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Tristesse am Persischen Golf

Die Weltmeisterschaften in Doha gehen quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Szene. Daran wird sich auch beim Straßenrennen der Elite am Sonntag, dem traditionellen WM-Höhepunkt, nichts ändern. Für die Gastgeber mit ihren vielen Ölmilliarden ist es indes ein weiteres Topevent, womit sie sich profilieren können. Die teilnehmenden Österreicher lässt das Rundherum ebenso kalt wie die nahezu unerträglich hohen Temperaturen.

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Der Wüstenstaat Katar mauserte sich in den vergangenen Jahren zum Akkordveranstalter von sportlichen Großevents: die Schwimm-WM auf der Kurzbahn 2014, Handball-WM 2015, die aktuelle Rad-WM, Leichtathletik-WM 2019 - und als Krönung die Fußball-WM 2022. Dafür wird schon jetzt überall eifrig gewerkelt. Auf einem Gebiet knapp kleiner als die Steiermark werden eigens dafür acht Stadien entstehen.

Tradition dagegen können die Scheichs nicht kaufen, genauso wenig wie Stimmung, die bei der Rad-WM am Persischen Golf gegen null tendiert. Wo in Traditionsländern wie Italien und Frankreich sowie wohl auch bei der Rad-WM 2018 in Innsbruck Hunderttausende Fans am Straßenrand für gewaltigen Lärm sorgen, erlebt die Profiszene in Katar genau das Gegenteil. Bei den Siegerehrungen sind Fotografen zumeist die einzigen Zuschauer.

Bernhard Eisel auf einer Wüstenstraße in Katar

Bernhard Eisel

Eisel beim Training in der Wüste

„Für die UCI sicher ein Jackpot“

Der Streckenkommentator hätte bei den bisherigen Rennen jeden Fan auch einzeln begrüßen können. Nicht einmal die Einwohner Dohas wollen sich die Medaillenentscheidungen bei Temperaturen von bis zu 40 Grad vor der Haustür live geben.

Bernhard Eisel, der mit Marco Haller als Österreichs Zweimannspitze am Sonntag auf eine Überraschung hofft, zeigt dafür Verständnis. „Bei der Hitze stellt sich keiner auf die Straße. Auch wir schauen uns kein Rennen an, es ist zu anstrengend. Wir verfolgen alles im Fernsehen“, sagte Eisel gegenüber ORF.at.

Der frühere UCI-Präsident Pat McQuaid hatte den WM-Deal mit Katar eingefädelt - eine von vielen undurchsichtigen Entscheidungen in seiner Amtszeit - genauso wie diesen Termin im Oktober, wenn in Katar für Sportler gesundheitsschädliche Temperaturen herrschen. Direkt über dem Asphalt sollen diese rund 60 Grad betragen. Die Fußall-WM wurde eigens wegen der Hitze in den Winter verlegt. Eisel: „Für die Finanzen der UCI und damit für uns alle ist diese WM sicher ein Jackpot - da darf es schon ein bisserl wärmer sein.“

Vorbereitung in Infrarotkabine

Dem Tiroler Junioren-WM-Titelverteidiger Felix Gall blieb angesichts der Hitze sprichwörtlich die Spucke weg. „Da kommst fast nicht mit dem Trinken nach, der Mund trocknet dauernd aus. Ziemlich hart die Hitze, vor allem weil die Luft so trocken ist.“ In der Vorbereitung griff der 18-Jährige deshalb auf eine ungewöhnliche Maßnahme zurück: Er trainierte in der Infrarotkabine. „Damit der Schock für den Körper nicht so groß ist.“

Junioren-Weltmeister Felix Gall beim Radtraining in der Sauna

Felix Gall

Der Osttiroler Felix Gall versuchte sich mit Hilfe einer Infrarotkabine an die Wüstenbedingungen in Doha zu gewöhnen

Haller versuchte gegenüber ORF.at zu relativieren und brachte die prekären Bedingungen in Doha zugleich auf den Punkt. „Bei der Tour de France gibt es auch Tage, an denen du im Schatten 30 Grad hast. Aber im Gegensatz zu hier gibt es Abfahrten, Waldpassagen, einmal fährst du einen Bach entlang - aber das hier sind außergewöhnliche Bedingungen. Wenn es heißt, hier hat es 35 Grad im Schatten, dann sind das 45 Grad. Weil es hier in Katar eben keinen Schatten gibt“, sagte der 25-Jährige.

Trikots mit speziellen Kühlelementen

Getüftelt wurde im Vorfeld vor allem bei den favorisierten Nationen viel - etwa bei den Italienern, die mit eigens angefertigten Trikots ins Rennen gehen, in die Kühlelemente gesteckt werden, um der Hitze beizukommen. Vor dem Finale werden die Kühlstäbe entfernt. „Das kann am Ende einen entscheidenden Vorteil bringen. Scharfrichter wird nicht der ebenfalls starke Wind, sondern die Hitze werden“, so Haller.

ÖRV-Routinier Eisel lässt sich mit seinen 35 Jahren freilich nicht mehr aus der Ruhe bringen. „Ich fahre lieber in der Wüste als nächstes Jahr bei zwei Grad und Regen im norwegischen Bergen. Mir ist es heiß lieber“, sagte der Steirer - seine Prognose für Sonntag (10.20 Uhr, live in ORF Sport + und im Livestream): „Wir fahren ewig in der Wüste und sobald es ein bisschen hektisch wird, ist es schon wieder vorbei. Das wird leider die langweiligste Weltmeisterschaft der Geschichte.“

Michael Fruhmann, ORF.at

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