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19-Jähriger „um Lichtjahre“ voraus

An den beiden Mercedes-Fahrern war 2016 kein Vorbeikommen. Doch hinter den Silberpfeilen fuhr sich dieses Jahr mit Max Verstappen „ein Jahrhunderttalent“ ins Rampenlicht. Der mittlerweile 19-Jährige feierte in Barcelona als jüngster Formel-1-Pilot der Geschichte seinen Premierensieg und schickt sich an, 2017 um die WM-Krone zu kämpfen.

Als Verstappen im März 2015 in Australien sein Debüt in der Formel 1 gab, hatte der 17 Jahre und 166 Tage alte Niederländer noch nicht einmal einen Führerschein. Nur ein Jahr später wechselte er in der Saison von Toro Rosso zu Red Bull und fuhr gleich im ersten Rennen für seinen neuen Rennstall in Barcelona zum Sieg. Verstappen war genau 18 Jahre und 228 Tage alt und darf sich fortan mit dem Titel „jüngster GP-Sieger“ schmücken.

Jubel von Max Verstappen (NED/Red Bulld), im Hintergrund Kimi Räikkönen (FIN/Ferrari)

APA/AP/Manu Fernandez

Verstappen (l.) kürte sich in Barcelona zum jüngsten Grand-Prix-Sieger

„Ich habe keine Antwort, außer: Kappe ab, das ist ein Jahrhunderttalent“, staunte selbst Niki Lauda. Der Teenager wurde vom Motorsportweltverband FIA als „Persönlichkeit des Jahres“ ausgezeichnet. Glaubt man den Aussagen von Red-Bull-Berater Helmut Marko, könnte es nicht sein letzter Titel gewesen sein, denn Red Bull bläst mit Verstappen zum Großangriff auf Mercedes. „Wir sind absolut wieder in Stimmung zu gewinnen“, so Marko.

Frühförderung macht sich bezahlt

Doch der Reihe nach: Max Verstappen kam am 30. September 1997 als Sohn von Ex-Formel-1-Pilot Jos Verstappen (106 GP-Starts, zwei dritte Plätze) und Kartfahrerin Sophie Kumpen auf die Welt. Seine Rennkarriere wurde geplant. „Von vier bis 16 Jahren hat mich sicher mein Vater am stärksten gefördert. Dann war es eine Mischung aus meinem Vater und Dr. Marko“, erzählte Max. 2014 kam er in die europäische Formel 3, in dieser Saison gelangen ihm zehn Siege. 2015 folgte der Aufstieg zu Toro Rosso und das F1-Debüt, ehe er 2016 innerhalb der Saison Daniil Kwjat bei Red Bull ersetzte.

Der Rest ist Geschichte. Lewis Hamilton und Nico Rosberg schossen sich beim Barcelona-GP gegenseitig ab, und Verstappen nützte die Gunst der Stunde, um sechs Zehntelsekunden vor dem doppelt so alten Finnen Kimi Räikkönen (Ferrari) als Sieger ins Ziel zu fahren. „Geboren, um zu gewinnen“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“. Für „La Stampa“ war es die „Formula Max“.

Versprechen für die Zukunft

Verstappen selbst sagte über sich: „Ich wollte immer in der Formel 1 fahren, Rennen gewinnen und Weltmeisterschaften - nichts anderes.“ Dass Verstappen in Zukunft WM-Titel feiern wird, daran zweifelt im Rennzirkus niemand. Für Marko habe schon dessen erster Einsatz in Barcelona gezeigt, „dass er Lichtjahre davon entfernt ist, ein normaler Formel-1-Fahrer zu sein“.

Max Verstappen jubelt mit Helmut Markko

APA/AFP/Josep Lago

Für Red-Bull-Berater Marko ist Verstappen kein „normaler Formel-1-Fahrer“

Auch wenn der 19-Jährige gerade kein Rennen gewinnt, drückt er der Formel 1 durch teils waghalsige Manöver seinen Stempel auf. In Sao Paulo etwa machte der Niederländer in den letzten 17 Runden bei schwierigsten Bedingungen 14 Plätze gut. „Das war ganz klar die Verstappen-Show. Eine unglaubliche Leistung und große Unterhaltung“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Drift von Max Verstappen

AP/Leo Correa

Verstappen bei einem Drift im Regenrennen von Sao Paulo

Durch seine kompromisslose und ungestüme Art macht sich Verstappen natürlich nicht nur Freunde. Mit Räikkönen focht er einige Duelle hart - oder über? - der Schmerzgrenze aus, auch Hamilton bremste er schon aus. Vor dem Brasilien-GP etwa soll Wolff extra mit Vater Jos Verstappen telefoniert haben und diesen gewarnt haben, dass der Jungstar nicht in den Titelkampf zwischen den Mercedes-Piloten eingreift.

Geht es nach Marko, so sollen Verstappen und Red Bull 2017 dann sportlich in den Titelkampf eingreifen. „Mit den Regeländerungen für 2017 kann sich niemand mehr auf die Erfahrung oder das bewährte Package verlassen. Und die Geschichte hat gezeigt, dass wir immer gut sind, wenn es Regeländerungen gibt. Daher sind wir überzeugt, dass wir 2017 um beide Titel kämpfen werden“, sagte der Steirer zu Formula1.com. Zuzutrauen ist es Verstappen.

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