„Weil er mit Druck umgehen kann“
Mehr als 250 Pflichtspiele hat David Alaba im Alter von 24 Jahren schon für den FC Bayern München bestritten. Gewonnen hat der gebürtige Wiener mit seinem Club alles: Champions League, Club-WM, UEFA-Supercup, fünfmal die deutsche Meisterschaft und viermal den DFB-Pokal. In seinem 55. Länderspiel für Österreich führt Alaba das Nationalteam am Freitag (20.45 Uhr, live in ORF eins) gegen Moldawien erstmals als Kapitän an.
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Obwohl die Sperre des eigentlichen Kapitäns Julian Baumgartlinger die Auswahl von Cheftrainer Marcel Koller hart trifft, passt das doch auch ganz gut: Denn wann wäre das berühmte Bayern-Siegesgen, das Alaba in seinen bisher sechs Jahren in München fest implantiert wurde, für Österreich dringender nötig als jetzt? Nach vier Partien in der WM-Qualifikationsgruppe D liegt das ÖFB-Team mit nur vier Punkten auf dem vierten Platz. Alles andere als ein Heimsieg gegen den Tabellenletzten wäre das Ende aller Träume.
Alaba gegen Moldawien Ersatzkapitän
David Alaba wird am Freitag gegen Moldawien anstelle des gesperrten Julian Baumgartlinger die Kapitänsschleife tragen. Für viele kam die Entscheidung überraschend, da bisher Marc Janko Ersatzkapitän war.
Im Ernst-Happel-Stadion wird es auch am Auftreten von Österreichs sechsmaligem Fußballer des Jahres (2011 bis 2016) liegen, ob die WM 2018 in Russland zur Hälfte der Quali noch ein realistisches Ziel bleibt. „Vor allem ist es eine Riesenehre für mich, die Mannschaft als Kapitän anführen zu dürfen. Anders ist für mich dadurch nichts“, sagte Alaba in der für ihn typischen, abgebrühten Art am Donnerstag bei der Pressekonferenz im Medienzentrum des Happel-Stadions. „Ich werde wie immer versuchen, vorne wegzugehen.“
Links oder zentral im Fünfermittelfeld
Alaba hatte die Kapitänsschleife schon im jüngsten WM-Qualispiel gegen Irland (0:1) übergestreift - aber nur weil Baumgartlinger im Finish fälschlicherweise geglaubt hatte, ausgewechselt zu werden. Im Testspiel gegen die Slowakei (0:0) übernahm er sie schließlich bei Baumgartlingers tatsächlicher Auswechslung. Dass er das Team nun gegen Moldawien erstmals von Beginn anführen wird, erfuhr er von Koller am Mittwochabend. „Ich möchte dem Teamchef das Vertrauen, das er in mich hat, zurückzahlen“, so Alaba. „Wie immer werde ich versuchen, die Mannschaft mitzureißen“, kündigte er an.
Sollte Koller das Team wirklich in einer 3-5-2-Formation spielen lassen, wäre diesmal die linke Seite eine denkbare Option für Alaba - allerdings nicht hinten in der Dreierkette, sondern im Fünfermittelfeld. Bisher stellte Koller seinen Starspieler ja immer ins defensive Mittelfeldzentrum. Das könnte sich gegen die Moldawier natürlich auch fortsetzen. „Wir müssen versuchen, unser Spiel aufzuziehen, unsere Qualitäten auf den Platz zu bringen“, forderte Alaba unabhängig von all diesen Überlegungen.
Abschluss-PK zum Nachsehen
Teamchef Koller erklärt, warum David Alaba gegen Moldawien die Kapitänsbinde trägt und wie man die nötigen drei Punkte einfahren soll.
Die Zeit ist reif
Damit meint der bei Bayern als Linksverteidiger gesetzte Legionär die zweifellos höhere spielerische Klasse im Vergleich zu den Gästen. Sollte es das erwartete Geduldsspiel gegen voraussichtlich sehr defensiv eingestellte Moldawier werden, wäre das für Alaba jedenfalls nichts Neues: „Ich kenne das aus München sehr gut, wenn der Gegner tief steht und es manchmal länger 0:0 steht“, betont der prominente Vertreter von Leverkusen-Legionär Baumgartlinger, der beim ÖFB-Teamlehrgang in Wien die ganze Woche dabei war.
„Wir haben uns für ihn entschieden, weil er Spieler bei Bayern München ist und weil er mit Druck umgehen kann“, begründete demensprechend auch Koller seine Entscheidung, Alaba vorübergehend auch offiziell zum Anführer zu machen. Alaba sei ohnehin auch im Spielerrat und hätte schon oft Führungsaufgaben übernommen. „Jetzt ist er auch in einem Alter, wo er diesen Schritt gehen kann“, ergänzte der Teamchef.
Ärger über Scharners Aussagen zu Alaba
Sein erstes Länderspiel hatte Alaba im Oktober 2009 in Frankreich (1:3) bestritten - mit 17 Jahren und drei Monaten als jüngster ÖFB-Teamspieler der Geschichte. „Er hat als Spieler die Champions League gewonnen und spielt seit fünf, sechs Jahren regelmäßig in dieser Liga“, verwies Koller auf Alabas in der deutschen Bundesliga oft unter Beweis gestellte Qualitäten.
Kurz ging der Schweizer auch auf die Aussagen des früheren Teamspielers Paul Scharner ein, der Alaba in einem Interview mit dem Wettanbieter bwin vorgeworfen hatte, im Finish gegen Irland die taktische Vorgabe von Koller ignoriert zu haben, auf die Linksverteidigerposition zu wechseln. „Es stimmt nicht“, so Koller. „Paul Scharner war nicht dabei.“ Ganz „wurscht“, wie man so schön sagt, ist ihm Scharner aber nicht. Dieser sehe sich offenbar in einer Reihe mit Hans Krankl, Herbert Prohaska oder Toni Polster, meinte Koller leicht angesäuert. „Aber das ist dann doch eine andere Kategorie. Ich denke, wir sollten ihn nicht zu wichtig nehmen.“
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Harald Hofstetter, ORF.at