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„Ziemlicher Leistungsabfall“

Für Dominic Thiem sind die Erste Bank Open erneut nicht nach Wunsch verlaufen. Der Lokalmatador verlor am Donnerstag gegen Viktor Troicki mit 2:6 5:7 und verpasste zum dritten Mal en suite das Viertelfinale in Wien. „Es gab einen ziemlichen Leistungsabfall zur ersten Runde“, betonte Österreichs Paradespieler, der zum Auftakt noch Gerald Melzer mit 6:0 6:3 aus der Stadthalle geschossen hatte.

„Es war ein ziemlicher Leistungsabfall, aber auch nicht katastrophal“, resümierte Thiem nach 44 Eigenfehlern und nur zehn Gewinnschlägen. „Die Tagesform war nicht ideal. Ich habe nie die richtige Mitte gefunden – einmal habe ich zu viel, einmal zu wenig gemacht. Es war nicht der Level, den ich spielen kann, und wenn ich den nicht abrufe, habe ich bei so einem Turnier keine Chance.“

„Habe mir keinen Titelgewinn erwartet“

Thiem verzeichnete einen klassischen Fehlstart und lag nach 18 Minuten bereits mit 0:4 zurück. „Der erste Satz war schnell weg, ich habe mich dann schon auf den zweiten konzentriert“, erzählte der 23-Jährige. Die Wende wollte sich aber nicht einstellen: „Er hat bei Breakbällen gut serviert, und ich habe auch schlecht gespielt, daher geht die Niederlage in Ordnung.“

Bitteres Aus für Thiem und Melzer

Bittere Niederlagen mussten Dominic Thiem und Jürgen Melzer am Donnerstag im Achtelfinale bei den Erste Bank Open in Wien einstecken. Besonders das Aus von Thiem gegen den Serben Viktor Troicki kam überraschend.

Alles in allem sei die Partie nur die logische Fortsetzung seiner Form der vergangenen Wochen gewesen: „So läuft es schon seit den US Open. Es wäre eine Überraschung gewesen, wenn ich hier alles niedergerissen hätte. Eigentlich habe ich mir keinen Titelgewinn erwartet“, gestand Thiem, der den Druck des Heimturniers nicht als Erklärung gelten lassen wollte: „Damit hat es nichts zu tun.“

Körperlich und mental gut drauf

Auch die körperliche und mentale Verfassung sei durchaus in Ordnung gewesen, bestätigte Thiem: „Da war soweit alles gut. Nach Peking habe ich einige Tage frei gehabt, daher war auch keine Leere zu spüren. Eventuell hat ein bisschen die Selbstverständlichkeit gefehlt.“ Eines dürfe man freilich nicht vergessen: „Die Saison war lang und intensiv. Es war mein 25. Turnier in diesem Jahr“, merkte der Weltranglistenneunte an.

Dominic Thiem

APA/Georg Hochmuth

Thiem lief auch im Wien-Achtelfinale seiner Form nach

Und sie ist noch nicht vorbei – im Gegenteil: Für Thiem geht es in diesen Tagen um die historische Chance, sich als zweiter heimischer Spieler nach Thomas Muster für den Saisonabschluss der besten acht, die World Tour Finals in London, zu qualifizieren. Möglichst viele Punkte in Wien wären ein wichtiger Baustein gewesen, wenngleich die Chancen für das Ticket ohnehin gut stehen.

„London wäre die Krönung“

„Ich hoffe, dass es sich ausgeht“, sagte Thiem, der nächste Woche wie alle Asse das 1000er-Turnier in Paris-Bercy bestreitet. „Ich schaue, dass ich ein paar Runden gewinne, das sollte dann reichen“, erklärte der Lichtenwörther, der sich allerdings mit den exakten mathematischen Voraussetzungen nicht auseinandersetzen wollte: „Ganz genau weiß ich es nicht.“

Laut ATP liegt Thiem jedenfalls sehr gut im Rennen: Derzeit nimmt er von den infrage kommenden Spielern den siebenten Rang ein – um London doch noch zu verpassen, müsste er von zwei Akteuren aus dem Trio Tomas Berdych, David Goffin und Marin Cilic überholt werden. Dazu benötigen die drei in Paris jeweils zumindest den Halbfinal-Einzug. „Es ist ein guter Polster. London wäre die Krönung, aber wenn es nicht klappt, werde ich auch nicht so traurig sein“, so Thiem.

Christoph Lüftl, ORF.at, aus der Wiener Stadthalle

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