Youngsters bestehen Feuerprobe
Es war die erste WM-Team-Medaille der österreichischen Nordischen Kombinierer seit den Zeiten von Felix Gottwald: Bronze in Lahti war in der Besetzung mit dem 34-jährigen Bernhard Gruber und den drei Youngsters Mario Seidl, Philipp Orter und Paul Gerstgraser ein weiterer Beweis für den ÖSV-Talentepool in dieser Sparte.
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Für den 23-jährigen Orter war es die zweite WM, der 24-jährige Seidl und der erst 21-jährige Paul Gerstgraser gaben in Finnland ihr Debüt und bestanden die Feuertaufe mit Bravour. Die doch etwas überraschende Bronzemedaille glänzte daher wie Gold und setzte auch ein Signal auch in Richtung Zukunft.
Am Sonntagabend erhielt das ÖSV-Quartett bei der feierlichen Siegerehrung die Medaillen, viel Zeit zum Feiern blieb allerdings nicht, steht doch am Mittwoch (11.00 und 15.15 Uhr, live in ORF eins) bereits der Bewerb von der Großschanze auf dem Programm, bei dem Gruber Titelverteidiger ist.
Gruber sieht glänzende Zukunft
Der „Teamkapitän“ war besonders enthusiastisch. Der Salzburger, der nun schon sechs WM-Medaillen (drei goldene, zwei silberne und eine bronzene) sein Eigen nennt, freut sich sehr über den Nachwuchs im Team. „Das ist eine goldene Generation mit irrsinnig vielen Talenten. Diamanten, die man so herpolieren kann, dass sie richtig zu glänzen anfangen“, sagte Gruber.
Bronze für Kombinierer
Bei der nordischen Ski-WM in Lahti sorgte die Staffel der ÖSV-Kombinierer für die zweite Medaille für Österreich.
Nicht nur die ebenfalls im WM-Team befindlichen David Pommer und Franz-Josef Rehrl (beide 23), sondern auch im noch jüngeren Bereich kommen einige vielversprechende Talente. Das Quartett Samuel Mraz, Marc-Luis Rainer, Florian Dagn und Mika Vermeulen hatte zuletzt in den USA Junioren-WM-Gold im Team-Bewerb geholt.
„Wir Alten werden uns anhalten müssen, und so soll es auch sein, dass uns die Jungen ein bisserl in den Hintern treten“, sagte Gruber und hofft, dass „wir Arrivierten ihnen noch ein bisserl was lernen können“. Der Salzburger und seine Kollegen sprechen immer wieder vom „sensationellen Teamspirit“. Gruber ist sich einer tollen Zukunft der ÖSV-Kombinierer sicher: „Wir freuen uns auf große Taten.“
„Sensationelle Arbeit“ belohnt
Für den Erfolg im Hintergrund seien viele Köpfe zuständig: „Auch im Kontinentalcup wird sehr gut gearbeitet“, spricht Gruber die Trainer Markus Eggenhofer und Bernhard Pollerus an. Und im Nationalteam verrichten Christoph Bieler (Springen) und Jochen Strobl (Langlauf) für Gruber „sensationelle Arbeit“. „Man sieht, was für eine Leistungsexplosion in einem Jahr geht.“
Chefcoach Christoph Eugen bringe viel Ruhe ins Team, und auch vom erfahrenen Gruppentrainer Günther Chromecek, der sich unter anderem um Gerstgraser und Orter kümmert, komme „ein positiver Funke“. Beim Blick auf die zweite WM-Woche ist Gruber zuversichtlich. „Wir haben eine lässige Teamleistung gebracht, darauf können wir aufbauen. Ich hoffe, dass wir auf der Großen weite Flüge zeigen können.“
Sonderlob für Gerstgraser
Sonderlob von Gruber gab es für „Teambaby“ Gerstgraser: „Wie er das am letzten Stieg gemacht hat, in Pauli-Gerstgraser-Manier - wir wissen alle, dass er irrsinnig schnell sein kann. Pauli hat das wie ein arrivierter Athlet gemacht, unser Jungspund. Ich kann nur den Hut ziehen, sensationell.“ Am Ende der spannenden Langlauf-Staffel war Gerstgraser völlig „blau“ als Dritter ins Ziel gelaufen. Mit einer Attacke im letzten Anstieg hatte er sein Riesentalent bewiesen.

GEPA/Florian Ertl
Schlussläufer Gerstgraser wurde von seinen Teamkollegen beinahe erdrückt
Als sich seine Teamkollegen im Ziel vor Freude auf ihn stürzten, blieb ihm gleich noch einmal die Luft weg. „Ich habe nicht mehr viel mitgekriegt, ich war so blau nach dem Anstieg. In der Abfahrt habe ich mich auch nicht mehr erholt“, sagte der Salzburger nach seinem perfekten WM-Debüt. „Die haben sich dann auf mich draufgehaut, ich habe keine Luft mehr gekriegt und habe gesagt, geht runter, geht runter, weil ich so außer Atem war“, meinte er lachend. „Es war ein super Tag und wir vier sind superhappy.“
Ebenfalls „happy“ ist der 21-Jährige über den Zustand im Nachwuchsbereich. „Wir haben noch viele andere Athleten, die genau das gleiche Potenzial haben wie wir. Deswegen sind wir in Österreich relativ gut aufgestellt, ich freue mich auf die Zukunft.“ Seidl stimmte da zu: „Es fühlt sich richtig genial an. Man sieht, dass von hinten was nachkommt. Dass ich der Erste von den Jungen bin, taugt mir.“ Seidl hatte ja mit seinen ersten beiden Weltcup-Podestplätzen ausgerechnet auf der Olympiaanlage 2018 in Pyeongchang auch international Aufmerksamkeit erhalten.
Eugen sieht „Riesenziel“ erreicht
Besonders über Bronze freute sich Eugen. „Wir haben bei den letzten Weltmeisterschaften in Predazzo und Falun keine Medaille im Team gemacht, und das ist schon ein Zeichen, dass die Jungen eine gewisse Reife und Stärke haben.“ Für den Chefcoach sei es „ein Riesenziel“ gewesen, wieder Edelmetall mit der Mannschaft zu holen.
Gerade für Seidl und Gerstgraser sei ihre erste WM eine „irrsinnige Erfahrung, speziell für in Seefeld“, blickte Eugen schon ich Richtung Heim-WM 2019. Trotz besonderer Nervosität bei den beiden hatte Eugen volles Vertrauen in die Youngsters. Und schwärmte noch einmal von Gerstgraser. „Er hat im Weltcup schon oft gezeigt, dass er antrittsschnell ist, und das heute war Rydzek-like, da wissen wir, in Zukunft werden wir ihn hinten brauchen.“
Ein guter Ausblick also auch mit Blick auf die erste WM in Österreich seit 20 Jahren (1999 in Ramsau). „Ja, wir haben eine sehr gute Mannschaft. Es gibt auch noch einige Junge, die daheim sind“, meinte Ernst Vettori als zuständiger Sportlicher Leiter. „Wir haben wieder Gold gemacht bei der Junioren-WM, wir arbeiten auch sehr fleißig. Da gilt es auch einmal zu den Deutschen aufzuschließen, weil die momentan halt übermächtig sind. Irgendwann wird das auch passieren“, ist der Tiroler überzeugt.
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