichten Serbien immer wieder den Raum zu schnellen Kontern. Hinten machten die Gastgeber zu. Nur zweimal konnten die Österreicher den Riegel noch knacken, doch Arnautovic traf alleine vor Stojkovic den Ball nicht richtig (81.), dann traf der eingewechselte Alessandro Schöpf aus kurzer Distanz den Ball nicht voll (94.). Die Auswärtsserie der ÖFB-Elf war damit nach acht Siegen in Folge zu Ende.
Karl Huber, ORF.at, aus Belgrad
WM-Qualifikation, dritter Spieltag Gruppe D
Sonntag:
Serbien - Österreich 3:2 (2:1)
Belgrad, Stadion Rajko Mitic, 20.000 Zuschauer, SR Eriksson (SWE)
Torfolge:
1:0 A. Mitrovic (6.)
1:1 Sabitzer (15.)
2:1 A. Mitrovic (23.)
2:2 Janko (62.)
3:2 Tadic (74.)
Serbien: Stojkovic - Ivanovic, S. Mitrovic, Nastasic - Rukavina (90./N. Maksimovic), Milivojevic, Fejsa, Kolarov - Tadic, A. Mitrovic (77./Gudelj), Kostic (66./Katai)
Österreich: Özcan - Klein, Dragovic (71./Prödl), Hinteregger, Wimmer - Baumgartlinger (58./Ilsanker), Alaba - Sabitzer, Junuzovic (63./Schöpf), Arnautovic - Janko
Gelbe Karten: Tadic, Milivojevic, Kolarov bzw. Baumgartlinger, Ilsanker
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