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Zwei Tore, ein Ausschluss, kein Sieger

Die Serie von Auswärtssiegen in Wiener Derbys wäre am Sonntag zum Abschluss der ersten Frühjahrsrunde von Rapid beinahe fortgesetzt worden. Vor 15.577 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion gingen die Hütteldorfer gegen die Austria durch Giorgi Kvilitaia in der 55. Minute einer intensiven Partie in Führung. Mit einem Mann mehr gelang den Violetten durch Lukas Rotpuller in der 94. Minute aber doch noch der Ausgleich.

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In letzter Minute verhinderte die Austria die vierte Derby-Heimpleite in Serie. Fünf von sechs Duellen der Wiener Rivalen waren davor an die Auswärtsmannschaft gegangen. Für den bitteren Ausgang aus Rapid-Sicht war mitverantwortlich, dass Joelinton (66. Minute) mit Gelb-Rot frühzeitig in die Dusche geschickt worden war. Insgesamt war die Punkteteilung für beide Teams wenig hilfreich. Die Austria verpasste es, Sturm Graz zu überholen und bis auf drei Punkte an das Spitzenduo Salzburg sowie Altach heranzukommen. Rapid liegt als Fünfter weiter zehn Punkte hinter der viertplatzierten Austria.

Austria - Rapid: 1:1

Ropuller trifft im Finish aus kurzer Distanz zum Ausgleich ins Rapid-Tor.

Rapid erwischt besseren Start

Resch und frisch war das Motto der Anfangsphase des 320. Wiener Derbys, allerdings nur aus grün-weißer Sicht. Denn Rapid gab bei Temperaturen knapp über null Grad zunächst den Ton an. Ein erster Warnschuss von Louis Schaub (5.), der mit Giorgi Kvilitaia die Doppelspitze bildete, strich an der linken Stange vorbei. Die von einem vollen, pyrotechnisch aufgerüsteten Gästefanblock unterstützten Hütteldorfer wirkten spritziger, nach der Winterpause hellwach. Die Austria stieg nach einer Viertelstunde ins Geschehen ein, erarbeitete sich nun ebenfalls Ballbesitz und Spielanteile.

Christopher Dibon (17.) schoss vom Sechzehner über das Austria-Tor, nachdem Goalie Osman Hadzikic den Ball ohne Not fallen gelassen hatte. Auf der anderen Seite war Tobias Knoflach, der Richard Strebinger (Rückenprobleme) im Rapid-Tor ersetzte, bis zur 19. Minute beschäftigungslos. Und da hätte es eigentlich gleich „klingeln“ müssen, als der aufgerückte Innenverteidiger Petar Filipovic eine ideale Freistoßflanke von Raphael Holzhauser unbedrängt nicht im grün-weißen Gehäuse unterbringen konnte.

Kayode vergibt gute Austria-Chancen

Rapid-Coach Damir Canadi hatte abgesehen von der Tormannposition mit einer weiteren Überraschung aufgewartet. So begann Andreas Kuen am linken Flügel, während der Isländer Traustason die Ersatzbank drückte. Stefan Schwab gab nach langer Verletzungspause sein Comeback, zog in der Zentrale die Fäden - nach einem verheißungsvollen Beginn aber nur noch verhalten. Denn die Violetten kamen nun in Fahrt. Eine außerordentlich gute Kontermöglichkeit vergab Larry Kayode (27.), weil er den frei stehenden Lucas Venuto ignorierte und den Ball verstolperte.

Fünf Minuten vor der Pause fand Kayode noch eine hochkarätige Torchance vor, nachdem er von Jens Stryger Larsen mit einem Querpass von rechts mustergültig in Szene gesetzt worden war. Der unplatzierte Abschluss des Nigerianers landete direkt in den Armen von Knoflach, der in seiner ersten Spielhälfte keinen Fehler machte. Was die jeweiligen Drangperioden betraf, hatten sich die Wiener Erzrivalen die 45 Minuten gerecht aufgeteilt, weshalb der Pausenstand von 0:0 auch durchaus in Ordnung ging.

