Themenüberblick

Völlig abgehoben

Die Superlativen für Stefan Kraft sind im am Sonntag abgeschlossenen Weltcup- und WM-Winter beinahe ausgegangen: Doppelweltmeister, Skiflug-Weltrekordler, Raw-Air-Sieger und nun auch noch die große und die kleine Kristallkugel für den Weltcup-Gesamtsieg und den Skiflug-Weltcup. Kraft war der große Abräumer der Saison.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der 23-jährige Salzburger schloss diese am Sonntag beim Finale in Planica standesgemäß mit seinem achten Saisonsieg ab. „Es waren heuer so viele schöne Momente, es ist schwer zu sagen. Jedes Ereignis war etwas Spezielles. Aber der Gesamtweltcup ist doch eine Leistung über die ganze Saison, es beginnt schon im Sommer“, sagte Kraft im ORF.

Gespräch mit Gesamtweltcup-Sieger Kraft

Stefan Kraft hat seine perfekte Saison am Sonntag in Planica mit dem Sieg im Gesamtweltcup gekrönt. Im Interview spricht er über seine Emotionen und neue Ziele.

Der Triumph im Gesamtweltcup war für ihn der wertvollste Erfolg: „Das ist sicher mein Karrierehighlight. Ich wollte es immer einmal schaffen, es war mein großes Ziel, heuer vorne mitzumischen. Dass ich es jetzt gewonnen habe, ist ein Wahnsinn.“

Erfolgreiche „Roboter“

Der 23-jährige Salzburger sprang sich in der Saison 2016/17 nicht nur endgültig in die Herzen der Skisprung- und Sportfans, er ist auch in die Riege der rot-weiß-roten Sportgrößen aufgestiegen. Im Kampf um den Titel des Sportlers des Jahres 2017 ist es für Marcel Hirscher keine klare Sache mehr. Denn Kraft hat es dem sechsfachen Alpin-Weltcup-Gesamtsieger nachgemacht.

„Zum Marcel habe ich immer gesagt, er ist ein Roboter, jetzt bin ich vielleicht selber schon einer“, meinte Kraft im APA-Gespräch schmunzelnd. Zunächst schaffte der Pongauer in Lahti Doppel-WM-Gold und als erster Österreicher überhaupt Einzel-Gold von beiden Schanzen, dann segelte er in Vikersund zur neuen Weltrekordmarke von 253,5 Metern.

Stefan Kraf mit Medaillen

GEPA/Harald Steiner

Kraft brachte auch viermal Edelmetall von der WM in Lahti nach Hause

Nach 293 Punkten Rückstand am 22. Jänner auf den Weltcup-Führenden Kamil Stoch (POL) startete Kraft auch noch eine unglaubliche Aufholjagd und krönte seine Saison mit seinem ersten Gesamtweltcup-Sieg. Acht Saison-Einzel-Siege bei gesamt 17 Podestplätzen haben das ermöglicht. An offiziellen WM-Prämien, Weltcup-Preisgeldern und Raw-Air-Geld hat Kraft brutto rund 290.000 Euro verdient, dazu kommen noch ÖSV-interne und Sponsorengelder.

Im Kreis der Legenden

Als erster Österreicher seit Gregor Schlierenzauer (2012/13) und siebenter ÖSV-Springer überhaupt schaffte Kraft dieses Kunststück. Erstmals aus dem Schatten von Größen wie Thomas Morgenstern und Co. war Kraft mit dem Sieg bei der Vierschanzentournee 2014/15 getreten. In der abgelaufenen Saison lief es für Kraft bei der Tournee wegen eines Virus nicht nach Wunsch, dafür sicherte er sich im Finish einer besonders kräfteraubenden Saison auch noch die neue Raw-Air-Serie.

Wintersporthelden: Kraft und Hirscher

Während Marcel Hirscher seine bereits sechste große Kugel für den Gewinn des Gesamtweltcups im alpinen Skirennsport in Empfang nehmen durfte, flog Stefan Kraft in Vikersund zum Weltrekord.

So sehr der Pongauer auf den Schanzen dieser Welt auch abhebt, so sehr auf dem Boden ist er auch nach all den Erfolgen geblieben. Der Bayern-München-Fan hat eine natürliche Art, macht keine großen Sprüche und lässt sich auch durch Rückschläge die gute Laune selten nehmen. Als Wettkampftyp vermag er sich zudem genau dann zu steigern, wenn es darauf ankommt.

Lob vom Chef

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel pries den Athleten wie den Menschen Stefan Kraft: „Stefan ist eine ganz besondere Person. Er bleibt am Boden, ist ein guter Athlet, ist lustig. Verbesserungen gibt es immer, aber wenn man einen Kraft hat, überdeckt er alles“, weiß der Tiroler, der auch Heinz Kuttin lobte. „Kuttin hat sehr gut als Cheftrainer gearbeitet, auch das ganze Trainerteam, sonst wären wir nicht da, wo wir sind.“

Peter Schröcksnadel und Stefan Kraft

GEPA/Andreas Pranter

So hat Peter Schröcksnadel seine Athleten am liebsten: als Überflieger

„Es war wirklich unglaublich“

Der gelobte Kuttin freute sich ebenfalls über Krafts sensationelles Saisonfinish. „Das i-Tüpfelchen. Es war wirklich unglaublich, obwohl es nach der Raw Air schwieriger geworden ist. Und jetzt setzt er im Fliegen noch einmal einen drauf. Es war unglaublich“, konstatierte Kuttin gegenüber der APA.

Kraft habe bewiesen, was für ein Selbstvertrauen er habe, und den Lauf durchgezogen. „Den Druck, den er draufgehabt hat, hat er am Freitag abgeworfen mit seinem Sieg. Da hat man gemerkt, wie der Mensch fliegen kann“, sagte der Kärntner nach Abschluss seiner dritten, bisher erfolgreichsten Saison als ÖSV-Cheftrainer.

Steckbrief Stefan Kraft

  • Geboren: 13. Mai 1993 in Schwarzach im Pongau
  • Wohnort: Goldegg (Salzburg)
  • Größe/Gewicht: 1,70 m/56 kg
  • Familienstand: ledig
  • Hobbys: Fußball, Skifahren, Beachvolleyball
  • Verein: SV Schwarzach

Größte Erfolge:

  • WM: zweimal Gold 2017 Lahti (Normal- und Großschanze), zweimal Silber 2017 Lahti (Mixed) und 2015 Falun (Team), zweimal Bronze 2017 Lahti (Team) und 2015 Falun (Normalschanze)
  • Skiflug-WM: zweimal Bronze 2016 Kulm (Einzel und Team)
  • Weltcup: Gesamtsieger 2016/17, Dritter 2014/15, zwölf Einzelsiege
  • Vierschanzentournee: Sieger 2014/15
  • Junioren-WM: Gold 2011 (Team), Silber 2011 (Einzel), zweimal Bronze 2013 (Einzel) und 2012 (Team)
  • Skiflug-Weltrekord mit 253,5 m am 18. März 2017 in Vikersund

Links: