Meistermission mit „Mister X“
Nach der Beurlaubung von Mike Büskens braucht Rapid nicht nur einen neuen Betreuer. Der gesuchte „Supertrainer“ muss einem Dutzend Kriterien genügen. Und er soll die Hütteldorfer trotz neun Punkten Rückstands auf Tabellenführer Sturm zurück ins Titelrennen bringen. ORF.at hat fünf in der Gerüchteküche gehandelte Namen für den „Mister X“ auf ihre Voraussetzungen abgeklopft.
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Festlegen wollte sich Rapid-Präsident Michael Krammer gegenüber den Medien nach der Bekanntgabe der Beurlaubung von Büskens nur in einem Punkt: Der neue Trainer soll noch während der Länderspielpause vorgestellt werden. Damit scheide also der derzeitige ÖFB-Teamchef Marcel Koller als möglicher neuer Rapid-Trainer bereits aus, wurde am Rande gescherzt. Alle anderen Kandidaten müssen sich unterdessen einer Bewertung des Rapid-Personalausschusses stellen. Zwölf Kriterien umfasst der Katalog, dem die Kandidaten genügen sollten.
Dazu gehört auch die für die hartgesottenen Fans vom „Block West“ stets eingeforderte Rapid-Affinität. Krammer bestätigt: „Jemand mit Rapid-Vergangenheit hat immer einen Bonus.“ Das bedeute freilich nicht, dass dieses Kriterium das wichtigste ist. „Das ist nur einer von zwölf Punkten. Andere sind nationale und internationale Erfahrung oder nachweisliche Entwicklung von jungen Spielern“, so Krammer. „Diese Punkte sind gewichtet. Dann bewertet der Personalausschuss nach einem Hearing“, beschrieb der Rapid-Boss das Prozedere.
„Taktikvariabilität ist sehr wichtig“
Maßgeblich für den neuen Trainer, darauf wies Krammer explizit hin, ist eine derzeit besonders gefragte Eigenschaft: „Taktikvariabilität ist sehr wichtig.“ Vor allem hinsichtlich der Systemdebatten besteht bei den Rapidlern die Hoffnung, einen Fachmann zu finden, der mehrere Spielsysteme - etwa mit einer oder mit mehreren Sturmspitzen - beherrscht. Dadurch wird bei den Hütteldorfern die Hoffnung genährt, auch „kleine“, ultradefensiv eingestellte Mannschaften zu knacken.
Rapid-Chefs beurlaubt
Nach der 0:1-Heimpleite Rapids am Sonntag gegen den WAC wurden Trainer Mike Büskens und Sportdirektor Andreas Müller am Montag beurlaubt.
In der Gerüchteküche kursieren fünf prominente Namen. Zwei davon - Andreas Herzog und Dietmar Kühbauer - haben den Bonus der „Rapid-Vergangenheit“. Beide fühlen sich ihrem Herzensclub nach wie vor tief verpflichtet. Doch mit Herz alleine fährt man gegen den WAC, Altach oder Ried keine Siege ein, wie die letzten Wochen zeigten. Auch Fachleute aus dem deutschsprachigen Ausland dürften auf dem Rapid-Radar stehen. Die Topkandidaten im Überblick:
Der Erfahrene: Thomas Schaaf
Der 55-jährige Mannheimer Thomas Schaaf ist eine grün-weiße Koryphäe - allerdings bei Werder Bremen, das die gleichen Clubfarben wie Rapid trägt. Er ist ein erfahrener, akribischer Arbeiter, der beinahe seine gesamte Karriere bei den Norddeutschen verbrachte. Sein Vorteil: Er wurde mit Bremen sowohl als Spieler als auch als Trainer Meister und Pokalsieger. 2009 führte er Werder sogar ins Finale des UEFA-Pokals.

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Seine letzten beiden Trainerstationen in Hannover und bei Eintracht Frankfurt verliefen allerdings nicht nach Wunsch - in beiden Fällen wurde er vor Ende der Vertragslaufzeit freigestellt. Ebenfalls problematisch ist seine taktische Einstellung: Er gilt als sturer Verfechter eines 4-4-2-Systems mit Raute im Mittelfeld.
Der „heiße“ Grün-Weiße: Dietmar Kühbauer
In Hütteldorf wird der frühere Mittelfeldspieler Kühbauer meist als „Don Didi“ bezeichnet. Der 45-jährige Südburgenländer absolvierte als Aktiver von 1992 bis 1997 172 Pflichtspiele für Rapid und erarbeitete sich einen Status als Chef im Mittelfeld. Besonders in Erinnerung blieben seine emotionalen Auftritte auf und außerhalb des Platzes - vor allem in Wiener Derbys gegen die Austria.

