„Ersatzfrau“ jubelt über Platz zwei
Ilka Stuhec hat sich am Sonntag bei der Ski-WM in St. Moritz die heiß ersehnte Goldmedaille abgeholt. Nach Platz elf im Super-G und dem Ausfall im Kombi-Slalom raste die 26-jährige Slowenin der Konkurrenz in der Abfahrt auf der selektiven Engiadina auf den letzten Metern auf und davon und siegte vor der Überraschungszweiten Stephanie Venier (+0,40) und US-Star Lindsey Vonn (+0,45).
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Stuhec galt in St. Moritz als absolute Favoritin, gewann sie doch in diesem Winter im Weltcup die ersten drei Saisonabfahrten, eine Kombi und den letzten Super-G vor der WM. Allerdings musste die fünffache Saisonsiegerin für den Sieg hart kämpfen. Bei der letzten Zwischenzeit lag sie noch fünf Hundertstelsekunden zurück, zündete dann aber den Turbo und holte auf den letzten Metern noch fast eine halbe Sekunde heraus.
Venier rast zur Silbermedaille
„Ersatzfrau“ Venier nutzte die Gunst der Stunde und raste bei ihrer ersten WM-Teilnahme sensationell zur Silbermedaille in der Abfahrt hinter der Slowenin Stuhec.
„Sprachlos und noch immer nervös“
Sensationell zu Silber hinter Stuhec fuhr „Ersatzfrau“ Venier, die sich in der internen ÖSV-Qualifikation für das Rennen zwar geschlagen geben hatte müssen, nach dem freiwilligen Verzicht Anna Veiths von den Trainern aber für den vierten Startplatz nominiert worden war. „Ich bin sprachlos und eigentlich noch immer nervös. Dass es jetzt Rang zwei ist, macht mich megahappy“, sagte die Tirolerin im ORF-Interview.

APA/EXPA/Johann Groder
Dank einer beherzten Fahrt darf sich Venier über Edelmetall freuen
Dass es bei ihren ersten Titelkämpfen gleich für eine Medaille reichte, konnte Venier ebenso wie wohl die ORF.at-User (nur 19,49 Prozent trauten ihr vor dem Rennen in einem Voting einen Stockerlplatz zu) noch gar nicht fassen. „Ich habe eine gute Fahrt gemacht und wäre auch ohne Medaille zufrieden gewesen“, sagte die 23-jährige Tirolerin, die im Weltcup als Super-G-Zweite in Garmisch-Partenkirchen Anfang Jänner erst einmal auf dem Stockerl stand. „Ich war heute schneller als im Training. Bei den Sprüngen habe ich mir gedacht, dass ich überhaupt keinen Boden mehr finde.“
Eine Last von den Schultern fiel Siegerin Stuhec. „Es war schwieriger als bei einem normalen Weltcup-Rennen. Am Start habe ich mir gedacht, dass ich meine Emotionen zurückhalten und einfach nur Ski fahren muss. Verletzungen sind Teil unseres Sports, aber ich habe immer gekämpft. Heute habe ich es zurückgezahlt bekommen“, betonte die Slowenin, deren Mutter als Sevicefrau fungiert. „Meine Ski waren unglaublich schnell, das habe ich schon oben gespürt. Wir haben aber noch nicht viel miteinander gesprochen, sondern nur geweint.“
Stuhec zündet im Finish den Turbo
Die dreifache Saisonsiegerin wurde ihrer Favoritenrolle gerecht. Mit einem fulminanten Finish fing Stuhec Venier noch ab und holte Gold.
Scheyer trauert Medaillenchance nach
Nicht ganz nach Wunsch lief es unterdessen für die restlichen drei ÖSV-Läuferinnen. Zauchensee-Siegerin Christine Scheyer landete als zweitbeste Österreicherin mit 0,94 Sekunden Rückstand auf die Siegerzeit auf dem sechsten Platz. „Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, aber es ist immer noch cool, dass ich Sechste bin“, sagte die 22-Jährige. „Ich war vielleicht zu brav unterwegs, das muss ich noch genau analysieren. Ich freue mich aber natürlich mit der Stephanie mit.“
Ramona Siebenhofer war 1,12 Sekunden langsamer als Stuhec und wurde Neunte. Auch Nicole Schmidhofer, die das Rennen mit Startnummer eins eröffnet hatte, erwischte einen guten, aber nicht perfekten Lauf. Vor allem im unteren Streckenteil ließ die Super-G-Weltmeisterin viel Zeit liegen, im Ziel wies sie 1,76 Sekunden Rückstand auf. Dabei wollte Schmidhofer nach den enttäuschenden Plätzen 37 und 28 in den Abfahrtstrainings im Rennen noch zulegen.
WM-Abfahrt in St. Moritz:
- 1. Ilka Stuhec (SLO)
- 2. Stephanie Venier (AUT)
- 3. Lindsey Vonn (USA)
„Für mich persönlich ist es nicht so gelaufen. Auf dieser Abfahrt habe ich aber auch nicht so viel erwartet. Hier geht es nicht so auf Linie, aber ich bin eben mehr die Linienfahrerin“, sagte die 27-jährige Steirerin, die sich aber mit Venier über Silber freute. „Das ist mega für die Mannschaft. Ich habe schon auf Steffi getippt. Sie war schon im Training sehr gut und ist ein Rennpferd.“
Goggia vergibt Sieg auf letzten Metern
Auch die Silbermedaillengewinnerin des ersten WM-Speed-Bewerbs, die Liechtensteinerin Tina Weirather, kam mit der 2.521 Meter langen Engiadina nicht optimal zurecht, im Ziel wies die 27-Jährige 1,18 Sekunden Rückstand auf. Pech hatte auch Sofia Goggia, die mit Startnummer fünf ins Rennen ging. Bei der letzten Zwischenzeit lag die Italienerin noch 0,14 Sekunden vor Stuhec, überkreuzte danach aber ihre Ski und schaffte es gerade noch so durch die letzten Tore. Mit 0,52 Sekunden Rückstand reichte es schließlich für Goggia nur für den undankbaren vierten Rang. Auf das Stockerl fehlten ihr nur sieben Hundertstelsekunden.
Freuen durfte sich deshalb US-Star Vonn, für die die Bronzemedaille wie Gold glänzt. „Es war schwierig zurückzukommen, aber ich habe gekämpft“, betonte die 32-Jährige. „Nach Cortina war mein Selbstvertrauen nicht so groß, im Super-G bin ich auch ausgeschieden. Ich habe Vollgas gegeben. Das war nicht die beste Lindsey, aber es war schon genug. Rang drei war eine schwierige Position. Da hofft man, dass nicht noch jemand schneller ist. Ich habe ziemlich Angst gehabt, aber meine Zeit hat gehalten. Jetzt bin ich sehr, sehr glücklich.“
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