Kvilitaia köpfelt Rapid in Führung

„Bengalisch“ und rauchtechnisch konnten die Fangruppen nach der Pause noch einmal zulegen. Der Rapid-Block qualmte, zündelte und knallte praktisch ununterbrochen. Ob das die Rapid-Mannschaft auf dem Rasen beflügelte, sei dahingestellt. Jedenfalls schwang sich Kvilitaia in der 55. Minute auf, der Partie mit einem sehenswerten Kopfballtor die erste zählbare Richtung zu geben. Nach einer schönen Flanke von Kuen von links sprang der Georgier am Fünfer am höchsten, profitierte dabei von der unkoordinierten Vorgehensweise der Austria-Verteidiger Lukas Rotpuller sowie Filipovic und netzte wuchtig zur 1:0-Führung ein.

Austria - Rapid 0:1

Nach einer idealen Flanke steht Kvilitaia goldrichtig und köpfelt zum 1:0 ein.

Das vierte Saisontor von Kvilitaia verlieh den Gästen naturgemäß Auftrieb, Offensivmann Joelinton aber wohl zu viel. Denn in der 66. Minute holte sich der Brasilianer von Referee Manuel Schüttengruber für ein entbehrliches Foul an Stryger Larsen seine zweite Gelbe Karte ab und flog vom Platz. Bemerkenswert auch, dass es sich dabei auch erst um die zweite Gelbe im gesamten Match handelte. Nun war es an der Austria, die numerische Überlegenheit auch spielerisch zu nutzen. Leicht fiel ihr das nicht, weil die Elf von Thorsten Fink oft umständlich und ungenau agierte.

Elf Violette gegen zehn Grüne im Finish

Rapid wiederum hielt taktisch diszipliniert und leidenschaftlich kämpfend dagegen. Immer wieder versandeten die Austria-Angriffe, teilweise schon weit vor dem gegnerischen Strafraum. Mario Sonnleitner und Christopher Dibon stellten im Zentrum gute Abseitsfallen, bewahrten die Ruhe, wurden von der violetten Offensive aber auch nicht vehement genug attackiert. Der eingewechselte Kevin Friesenbichler (85.) brachte noch einen halbwegs gefährlichen Kopfball zustande. Ein Abschlussversuch von Rotpuller, ebenfalls per Kopf (88.), flog weit über die Latte hinweg.

Austria-Spieler jubeln

GEPA/Christian Ort

Die Austria bejubelte den Ausgleich in allerletzter Sekunde

Die vierte von fünf angezeigten Minuten Nachspielzeit lief bereits, als die Austria doch noch den oft zitierten „Lucky Punch“ setzte. Sämtliche Violette waren schon aufgerückt, als ein weiter Abschlag in den Rapid-Strafraum den Kopf von Alexander Grünwald fand. Der lenkte den Ball weiter auf Rotpuller, den die Rapid-Verteidiger völlig aus den Augen verloren hatten. Und der Innenverteidiger drückte den Ball aus kurzer Distanz zu seinem ersten Saisontor über die Linie. Knoflach war schuldlos, aber geschlagen. Die Austria bejubelte einen fast schon abgeschriebenen Punkt.

Harald Hofstetter, ORF.at

Tipico-Bundesliga, 21. Runde

Sonntag:

Austria - Rapid 1:1 (0:0)

Wien, Ernst-Happel-Stadion, 15.577 Zuschauer, SR Schüttengruber

Torfolge:
0:1 (55.) Kvilitaia
1:1 (94.) Rotpuller

Austria: Hadzikic - Larsen, Rotpuller, Filipovic, Martschinko - Serbest, Holzhauser (76. Prokop) - Venuto (68. Tajouri), A. Grünwald, Pires - Kayode (82. Friesenbichler)

Rapid: Knoflach - Auer (91./Schößwendter), Sonnleitner, Dibon - Pavelic, Grahovac, Schwab, Joelinton, Kuen - Schaub (63./Murg), Kvilitaia (70./Okungbowa)

Gelb-Rote Karte: Joelinton (66./wiederholtes Foulspiel)

Gelbe Karten: keine

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