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Doch Kühbauer emanzipierte sich in seiner Trainerlaufbahn vom Image des „Schmähbruders“ und bewies bei der Admira und dem WAC, dass er das Maximum aus nominell unterlegenen Mannschaften herausholen kann. Die Südstädter führte er sogar in den Europacup. Trotz seines Legendenstatus bei den Rapid-Ultras - Kühbauer ist unter anderem Teil der Rapid-Elf des Jahrhunderts - wäre der geforderte dominante Spielstil bei den Hütteldorfern Neuland für Kühbauer. In seinen vorherigen Stationen konnte er stets auf den Status des Außenseiters setzen.
Der logische Grün-Weiße: Andreas Herzog
1984 von der Admira-Jugend zu Rapid gekommen, entwickelte sich der Mittelfeldspieler Herzog zum absoluten Leistungsträger bei den Wienern und in der Nationalmannschaft. „Herzerl“ brachte es auf 189 Pflichtspiele für Rapid (37 Tore). Nach seiner aktiven Karriere agierte er als Kotrainer der ÖFB-Teamchefs Josef Hickersberger und Karel Brückner, ehe er für zweieinhalb Jahre die österreichische U21-Auswahl übernahm. Seit Anfang 2012 bildet der 48-jährige Herzog mit seinem früheren Bayern-Teamkollegen Jürgen Klinsmann das Trainergespann beim US-Nationalteam.

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Bei jeder Trainerbesetzung (Teamchef Österreich, Bremen, Rapid) wurde Herzogs Name genannt. Herzog selbst wäre bereit für ein Engagement als Clubtrainer - in seinem Kontrakt mit dem US-Verband ist sogar eine entsprechende Ausstiegsklausel verankert. Nachteil von Herzog wäre die mangelnde Erfahrung als Vereinstrainer.
Das Fink-Pendant: Mirko Slomka
Der 49-jährige Deutsche Mirko Slomka wurde als Trainer vom mittlerweile zum RB-Leipzig-Architekten avancierten Ralf Rangnick geformt. Bei Hannover agierte er lange Zeit als Nachwuchscoach, ehe er von 2001 bis 2004 als Kotrainer unter Rangnick mit sehenswertem Offensivfußball in die erste deutsche Bundesliga aufstieg. Slomka folgte seinem Mentor in der Folge auch zu Schalke und übernahm dort nach dessen Entlassung den Posten als Cheftrainer. 2007 führte er den Ruhrpott-Club auf Platz zwei, in der Saison danach ins Viertelfinale der Champions League.

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Pikant: Entlassen wurde Slomka bei Schalke am 13. April 2008 - vom damaligen Sportchef Andreas Müller, der seinerseits nun bei Rapid gehen musste. Nach einem weiteren Engagement bei Hannover landete der taktisch versatile Slomka 2014 als Nachnachfolger des heutigen Austria-Trainers Thorsten Fink beim Hamburger SV - und hielt mit den Norddeutschen in der Relegation die Klasse. In der Folgesaison wurde er nach nur drei Spielen freigestellt, seitdem ist Slomka vereinslos. Spannend für Rapid wäre seine offensive Spielphilosophie, zudem setzte er in der Mehrzahl seiner Mannschaften auf das bei Rapid praktizierte 4-2-3-1 ein. Ein Hemmnis für Rapid wäre hingegen wohl die Finanzierung Slomkas.
Die heimische Lösung: Damir Canadi
Der gebürtige Wiener Damir Canadi kämpfte sich als Trainer durch die Niederungen der Fußballigen nach oben. Als Aktiver bestritt er zwar ein Spiel für die Wiener Austria, in den Folgejahren war der Mittelfeldspieler aber für elf unterschiedliche Clubs tätig. Als Trainer führte er den DSV Fortuna 05 Wien von der Landes- in die Regionalliga, nach Engagements in Floridsdorf (PSV, FAC) war er danach knapp eine Saison unter Ex-Austrianer Rashid Rachimov Kotrainer bei Lokomotive Moskau. In der Bundesliga etablierte sich Canadi dann beim FC Lustenau (2011 bis 2013) und seit 2013 bei Altach.

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Bei den Rheindorfern leistete Canadi Aufbauarbeit, führte den „Ländle“-Club 2013 auf Rang zwei und schaffte im Jahr darauf den Aufstieg in die Bundesliga. Dort mischte Canadi die etablierten Kräfte auf und beendete die Saison als Dritter. Nach Rang acht in der Vorsaison etablierte sich Altach heuer wieder in der Spitze - und führt die Tabelle mit dem punktegleichen Sturm Graz an. Für Canadi spricht der sich aus der eigenen Vita ergebende unbändige Erfolgswille, auch taktisch gilt Canadi als überaus gewieft. Kein anderer machte es den „Großclubs“ zum wiederholten Mal so schwer wie die Canadi-Elf.
Beim Anhang dürfte der 46-Jährige wegen seiner violetten Vergangenheit weniger beliebt sein. Dass sein Vertrag bei Altach noch bis Saisonende läuft, dürfte hingegen weniger problematisch sein: Dem Vernehmen nach hat Canadi eine Ausstiegsklausel in seinem Kontrakt. Bliebe noch die Frage, ob es tatsächlich zum Kuriosum käme, dass der Ligafünfte in der laufenden Saison dem Ligazweiten den Trainer abwirbt.
Mario Wally, ORF.at
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