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Liga geht gegen Mobbing vor

Wer den Sprung in eine der großen nordamerikanischen Profiligen schafft, der muss am Anfang viel aushalten. Denn die Rookies stehen in der Hierarchie ganz unten. Neulinge müssen nicht nur die Taschen der Arrivierten tragen, es gilt auch, persönliche Erniedrigungen zu ertragen. In der Major League Baseball (MLB) mussten sich Rookies etwa als „Prinzessinnen“ verkleiden. Doch damit ist jetzt Schluss.

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Ein neuer Kollektivvertrag zwischen MLB und Spielergewerkschaft ist schuld, dass alteingessene Spieler auf solche Schikanen künftig verzichten müssen. Eine neue Anti-Mobbing-Regel ist teil des Vertrages. Andere Spieler „aufzufordern, zu nötigen oder zu ermutigen, sich als Frauen zu verkleiden oder Kostüme zu tragen, die als Beleidigung der Rasse, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Nationalität oder des Alters aufgefasst werden können“, ist künftig verboten.

Auslöser für die Diskussion in der MLB-Führungsriege über Mobbing in den Kabinen war ein Fall der Miami Dolphins aus der National Football League (NFL) im Jahr 2013. Haupttäter Richie Incognito sowie John Jerry und Mike Pouncey hatten u. a. ihren Teamkollegen Jonathan Martin und auch Assistenztrainer über einen längeren Zeitraum hin gemobbt. Martin musste sogar in psychologische Behandlung und fasste in der NFL nie mehr Fuß. Incognito, der seinen ehemaligen Teamkollegen später auch per SMS bedrohte, wurde als Folge des Mobbing-Skandals von Miami entlassen.

Schluss mit Prinzessinnen

Laut Paul Mifsud, seines Zeichens Vizepräsident der MLB, ist die neue Regelung auch eine Reaktion auf diverse Postings in Sozialen Medien. „Es wurden viele Bilder von verkleideten Spielern gepostet, die unserer Meinung nach unsensibel und möglicherweise beleidigend für eine große Anzahl von Gruppen sind“, sagte Mifsud der Associated Press. Der Funktionär nannte auch ein konkretes Beispiel: „Es gibt viele Bilder, in denen Spieler als Disney-Prinzessinnen verkleidet sind.“

Spieler, die künftig als Eiskönigin, Rapunzel, Cinderella oder Schneewittchen verkleidet erwischt werden, haben mit einem Anruf aus der MLB-Zentrale zu rechnen. Aktionen wie jene der Washington Nationals oder LA Angels, die ihre aktuellen Superstars Bryce Harper und Mike Trout in ihrem Rookie-Jahr als Mitglied des US-Frauen-Turnteams bzw. als Lady Gaga kostümiert aus dem Flieger steigen ließen, wird es ebenfalls nicht mehr geben.

Unter die neue Regel fällt auch die in jüngster Zeit aufgekommene Tradition, die Youngsters in der Schlussphase des Grunddurchganges bei Auswärtsfahrten zu verkleiden. Für Aufsehen sorgten 2008 die Spieler der San Diego Padres, als sie sich im knappen Kellnerinnenoutfit der Restaurantkette Hooters präsentieren mussten. Die Spieler der LA Dodgers traten im Kollektiv als Cheerleader verkleidet auf.

Verkleidete Baseballspieler

AP/The Denver Post/John Leyba

Bilder wie jene der Padres 2008 wird es künftig nicht mehr geben

Nicht alles ist verboten

Die Spielergewerkschaft stimmte dem Vorschlag der Liga bei den Kollektivvertragsverhandlungen zu - allerdings mit Auflagen. Denn die Spieler können sich gegen etwaige Strafen rechtlich wehren. „Die Zeiten haben sich geändert“, sagte Gewerkschaftsvertreter Dave Prouty, „es gibt gewisse Verhaltensregeln, auf die wir aufpassen müssen. Es war uns aber wichtig, dass die Spieler weiter das Recht haben, die Höhe etwaiger Strafen zu beeinspruchen.“

Die neue Vorschrift der MLB betrifft aber nicht Verkleidungen per se. Wer als Batman oder Spiderman herumlaufen möchte, darf das auch weiterhin. Auch Verkleidungen wie jene von San Franciscos Madison Bumgarner, der als Ketchupflasche herumlief, sind weiter erlaubt. „Traditionen“, wie etwa jungen Spielern Alkohol oder sonstige Flüssigkeiten unter Zwang einzuflößen, fallen hingegen unter die neue Regelung. Auch dass Spielern, wie etwa einst Quarterback Tim Tebow in der NFL bei Denver, eine Tonsur geschoren wird, ist - zumindest im Baseball - wohl Geschichte.

Kritik von Spielerseite

Bei den Spielern kommt die Kleiderordnung nur bedingt gut an. Vor allem ehemalige Akteure gingen mit dem Verbot, sich als Frauen zu verkleiden, hart ins Gericht. „Ernsthaft?“, fragte sich Kevin Youkilis, einst Starspieler der Boston Red Sox und aktuell im Management von MLB-Champion Chicago Cubs tätig: „Ich musste einst im Hooters-Outfit in Toronto durch den Zoll und habe es mit Stolz getragen.“ Auch Pitcher Ross Stripling von den LA Dodgers twitterte: „Ich bin stolz, als einer der letzten Spieler als Frau verkleidet gewesen zu sein.“

Freiwilliges Mitmachen ist aber für die MLB kein Milderungsgrund. Eines stellte die Liga jedoch klar: Taschen tragen oder Wasserträger spielen bleibt Rookies auch künftig nicht erspart. „Der Zweck der Regelung ist es nicht, alle Traditionen im Umgang mit Rookies zu verbieten“, heißt es in der neuen Verordnung, „aber es soll Verhalten unterbinden, das die Gesundheit eines Spielers gefährdet oder beleidigend für Spieler, Fans oder Clubangestellte ist.“

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